Vor gut drei Jahren haben die Hamburger mit ihren Einflüssen
aus Break-Beat, House, Techno und einer reichlichen Portion Synthie-Pop
einen kleinen Überraschungserfolg verbuchen können.
"2000 Guns" wird noch den meisten im Ohr klingen, wer
damals kurz halt auf den Musikkanälen gemacht hat, bei dem
ein Lennart A. Salomon mit leicht souliger Stimme zu verzücken
wusste. Remixanfragen von Bands wie Rammstein, Fischerspooner
oder Timo Maas waren die Folge, wenn auch das Trio zum Abschluss
der Arbeiten des neuen Albums ohne Label dastand. Nachdem die
Veröffentlichung von "Off" ganz gestrichen wurde,
haben sie in Pias Records nun endlich eine neue Behausung gefunden
und sind guter Dinge, wenn das Album am 14. Oktober nach reichlicher
Verzögerung die CD Geschäfte erstmals von innen sehen
wird. Sänger Lennart nahm sich zum bevorstehenden Anlass
gerne Zeit um sich ein paar Fragen zu stellen.
Gern
wird das zweite Album oft als das Schwierigste bezeichnet. Bei
euch trifft dies ohne jeden Zweifel zu. Ist es eher Freude oder
Erleichterung die einen erfüllt nach einem regelrechten Marathonlauf
das Album nun endlich der großen Masse zugänglich machen zu können?
Sowohl als auch. Es ist gut, endlich diesen Zyklus abschließen
zu können. Nachdem wir das Album auf Drängen der alten Plattenfirma
immer wieder abgeändert haben und Songs verändert und ausgetauscht
haben, viel es uns immer schwerer neue Songs zu schreiben. Sobald
das Album jetzt draußen ist, haben wir keine Kontrolle mehr darüber.
Wir können dann nichts mehr ändern und das ist auch gut so. Wir
freuen uns, dass wir endlich allen zeigen können, was wir die
letzten Jahre gemacht und gefühlt haben und dass wir dann auch
endlich an neuen Songs arbeiten können.
Wie schon angedeutet, war das Album eigentlich schon für einen
wesentlich früheren Termin angekündigt. Alles stand kurz vor einer
Veröffentlichung, Promos wurden versendet und plötzlich hat sich
Polydor gegen euch entschieden. Wo liegen die Gründe hierfür?
Es war ja nicht so, dass ihr mit "Solid State" ganz unerfolgreich
ward.
Das stimmt, aber das zu erklären ist nicht so einfach. Es war
eine sehr komplexe Situation, die viele Faktoren hatte. Und wir
wollen keine schmutzige Wäsche mehr waschen. Was wir aber sagen
können ist, dass uns die Polydor nicht gedroppt hat, sie wollten
uns sogar behalten. Nur war es zu den neuen Bedingungen und der
dadurch entstandenen Situation nicht mehr möglich war, ordentlich
zu arbeiten. Damals haben wir quasi die Veröffentlichung gestoppt,
weil wir Angst hatten, das Album würde gnadenlos untergehen. Und
dann ging die schwierige Zeit erst los...
Hat sich das lange "Herumtragen" der Songs nicht irgendwann zum
Nachteil entwickelt? Schließlich verändern sich mit der Zeit die
Ansichten, so dass es ganz natürlich ist, dass man Liebgewonnenes
irgendwann gar nicht mehr so gut findet. Letztendlich habt ihr
die Songs ja auch noch mal überarbeitet?
Das damalige Album unterscheidet sich schon sehr von dem, was
jetzt veröffentlicht wird. Wir haben ungefähr 50% der Songs ausgetauscht
oder überarbeitet. Aber es sind natürlich auch Songs drauf geblieben,
die wir immer noch gut finden. Es wäre auch schlimm, wenn wir
die Songs nach einem Jahr nicht mehr gut finden würden. Insofern
hat es auch was Gutes, dass es so lange gedauert hat. Denn jetzt
sind wir mit dem Album rundum zufrieden.
Wie
groß ist die Hoffnung mit "Off" an den Erfolg von einst anzuknüpfen?
In den letzten 3 Jahren hat sich viel getan und verändert. Und
dies nicht wirklich zum Positiven durch den Wegfall von Viva 2
und Onyx TV, zwei Sender die euch immer unterstützen. Wie viel
Optimismus muss aufbringen um in diesen Business zu bestehen?
Seine eigenen Ziele kann man zurückfahren, aber die Plattenfirmen
setzen doch immer schnell große Erwartungen in einen.
Genau aus dem Grund haben wir uns auch mit der PIAS für ein Indie
Label entschieden, weil wir in denen einen Partner gefunden haben,
die auch an einen langfristigen Aufbau ihrer Künstler glauben.
Es hat eine Art Gesundschrumpfung stattgefunden. Aber man braucht
schon Optimismus, Humor und Durchhaltevermögen, um dabei zu bleiben.
Wir sind aber immer noch guten Mutes und glauben an unsere Platte.
Wie kam die Zusammenarbeit mit eurem neuen Label Pias zustande?
Wir sind mit "Off" in der Tasche losgezogen und haben uns umgeschaut,
welches Label zu uns passen würde. Wir haben uns angeschaut, welche
Künstler sonst noch so auf dem Label beheimatet sind und uns bei
der PIAS am wohlsten gefühlt.
Wie sah der Alltag von Sono in den letzten Jahren des Wartens
aus? Verliert man irgendwann die Kraft oder habt ihr diese Zeit
schon für neue Songs genutzt, welche jetzt auf Halte liegen?
Wir hatten auf jeden Fall Phasen, in denen uns der Mut verlassen
hat. Wir waren mehrmals kurz davor das Handtuch zu werfen, haben
uns aber immer wieder aufgerafft und weitergearbeitet. Zwischendurch
haben wir aber auch noch andere Projekte angeschoben und weitergeführt.
So ist meine Zweitband Jerobeam mit einem neuen Album und diversen
Konzerten am Start gewesen und Martin und Florian haben eine Single
für kowesix von Moonbootica produziert. Zusammen haben wir an
Singles für Markus Gardeweg und den Disco Boys gearbeitet und
tatsächlich auch schon neue Songs und Songfragmente begonnen,
die wir jetzt, wenn das Album dann tatsächlich draußen ist, sehr
bald weiterschreiben und -produzieren werden.
Im Oktober wird nun "Off" endlich in den Läden stehen. Wann
sind die Songfragmente dafür entstanden?
Der frühste Song stammt noch von 2002 und der jüngste von
2005. Es war tatsächlich eine lange Zeit.
Ihr
kommt alle drei aus gänzlich verschiedenen musikalischen Bereichen.
Trägt es im Studio zum Vorteil bei oder hat es auch seine Kehrseite,
wenn zu viele verschiedene Meinungen existieren?
Inzwischen haben wir mehrere Wege gefunden, wie wir die Arbeit
an Songs angehen und wie wir die unterschiedlichen Ideen umsetzen
können. Und da sehen wir das eigentlich mehr als Stärke, das jeder
von uns dreien seinen Teil dazu beitragen kann. Die Zeiten, in
denen wir uns um gewisse Parts gestritten haben, sind eigentlich
seit der zweiten Single vorbei.
Auf "Off" hat die Gitarre einmal mehr Einzug gehalten. Wollt
ihr dies auf kommenden Alben weiter ausbauen, so dass vielleicht
sogar der Wunsch besteht in Zukunft weitere Instrumente zu integrieren?
Das ist völlig offen. Die Instrumentierung hängt immer wieder
vom Song ab. Da gibt es keine Konzepte, die wir vorher festlegen.
Insofern kann es gut sein, dass wir beim nächsten Album noch mehr
Live Instrumente einbauen, oder auch komplett elektronisch arbeiten.
Verwunderlich für mich war, dass es "Heading For" nicht mit
aufs Album geschafft hat. War dies von vornherein beabsichtigt
oder liegt er mittlerweile einfach nur zu weit zurück?
"Heading For" wird auf dem Vinyl als Bonus Track mit
drauf sein. Als wir uns für die endgültige Reihenfolge des Albums
entschieden haben, passte der Song einfach nicht mehr so gut rein.
Weil wir aber auch nicht ganz auf den Song verzichten wollten,
gibt es ihn als Bonus-Track auf der Vinyl Version.
Wird es nach "A New Cage" eine weitere Single aus dem Album
geben oder ist dieser Mark nach der starken Einsschränkung des
Musik-TV's gar nicht mehr so lohnenswert?
Mal schauen. Wir denken jedenfalls über eine zweite Single nach,
sind uns aber noch nicht ganz sicher, welche das sein wird. Das
Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Album.
Für Bands wie Rammstein und Fischerspooner habt ihr in der
Vergangenheit Remixe angefertigt, zuletzt sogar für Kelly Osbornes
"One Word". Welchen weiteren Zusammenarbeiten haben sich für euch
aktuell noch ergeben?
Wir haben u.a. einen Remix für den Kölner Elektronik-Fuchs Justus
Köhncke gemacht. Das war quasi eine Art Tauschgeschäft, denn er
hatte uns für unsere neue Single "A New Cage" ebenfalls einen
herrlichen Remix beschert. In den nächsten Tagen werden wir uns
dann an einen Mix für die neue Single von Ich+Ich machen.
Wie
auch auf dem Album zu vernehmen, haben organische Instrumente
bei euren Live-Auftritten schon immer eine Rolle gespielt. So
wurdet ihr live oft von einem Percussionisten begleitet. Wie werdet
ihr euch diesbezüglich auf der kommenden Tour präsentieren?
Zum kommenden Album wollen wir erstmal zu dritt auftreten. Wir
haben festgestellt, dass wir die Songs immer besser zu dritt live
umsetzen können und die extra Musiker nicht mehr unbedingt brauchen.
Es ist zwar immer wieder schön mit ihnen zu spielen, aber wir
wollen zeigen, dass es zu dritt auch geht. Schließlich sind auf
dem Album mit zwei Ausnahmen auch nur noch wir zu hören.
Ihr kommt mit euren Liveauftritten sehr viel herum. So habt
in der Vergangenheit auf den unterschiedlichsten Festivals gespielt,
welche den Techno-Jünger genauso in den Bann nehmen, wie den alteingesessenen
Synthie-Pop Fanatiker. Merkt man da besonders, dass Musik nur
in Schubladen funktioniert, keiner dem anderen über den Weg traut
oder ist Musik letztendlich doch eine gemeinsame große bunte Szene?
Die Frage nimmt die Antwort schon vorweg. Sono funktionieren sowohl
auf Elektronik Festivals, als auch im Club oder auf Indie-Parties
der Goth Szene. Wir passen zwar unsere Sets immer ein bisschen
an - es würde im Club einfach keinen Sinn machen unsere Balladen
zu spielen - aber im Großen und Ganzen stellen wir immer mehr
fest, dass unser szenenübergreifende Stil eher eine Stärke, als
ein Problem ist.
Wie sehen die weiteren Pläne für die Zukunft von Sono aus?
Wir sind natürlich erstmal gespannt, wie die Reaktionen auf das
neue Album sind und wollen es so oft wie möglich live präsentieren.
Und wir freuen uns jetzt schon darauf, unbelastet wieder ins Studio
zu gehen und am dritten Album zu arbeiten.
Von mir soll es das gewesen sein. Vielen Dank für das Interview
und viel Erfolg mit "Off". Die letzten Worte gehören euch...
Da nutzen wir doch gleich wieder das Forum, um uns bei den Fans
zu bedanken, die uns durch die ganzen Höhen und Tiefen begleitet
haben und trotz der langen Durststrecke zu uns gehalten haben.
Wir wissen, dass das gerade bei einer Band, die erst ein Album
hat, nicht selbstverständlich ist und wissen das zu schätzen.
Und ansonsten können wir immer nur auf unsere Homepage www.sono.fm
hinweisen, die unser Hauptmedium geworden ist, um mit unseren
Fans zu kommunizieren. Hier erfaht ihr alle Live Dates, Updates,
Specials etc. Wir sehen uns im Club!
Interview: Thomas Tröger & Sono [Lennart A. Salomon]
September 2005
Fotos: Philipp Rathmer
Sono:
Lennart A. Salomon
Florian Sikorski
Martin Weiland
Internet: www.sono.fm