Silence   

Ihr musikalisches Konzept zeigt sich wesentlich anders, als das ihrer Landsleute Laibach. Die slowenische Band Silence bewegt sich auf einem Terrain, was man nicht unbedingt Avantgarde Musik nennt, man aber auch nicht als Popmusik abstempeln mag. Die Ausrichtung lässt sich auch nicht in zwei Sätzen erklären, neben Elektronik und Akustik hält die Musik der Slowenen immer noch eine kleine Überraschung bereit. Dabei klingen ihre Songs immer sehr sorgfältig arrangiert und man merkt ihre Liebe zur Musik, welche auf ihrem neuen Album den Weg über Electro-Pop bis hin zu Trip Hop findet. Hierzulande leider immer noch ein Geheimtipp, konnten sich ein paar vereinzelte von den Qualitäten dieser Band auch live ein Bild machen. Nachstehend nun also das (zweisprachige) Interview mit der Band, sowie einen visuellen Einblick in das Leipziger Konzert von 20.02.2005.

Fotospecial [live 20.02.2005, Leipzig - Moritzbastei]


Wie auch bei euren vorangegangen Alben haben sich Kritiker über "Vain" durchweg positiv geäußert. Hierzulande haben bisher noch nicht viele den Weg zu euch gefunden und können etwas mit Silence anfangen. Könntet ihr bitte anfangs, für die bislang Unwissenden über Silence, einen kleinen Abriss über die Band geben.

Primoz: Wir möchten an dieser Stelle keine faktischen Angaben schreiben, da man diese alle unter www.silence-zone.com zu lesen bekommt. Wir möchten lieber betonen, dass wir als Silence in verschiedenen Bereichen tätig sind, wie z.B. in den Bereichen der Pop-Musik, Theatermusik, Filmmusik, der Musik für die Werbung. Kurzum, wir würden uns eher als Songwriter als Mitglieder einer Electro-Synth-Pop Band bezeichnen.

Ist für euch die Resonanz auf "Vain" bisher zufriedenstellend oder würdet ihr euch mehr wünschen? In Deutschland bekomme ich nur von einzelnen Leuten zu hören wie sie über das neue Silence Album denken und in Slowenien habt ihr sogar Platz 27 der Media Control Charts entern können. Ist der Unterschied Slowenien - Deutschland so stark?

Primoz: Wir sind mit der Resonanz, sowohl in Deutschland wie auch in Slowenien eigentlich ganz zufrieden. Natürlich wünscht man sich noch mehr und mehr von der Aufmerksamkeit, aber wir sind privat ziemlich bescheiden. Es zählt viel mehr eine durchaus positive, enthusiastische Reaktion wie zehn durchschnittliche.

Konzeptionell dreht sich bei dem neuen Album alles um den Künstler Matej Smolnik a.k.a. Vain und seinen mysteriösen Tod im Jahre 1998. Was waren die Beweggründe ausgerechnet über diesen Künstler ein Album zu machen und wo seht ihr die Verbindung zu Silence? Was begeistert euch am meisten an dem Schaffen von Vain?

Boris: The motive for the album is exactly the apparent, yet indefinable connection between Vain and Silence. The thing we love most about Vain? He is uncompromising. And uncompromising artists are easy to admire.

Hat die Arbeit an "Vain" erst mit einzelnen Stücken seinen Anfang genommen, so dass gar nicht von vornherein ein Konzeptalbum geplant war oder habt ihr euch wirklich hingesetzt, mit dem Gedanken, diesem Künstler und seinem Schaffen Tribut zu zollen?

Boris: We started working on "Vain" immediately after the release of our second album, "Unlike A Virgin". The concept wasn't 100% defined at the time, but we had the general idea of what the project should look, feel and sound like in the end. We knew we wanted to do a conceptual, multimedia album (something like David Bowie's Ziggy Stardust). We knew we wanted the project to incorporate all the areas that interest us; music, prose, drawings, design, philosophy... And finally, we knew we wanted to make an elaborate media construct in which the line between fiction and reality is blurred. Everything else was just a matter of time.

Songs wie "Runalong", "Murder" und "Mr. Goodwrong" habt ihr schon als Soundtrack für das Theater "Wrestling Dostoievsky" gespielt. Wie ließen sich die Stücke mit dem Theater verbinden oder besser noch: Für was wurden sie ursprünglich verfasst - Theater oder Konzeptalbum?


Boris: They were first intended for the album. However, during a visit to our studio, Matjaz Pograjc (the director of "Wrestling Dostoievsky") heard the tracks and decided to include them in his performance. As the tracks were then rearranged for the performance (and as the performance opened a couple of months prior to the release of "Vain"), we added the inscription "taken from..." in the booklet.

Wie entstehen bei euch Songs und wo werden sie produziert? Setzt ihr euch gemeinsam an neue Ideen oder arbeitet jeder erst mal alleine seine Visionen aus?

Primoz: Normalerweise fängt es mit der Vokallinie an. Dann kommen noch alle andere Elemente dazu. Boris ist derjenige, der alle Vokallinien schreibt und der auch alle Texte beisteuert. Wir suchen die Sounds normalerweise zusammen aus, und am Ende werden noch Streich-, Pianoarrangement usw. geschrieben. Das ganze wird in unserem eigenen Studio "Daily Girl" aufgenommen und produziert.

Vor allem die Stücke auf eurem neuen Album klingen sehr durchdacht und man spürt die Liebe zur Musik. Wie lange dauert bei euch im Durchschnitt ein Song bis ihr ihn mit allen Instrumenten versehen habt?


Primoz: Sehr unterschiedlich. Manchmal dauert das einige Tage, manchmal sogar mehrere Monate.

Für "Vain" habt ihr teilweise mit sehr exotischen Instrumenten gearbeitet (Santur, Koto & Valiha). Wie kommt man zu solchen Instrumenten und was macht dabei den besonderen Reiz aus? Findet so etwas in Zeiten der Samplekultur, wo man praktisch jedes Geräusch digital über den PC abrufen kann, noch Beachtung und wird geschätzt von den Hörern?


Boris: All the exotic instruments you mentioned are in fact synthesizer sounds. Real exotic instruments are hard to come by and good musicians to play them even harder still. We select instruments and sounds according to our personal aesthetic norms and not according to public response. We use exotic instruments because we love their sound and because they provide a certain amount of uniqueness to the music.

Wenn man sich aufmerksam mit der Band Silence beschäftigt, stolpert man über die Inspirationquelle Alphaville's zu einem Silence Song und mit Liedgut von Elvis und Kraftwerk findet man sogar zwei Coverversionen. Welche Bands haben euch letztendlich beeinflusst / inspiriert auch selbst Musik zu machen und was hört ihr heute privat für Musik?

Primoz: Wir sind in den 80ern aufgewachsen und sicherlich sind viele Einflüsse aus jener Zeit in unserer Musik zu hören. Ansonsten hören wir sehr unterschiedliche Musik. Ich höre sehr gern Klassik, manchmal auch Jazz (Esbjörn Svensson Trio oder ähnliches), wir hören auch sehr viel Filmmusik. Es gibt Gruppen, die wir beide sehr mögen, wie z.B. Massive Attack, Goldfrapp und natürlich Bjork.

"I especially like Silence's duet with Anne Clark" meinte Ralf Hütter (Kraftwerk) zu der Version von "Hall Of Mirrors". Wie fühlt man sich, wenn von einem Urgestein der elektronischen Musik so ein Lob bekommt?


Primoz: Wir sind darauf natürlich sehr stolz. Leider haben wir die Gelegenheit Kraftwerk auch persönlich kennen zu lernen, als sie in Ljubljana spielten, verpasst. Recht schade.

Wie ich in einem anderen Interview gelesen habe, würdet ihr gerne mal einen Film vertonen. Kann man darin die Begründung finden, weshalb es euch auch mehr dazu zieht eure Songs einem Konzept zu unterstellen, wie das bei "Vain" der Fall war und auch bei Filmmusik so ist?

Boris: You're probably right. There is another reason, though: we believe regular albums are heading straight for extinction. The only way to "stick out" and survive in the midst of all these new releases and the general chaos in the music business is to create projects with considerable "additional value".

Gibt es Lieblingsfilme welche ihr gerne hättet vertonen wollen?

Boris: 2001: A Space Odissey and Blade Runner. However, it's hard to imagine one could ever compete with the likes of Strauss and Vangelis.

Im Februar fand in der Moritzbastei in Leipzig euer erster (!) Deutschland Auftritt statt. Gab es bisher keine Möglichkeit hier zu spielen oder woran lag es?

Primoz: Die Gründe sind normalerweise finanzieller Natur. Wir wünschen uns sehr noch mehr in Deutschland zu spielen und glauben auch, dass das demnächst auch öfters passieren wird.

Von den Besucherzahlen hatte ich mir an diesem Abend mehr erhofft, war aber die Stimmung recht gut. Wie empfandet ihr selbst den Auftritt?

Primoz: Wir waren mit der Stimmung total zufrieden. Wir haben mit einem so warmen Empfang gar nicht gerechnet.

Eure Live-Auftritte zeigen sich in verschiedenen Konstellationen, so dass neben Keyboard und Gesang zusätzlich Klavier, Streicher und weitere Musiker die Performance erweitern können. Wonach richtet sich, in welcher Art der Auftritt stattfindet und wie präsentiert ihr euch am liebsten?

Primoz: Wir mögen es nicht die Songs in der gleichen Weise, wie sie schon auf dem Album sind, live zu spielen. Deshalb versuchen wir die Songs immer auf verschiedensten Weisen vorzustellen. Die Besetzung aus Moritzbastei ist sehr neu und frisch, und ist auch diejenige, die uns momentan am besten entspricht.

Die Tour mit Helium Vola steht noch aus. Gibt es nach der Verschiebung der Tour endlich neue Daten? Boris wird auch einen Gesangspart bei Helium Vola übernehmen, richtig?

Primoz: Es gibt noch keine Daten, aber wir hoffen sehr, dass die Tour im Herbst stattfindet. Ja, Boris sollte auch einen Gesangspart übernehmen.

"Brave New World" war bei dem Konzert in Leipzig ein ganz neuer Song. Seid ihr schon wieder fleißig an der Arbeit für ein neues Album? :-)

Primoz: Wir haben schon viele Ideen, wie das neue Album sein soll und es gibt natürlich schon einige Songs. Aber zur Zeit konzentrieren wir uns auf die Theatermusik und noch auf ein weiteres Projekt, von dem wir aber noch nichts bestimmtes sagen dürfen. Nur das: es geht um unser größtes und wichtigstes Projekt. Mehr News bald.

Von mir soll es das gewesen sein. Viele Dank für das Interview.




Interview: Thomas Tröger & Silence
März 2004

Silence:

Boris Benko
Primoz Hladnik

Internet: www.silence-zone.com, www.vaintribute.com