Michigan:   

Jonas ist genau ein Drittel der Band Michigan. Deren Name lässt zwar auf eine Übersee-Herkunft schließen. Doch das Trio kommt aus Schweden und hat nun mit "Ultimate Sky" sein zweites Album nach "Graceful And In Sin " vorgelegt. Ein Album, das zahlreiche Songs enthält, die spätestens nach dem zweiten Mal Hören im Ohr hängen bleiben. Die Jungs von Michigan, die allesamt 31 Jahre alt sind, erhielten ihren Vertrag beim Label Memento Materia, nachdem sie einen Bandwettbewerb gewonnen hatten. Im Interview erzählt der einzige Junggeselle Jonas über ihre Entwicklung, über den Prozess des neuen Albums und über Depeche Mode. Die Briten sind – durchaus hörbar - eine der Inspirationsquellen von Michigan…


Zuerst mal eines: Euer Bandname Michigan klingt ja so, als würdet ihr aus den USA kommen. Gibt es denn in Schweden keine Städte oder Gebiete, die ihr bevorzugt, um euch danach zu benennen? "Göteborg" zum Beispiel. Oder "Uppsala". Oder "Värmland"…?


Nein, wir haben hier in Schweden gar nichts gefunden, was wir mögen…

Aber ihr kommt ganz genau aus…?

Aus Motola.

Und diese Heimat wäre kein perfekter Name gewesen für eine Band?

Nein, ganz bestimmt nicht.

Warum gerade Michigan:? Steckt da ein besonderer Grund dahinter?

Uns scheint so, als würde jedes Magazin, mit dem wir ein Interview führen, irgendetwas zu unseren Bandnamen zu sagen haben. Aber es steckt wirklich nichts Spezielles hinter dem Namen. Das einzige, woran ich mich erinnern kann, ist, dass wir uns ziemlich unsicher dabei waren, welchen Namen wir für die Band wählen sollen.

Ihr benutzt einen Doppelpunkt hinter Michigan:. Warum das?

Das war Esbjörn von unserem Label Memento Materia, der die Idee hatte. Das gefiel uns gut, weil der ":" den Namen Michigan: vollendet.

Kennt ihr den Deutschen "Diercke Weltatlas"? Im Inhaltsverzeichnis mit allen Städten steht Michigan gleich zwischen Michelstadt und Middlesbrough. Klingt doch beides irgendwie auch nach Synthiepop, oder nicht?

Ja (lacht), das tut es…

Zu etwas völlig Anderem, zu eurer Musik: Ist das neue Album "Ultimate Sky" eines, das all eure Ideen und Vorstellungen von moderner elektronischer Musik enthält?

Zumindest ganz schön viel davon, würde ich sagen. Klar, wir mögen es, mit elektronischen Sounds zu experimentieren. Weil man das im Studio ja auch unbegrenzt tun kann. Aber ich denke mal, dass das Album nicht komplett wirklich all das enthält, was wir mögen. Weil wenn das so wäre, dann glaube ich nicht, dass Michigan: ein weiteres Album machen würde.

Wie lange habt ihr an der aktuellen CD gearbeitet?

Inklusive dem Abmischen sieben Monate. Soweit ich mich zurück erinnere, war es ein zäher Prozess.

Erzählt ein bisschen was über eure Vergangenheit. Wann und warum haben sich Michigan: gefunden, was ereignete sich zu Beginn der Bandgeschichte?

In den frühen 90ern ging es los, als ich, Jonas, und Peter damals Jesper getroffen haben, um über "Synth Music" zu reden und die Leidenschaft zu teilen. Wir haben angefangen, Songs zu schreiben. Erst nur zum Spaß. Dann entstanden erste Demobänder, die wir bis zum heutigen Tag nur für uns aufgenommen haben.Wir haben das damals noch nicht so ernst genommen. Wir wollten nur einige gute Geräusche aus unseren Keyboards herausholen.

Dabei blieb es für ein paar Jahre. Aber 1999 entschieden wir uns, ins Studio zu gehen, um ein Demoband aufzunehmen, unter anderem mit dem Song "Miseries". Zu diesem Zeitpunkt war noch gar nicht klar, wer von uns den Part des Leadsängers übernehmen würde. Nachdem er sich zunächst ein wenig geweigert hatte, fanden wir, dass Peter die richtige Wahl sei. Und heute holt er mit seiner warmen und tiefen Stimme wirklich das beste aus den Songs heraus.

Ihr habt euren Vertrag bei Memento Materia nach einem Wettbewerb bekommen. Stimmt das?

Ja, das Label hat uns zu einem Contest eingeladen, wo der Sieger einen Plattenvertrag erhalten sollte. Das hat geklappt.

Erzählt ein bisschen über euch. Wie alt seid ihr? Was macht ihr beruflich abseits der Musik?


Also, wir sind alle 31 Jahre alt und gehen alle regulären Berufen nach, wenn wir nicht mit dem Projekt Michigan: beschäftigt sind. Peter und Jesper haben Familien, ich nicht. So ist es wohl so, dass ich die besten Voraussetzungen besitze, um mich am meisten Michigan: zu widmen. Aber man weiß ja, dass sich die Dinge auch noch ändern können.

In Deutschland ist "Ultimate Sky" eine Wiederveröffentlichung. Wie haben denn eure Fans in Schweden reagiert, als das Album erschien? War es dort ein Erfolg?

Ja, die Fans mögen es, und auch die Presse hat es gelobt. Aber ich denke, es ist noch zu früh, um über einen Erfolg zu urteilen.

Gibt es eurer Meinung nach einen großen Unterschied zu eurem Debütalbum "Graceful And In Sin "?

Ja, den gibt es natürlich. Wir haben uns als Band weiter entwickelt. Und Peter hat seine Stimme verbessert. Von "gut" zu "richtig gut", würde ich mal sagen. Ich muss auch sagen, dass die Songs auf "Ultimate Sky" viel reifer sind als auf dem "GaiS" Album. Ich denke aber mal, dass ist eine ganz normale Entwicklung mit der Zeit.

Es gibt auch einen großen Unterschied, was die Produktion und die Sounds betrifft und wie wir das Album schließlich fertig gestellt haben. "Ultimate Sky" hat eine ganze Menge Songs mit Ecken und Kanten, wie "Sad Queen", "My Own Denial" oder "Sorrows". Diese Titel sind dunkler und einfach schwerer verdaulich in ihrer Produktion, verglichen mit dem Rest der Songs.

Wie heißen denn die Bands, von denen ihr eventuell eure Inspirationen erhalten habt?

Da gibt es eine ganze Latte voll. Aber ich würde mal Depeche Mode, U2, Nitzer Ebb und Erasure herausheben.

Mögt ihr auch einige Bands aus den USA? State of the Union beispielsweise, oder Assemblage 23 oder Iris?


Ja, das sind nur einige von vielen, die wir auch mögen.

Wenn ihr eure Musik im Vergleich zu anderen Bands beschreiben würdet: Für Leute eben, die euch noch nicht kennen. Dann kann man sagen, Michigan: werden diejenigen wohl mögen, die auch folgende Gruppen gerne hören…?

Depeche Mode und Erasure natürlich. Aber auch wer gerne Placebo hört, wird auf unserem Album einiges Interessantes zum Hören finden.

Wenn ein deutscher Radiosender einen Titel von "Ultimate Sky" spielen würde: Welcher Song ist typisch für das Album und für euren Stil? Sicherlich geht "Destiny´s Line" am schnellsten ins Ohr…

Der Song ist natürlich großartig. Aber ich würde auch "Control Of Me" oder "Sad Queen" bevorzugen, weil beide Titel einen eingängigen Refrain besitzen.

Nächsten Monat wollen Depeche Mode neues Material veröffentlichen. Seit ihr auch schon gespannt? "A Ride In Time", "Red Dawn" and "Sorrow" klingen ja durchaus ein bisschen wie dM. Ist der Vergleich erlaubt?


Ja, also ich bin natürlich gespannt. Und es ist auch erlaubt, die Sounds zu vergleichen. Depeche Mode ist die einzige elektronische Band der Welt, die den Sprung geschafft hat von der Vergangenheit zur neuen Generation.

Einige Elektropop-Bands lehnen zusätzliche Gitarren ab. Ihr benutzt sie. Warum?

Würden wir nicht, dann wäre es nicht Michigan:. Aber es gibt kein Gesetz, was bei unserer Musik den Einsatz von Gitarren regelt. Wenn eine zum Sound des Songs passt, dann benutzen wir sie.

Auch live auf der Bühne? Wann können wir euch in Deutschland auf Tour sehen?

Ja, natürlich spielen wir auch live mit Gitarren. Wir sind in Deutschland an folgenden Orten zu sehen und zu hören:

14.09.2005 Schwimmbad, Heidelberg
15.09.2005 K17, Berlin
16.09.2005 Römer, Bremen
17.09.2005 Moritzbastei, Leipzig

Dankeschön.



Interview: Michael Horling & Michigan:
August 2005
Originalversion

Michigan::

Peter Ehn
Jonas Öberg
Jesper Ljungberg

Internet: www.michigan.se