Selbst sieht er sich als ein Kind der 80er Jahre - Dozent, Musikproduzent
und Solokünstler Janosch Moldau. Doch dass hier niemand in einem Jahrzehnt
verhaftet hängenbleibt ohne sich auf andere musikalische Begebenheiten
zu konzentrieren, wird spätestens beim Hören seiner Songs klar, welche
durch sehr viel Liebe zum Detail ihren Weg ins Ohr finden und mich an den Electro-Pop
wieder glauben lassen. Da das Album bisher leider noch nicht auf CD veröffentlicht
ist, bleibt bisher nur die Möglichkeit dieses über
Finetunes
als Download zu beziehen. Im folgenden Interview kann man sich mit dem Künstler
schon mal vertraut machen.
Musik ist dir schon ein längerer Begleiter. Bitte erzähle doch anfangs etwas
über dich, wie du zur Musik gekommen bist und warum erst jetzt ein Debut Album
von dir vorliegt?
Ja mit meinem Debut-Album hat es tatsächlich ein wenig gedauert. Zum einen lag
es daran, dass ich die letzten Jahre als Produzent und Engineer für verschiedene
Künstler gearbeitet habe. Außerdem glaube ich auch, um ehrlich zu sein, dass
es damals keinen Sinn gemacht hätte ein Soloalbum mit völlig eigenen Songs von
mir aufzunehmen. Ich denke nicht dass ich zu dieser Zeit reif genug dafür gewesen
wäre, geschweige denn die Kraft gehabt hätte an meine eigene Stimme und an die
Songs zu glauben.
Noch eines vorweg, was ich auch etwas enttäuschend finde: Woran liegt es,
dass das Album bisher nur zum Download zur Verfügung steht? Welche Probleme
gab es mit der geplanten Veröffentlichung über Angelika Koehlermann?
Ja leider kann ich derzeit auch nicht schneller arbeiten als es eben geht. Es
ist aber längst kein Geheimnis mehr, dass ich gerade ein eigenes Label an den
Start bringe. Der Name fürs Label ist schlicht und einfach "Janosch Moldau Records"
und drückt einfach eine gewisse "Egal-Einstellung" aus. Bei Angelika Koehlermann
lag es einfach am ungünstigen Zeitpunkt, denn als ich das Album dort hingeschickt
habe, war Gerhard Potuznik sehr begeistert. Es gab aber keine Releases zu diesem
Zeitpunkt auf dem Label. Angelika Koehlermann wäre das richtige Label gewesen
und ich mag das Label trotz alldem sehr. :-) Es gab aber auch andere Labels,
die das Album gehört haben. Es hat aber niemandem gefallen.
Viele Labels haben meine Sachen zu Gehör bekommen. Ich habe aber einfach keine
Zeit ständig zu warten und derzeit verschwinden manche Labels auch öfters einfach
im Nichts. Ein eigenes Label bedeutet für mich aber nicht zwingend meine Platten
nur daüber zu veröffentlichen. Aber es wird eine Art Hafen, in den ich mich
in stürmischen Situationen zurückziehe kann. Ich bin Künstler und brauche jederzeit
die Möglichkeit meine Musik zu Gehör zu bringen. Außerdem hoffe ich, in naher
Zukunft, ein Album eines anderen Künstlers darauf veröffentlichen zu können.
Der Plan ist, immer wenn ich selbst gerade an einem Album arbeite, einem anderen
Künstler diese Plattform zur Verfügung zu stellen.
Die Kritiken, welche ich bis jetzt zum Album gelesen habe, sind mehr als zufriedenstellend.
Hättest du so eine positive Resonanz erwartet?
Nach all dem eigentlich wirklich nicht mehr.... Aber irgendwie verselbständigt
sich gerade alles und ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung :-)
Wie
lange hast du an "Redeemer" gearbeitet und was war die besonders wichtig für
das Album ohne dessen es für dich keinen Sinn gemacht hätte? Gab es vorher feste
Vorstellungen mit denen du an das Album herangegangen bist?
Alles fing mit ein paar wenigen Songs an. Ich hatte eine Phase in der ich in
meinem Leben etwas völlig Eigenes schaffen wollte, etwas hinter dem ich voll
und ganz stehen kann. Aber irgendwie war es nicht geplant ein ganzes Album zu
machen. Es hat sich so ergeben. Ständig kamen neue Songs hinzu und insgesamt
war ich dann 18 Monate beschäftigt alle Songs aufzunehmen und fertigzustellen.
In der Endphase der Album-Produktion habe ich dann auch zwei Gigs gespielt,
um zu sehen ob "Redeemer" auch auf der Bühne funktioniert.
Wo entstehen deine Vorproduktionen und das finale Mixing der Songs?
Alles entsteht in meinem kleinen 22 qm Atelier in der Kölner Innenstadt. :-)
Erarbeitest du deine Stücke selber oder gibt es Leute die dir im Studio mit
zur Hand gehen?
Wenn ich einen Song schreibe bin ich ganz allein. Im Studio ist das genauso.
Auf dem Album gab es zwei Musiker die mich unterstützt haben. Als wir alles
live gespielt haben, waren wir zu viert auf der Bühne, also eine echte Band.
:-)
Glücklicherweise sind die Songs auf "Redeemer" nicht nach dem traditionellen
Songstrukturen-Schema F gestrickt. Auch erinnert mich das Album mehr an diese
ganze Singer/Songwriter Geschichten. Kannst du dich mit so etwas anfreunden?
Ja schon. Ich hoffe doch sehr, dass sich meine Musik eher wie ein Song anfühlt.
Ich fühle mich definitiv nicht als DJ oder "Track-Producer".
Was
mir seit langem mal wieder positiv auffällt, ist dein Gesang und die schlichtweg
geniale Aufnahme dessen. Kannst du darüber etwas genaueres erzählen? Nimmst
du Gesangsunterricht?
Nein zum Glück nicht. :-) Ich glaube nicht dass mir der Gesangsunterricht bei
meiner Arbeit helfen könnte. Ich versuche sehr stark nach meinem Gefühl zu arbeiten.
Manchmal nehme ich irgendwelche Gesangsspuren auf, ohne mir davor eine Melodie
zu verinnerlichen, manchmal sogar ohne konkrete Texte.
Du bist Musikdozent und gibst Seminare. Ist das Musikmachen von Janosch Moldau
ein Bestandteil, der bei diesen Seminaren mit einfließt?
Ein wenig vielleicht. Aber auch hier ist es schwierig. Ich versuche grundsätzlich
keine Kunst zu unterrichten. Es geht eher um technische Funktionen in den Musikprogrammen
und was jeder Einzelne letztendlich damit macht, ist seine Entscheidung. Ich
habe selbst auch keine abgeschlossene Ausbildung als Tontechnicker, Produzent
oder so. Ich glaube mittlerweile wirklich überhaupt nicht mehr daran, dass man
so etwas auf einer Hochschule oder Pop-Akademie lernrn kann.
Nach deinen Texten zu urteilen, spielt Religion für dich eine sehr wichtige
Rolle? Welche Themen inspirieren dich noch zu Songtexten?
Ich finde die Bibel ein faszinierendes aber auch gefährliches Buch. Gerade das
alte Testament hatte ich im Studio oft aufgeschlagen und diese massiven irgendwie
auch faschistoiden Bilder haben mich in höchste Höhen und tiefste Abgründe gestürzt,
während ich an den Songs arbeitete. Genauso wie wir das Leben eben oft fühlen...Also
alles was ich selbst erlebe inspiriert mich für meine Songs; all die Menschen
die mich in nächster Nähe umgeben, Liebe und und und.......
Du hast vorab auf zwei Singles "On My Own" in unterschiedlichen Remixen veröffentlicht.
Wo siehst du den Reiz einen Song in einer alternativen Version zu veröffentlichen?
Ich hatte durch die vorher geschilderten Ereignisse einfach das Gefühl, dass
es heute sehr schwierig ist, mit einer extrem ruhigen Debut-Platte als Newcomer
überhaupt anerkannt oder zumindest wahrgenommen zu werden. Nach der Veröffentlichung
der beiden "On My Own" Maxi-CDs landete "On My Own" dann direkt auf verschiedenen
Indie -und Studentenradio-Playlists, egal ob in Stockholm, New York oder eben
hier in Deutschland. Der Höhepunkt war dann, dass in Russland ein "On My Own"
White Label gepresst und verkauft wurde, natürlich ohne dass ich davon etwas
wusste. :-) Durch die zwei "On My Own" Releases habe ich angefangen daran zu
glauben, dass es da draußen Leute gibt, die an meinen Shit glauben und die Sachen
einfach mögen. Zum anderen waren einige Leute glaube ich überrascht, dass es
bei den Remixen dann nix wirklich zu tanzen gab :-)
Ausgehend davon, das "Redeemer" noch den Weg auch CD finden wird: Wie siehst
du die ganze Entwicklung Musik im Internet zu vertreiben? Ich für meinen Teil
habe schon gerne etwas für mein CD Regal und mir wird leicht unwohl dabei, dass
dieses Medium in Zukunft einen handfesten Tonträger ablösen könnte.
Ich werde auf jeden Fall immer alles daran setzen, dass meine Musik auch auf
CD erhältlich ist. Da "Janosch Moldau Records "ganz klein ist und am Anfang
steht ,wird dies sicherlich nicht immer sehr einfach sein. Digitale Distribution
ist aber zum Pflichtprogramm geworden und ich bin sehr froh dass "Redeemer"
über Finetunes erhältlich ist.
Für
einen Elektronik Künstler scheint es dir sehr wichtig zu sein, dass deine Songs
auch live entsprechend umgesetzt werden. Was bedeutet für dich das Live spielen
und wo kann man dich in naher Zukunft sehen?
Live spielen ist für mich sehr wichtig...ich würde, wenn es nach mir ginge,
gerne viel öfter spielen, und hoffe dass ich bald neue Live Dates ankündigen
kann.
Gerne hätte ich noch erfahren, welche Künstler dich musikalisch sehr geprägt
haben und auch heute noch sehr wichtig für dich sind.
Björk, Depeche Mode (Martin Gore), Johnny Cash, Mark Hollis, Edwyn Collins,
Elbow.... es sind viele mehr......
Wie sehen deine weiteren Pläne für die Zukunft aus?
Ende Mai/Anfang Juni kommt eine zweite Single aus dem Album mit neuen Remixes.
Anonsten möchte ich einfach nur gute Platten aufnehmen und hoffe, dass mir dies
gelingt.
Es wäre gut, wenn es gegen Ende des Jahres noch ein paar Gigs zu "Redeemer"
gibt.
Zum Schluss ergänze bitte noch folgenden Satz: Musik sollte...
....berühren.
Danke für das Interview! Die letzten Worte gehören dir....
Vielen Dank Thomas :-)
Interview: Thomas Tröger & Janosch Moldau
April 2005
Internet:
www.janoschmoldau.com