Enik spielt eine Vielzahl der Instrumente auf seinem ersten Album selbst. Und wenn man etwas mit Sicherheit behaupten kann, dass er davon mindestens eines in Perfektion beherrscht. Die Rede ist von seinem ausgeprägten Stimmorgan, welches er auf "The Seasons In Between" in verschiedensten Variationen und Ausdrucksmöglichkeiten einzusetzen weiß. Demzufolge ist es auch nicht verwunderlich das die Musik auf seinem Album einem ebenfalls sehr viel abverlangt und so manchem Hörer die Grenzen aufzeigt. Was der 25-jährige Künstler neben seinem ersten Album und den gesanglichen Auftritten beim Rosenheimer Duo Funktstörung noch so treibt, lest ihr am besten selbst.
"The Seasons In Between" ist dein erstes Album, wobei du aber schon bei Funkstörung als Gastsänger mitgewirkt hast, wie auch im Münchner Pathos Theater. Wann hattest du zum ersten Mal den Gedanken eines Solo-Albums und wie lange begleitet dich jetzt schon Musik im allgemeinen, deines noch recht jungen Lebens?
"The Seasons In Between" ist der erste Longplayer den ich veröffentliche. Es existieren jedoch um die 150 Songs, die innerhalb der letzten fünf Jahre entstanden sind. Man kann sich ja ausrechnen wie viele LP's das ergeben würde. Kunst ist ein Prozess des stetigen Werdens, immer wenn ein Longplayer fertig war, hat er mich eigentlich schon gar nicht mehr interessiert. Bei "The Seasons In Between" ist das anders. Das Album ist jetzt ungefähr seid einem Jahr fertig und gefällt mir immer noch ganz gut.
Mit welcher Musik bist du groß geworden und was zählst du zu deinen Inspirationsquellen für dein eigenes Schaffen?
Inspiriert hat mich alles was ich in meinem Leben bisher gehört habe. Das kann man sich vorstellen wie eine Sprache die ein Kind beginnt zu lernen. Es schnappt Worte und deren Bedeutung in der Umwelt auf und beginnt sie für sich selbst zu verwenden. Alles was mir gefällt ist ein erlerntes Mittel, um mich auszudrücken und fließt sofort in meine Musik mit ein.
Die Liste der Musiker die mich inspiriert haben wäre endlos, deshalb sag ich dir einfach mal was mir zur Zeit sehr gut gefällt. Ich bin nach wie vor besessen von den Beatles, Beach Boys, Dylan, Bowie.......
Am 24. Februar wird es dann soweit sein, wenn dein Album endlich in die Läden kommt. Für Musiker ist der Veröffentlichungstag sicher etwas ganz Besonderes, bei einem Debut sicher noch etwas viel Größeres...?
Natürlich bin ich sehr gespannt und ungeduldig was den Release von meinem Album betrifft, bin aber allerdings schon an der Arbeit für mein nächstes Album.
Wieviel Zeit, Kraft und Nerven hast du für "The Seasons In Between" aufbringen müssen um deinem Ziel, wie du es dir vorgestellt hast, nahe zu kommen?
"The Seasons In Between" wurde innerhalb von zwei Monaten fertig geschrieben, aufgenommen, gemischt und gemastert. Ich hab einen sehr großen Output und schreibe pro Woche um die vier Songs. Immer wenn es an einen Longplayer geht, nehme ich einfach die Songs die gerade in dem Zeitraum entstanden sind. Außerdem beende ich gerade die Arbeit an einem Gedichtband und beginne die Arbeit an einem Roman.
Deine Songs passieren mit einer Vielzahl verschiedenster Instrumente und zeigen sich charakteristisch durch die verschiedensten Variationen dieser. Wie ist die herangehensweiße wenn ein neuer Song entsteht. Gibt es ein bestimmtes Instrument auf dem alle Songs ihre "Geburt" genießen, bevor du es letztendlich in ein vollkommenes musikalisches Gewand hüllst?
Die Entstehung eines Songs ist immer verschieden. Manchmal an der Gitarre, manchmal am Klavier oder direkt vorm Computer. Manchmal zuerst die Lyrics, manchmal danach. Da gibt es kein Rezept. Hauptsache nicht zu analytisch, sondern intuitiv. Ich denke nicht so viel drüber nach, das passiert alles automatisch. Die besten Songs sind meistens die, bei denen man sich vorkommt als hätte man sie gar nicht selbst geschrieben.
Auf deinem Album hast du viele der Instrumente selbst eingespielt, die du vorher autodidaktisch erlernt hast. Hast du extra wegen "The Seasons In Between" vorher ein Instrument komplett neu erlernt?
Eigentlich nicht. Nein.
"The Seasons In Between" ist ein sehr anspruchsvolles Album, was es schwer haben dürfte in irgendeiner Form kommerziell Aufmerksamkeit zu erlangen. Denkst du das man heutzutage eine gesunde Portion Selbstvertrauen aufbringen muss, um sich von solchen Begebenheiten erst gar nicht lenken zu lassen, denn sonst würde man ja wahrscheinlich eine ganz andere Art von Musik machen?
Man muss sich nicht zwangsläufig lenken lassen. Das liegt im Auge des Betrachters. Ich denke es kann auch Spaß machen guten Pop zu schreiben, der kommerziell mehr ins Raster passt als das was ich jetzt mache. Kann auch gut in nächster Zeit passieren. Was mir allerdings nicht passieren kann, ist irgendeine Form von Musik zu schreiben, die mir keinen Spaß macht. Ich weiß aber sehr gut was du meinst, da haben wohl manche ein Problem mit. Ich nicht.
Was unterscheidet dein Solo-Album von dem was du vorher musikalisch bzw. gesanglich gemacht hast. Hast du das Gefühl dich jetzt künstlerisch freier bewegen zu können oder gab es auch schon vorher die Möglichkeit deine Ideen mit einzubringen, beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit Funkstörung?
In meiner Musik habe ich mich immer frei bewegt. Funkstörung war eine Kolabo. Das ist was anderes. Mit der Komposition an sich hatte ich nichts zu tun. Ich hab bloß den Text und die Gesangsmelodien geschrieben. Hat aber auch sehr viel spaß gemacht.
Kannst du etwas genauer zum Arbeitsprozess eingehen. Du hast ja nicht alles alleine eingespielt. Einige fleißige Helfer sind dir ja doch zu Hand gegangen. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Drei Songs habe ich mit Hans Tauscheck (Cello, Piano) zusammen geschrieben. Er ist einer der wenigen die es verstehen, ohne große Diskussionen und Allüren zu arbeiten.
Man fährt sich einfach runter und funktioniert bzw. passiert. Franz Brunner (Sax) kam einfach rein ins Studio, spielte alles First Take ein, zu meiner großen Überraschung, ging dann einfach wieder und hinterließ mich mit aufgerissenem sabbernden Mund.
Deine Texte scheinen einen persönlichen Ursprung zu haben. Welche Themen inspirieren dich um sie niederzuschreiben?
Meine Musik ist erlebtes, reflektiert und inszeniert in einer Art Theaterstück. Alles was mich essenziell bewegt fließt da automatisch mit ein. Die Liebe, Philosophie, Exzess, Wahn, Wut etc.
Was erwartest du vom Album oder anders gefragt, wie würdest du dir Wünschen, sollen die Zuhörer deinem Album gegenübertreten?
Ich schreibe sehr offen, d.h. es gibt keine konkrete Message. Kann jeder für sich frei auslegen wie er will. Ich will ja keinem mein Ego aufzwängen. Mich interessiert die Version der anderen viel mehr als meine eigene.
Gibt es schon Pläne was nach der Veröffentlichung von "The Seasons In Between" ansteht?
Singles, Kolabos, Videos, Tour und die Arbeit an meinem nächsten Album. Der normale Gang der dinge. Hmmm...... und ich will in jeder Stadt, durch die ich toure, mindestens einer Frau ein Kind machen um danach auf einer Insel, eine Kolonie, bestehend aus lauter kleinen Eniks gründen. ;-)
Es ist geplant, dass du auch einige Live-Auftritte absolvierst. Habe ich das richtig gelesen, dass du dabei bist eine Band dafür zusammenzustellen?
Diese Band existiert schon und wir sind bereits einige Male aufgetreten. Nico Erdmann (Drums), Christian Gall (Piano), Andreas Kellner (Bass). Ich bin am Lap Top, spiel Gitarre und singe mir natürlich den Teufel aus dem Leib. Tourdates sowie Infos auf meiner Website www.enik.net .
Hab eine schöne Zeit
Enik
Interview: Thomas Tröger & Enik
Februar 2006
Internet:
www.enik.net |
www.labelsplayground.de/enik