Dirk Darmstaedter   

Nach einer intensiven Zeit mit den Jeremy Days, die den Klassiker "Brand New Toy" hervorbrachte, begab sich Dirk Darmstaedter als Me And Cassity auf Solopfade, die ganz klassisch im Singer/Songwriter-Stil erklangen. Zwischendurch erstrahlte eine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Urgestein Bernd Begemann und das eigene Label Tapete Records erblickte das Licht der Welt. Nun kommt am 23.09.2005 ein neues Album von Dirk Darmstaedter auf den Markt, welches schlicht und ergreifend auch seinen wahrhaftigen Namen als Künstleridentität ausweist.


Dein neues Album "Coming Up For Air" erscheint Ende September. Es wird als Debüt angekündigt, da es der erste unter eigenem Namen veröffentlichte Longplayer ist. Wo liegen die Unterschiede zu den Me And Cassity-Alben, die du ebenfalls als alleiniger Songwriter bestritten hast?

Ich würde jetzt gern etwas Spannendes sagen können, aber dem ist eigentlich nicht so. Von der Machart, wie die Platten entstehen, habe ich seit vier bis fünf Jahren meine bekannte Crew um mich und meine Art gefunden, wie ich die Scheiben aufnehme. Die Aufnahme findet zuhause in meinem eigenen Studio statt, wobei ich bei den Me And Cassity-Platten und der Zusammenarbeit mit Bernd Begemann schon immer mit meinem Hauptpartner Lars Plogschties an den Trommeln und Karsten Böttcher gewerkelt habe. Letzterer hilft mir auch bei der Aufnahme. Was den Namen angeht, gibt es eine ganz einfache Klärung: Früher fand ich Bandnamen cooler, obwohl es immer Dirk war. Auch bei den Jeremy Days und Me And Cassity war ich es, mit der Unterstützung von Freunden. Vielleicht ist es eine Frage des Alters. Wenn man 17 oder 18 Jahre alt ist, hört man Blur und Oasis. Mit zunehmendem Alter bekommen Solokünstler, wie Ron Sexsmith und Leonard Cohen, einen größeren Stellenwert. Dadurch gibt es zwischen mir und dem Publikum eine Trennwand weniger und es ist schneller klar, mit wem Du es zu tun hast.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Erdmöbel-Mitglied Ekimas zustande?

Ich liebe diese Bläserlines und die Posaunen bei Erdmöbel und habe Ekimas gefragt, ob er Lust hat, was zu machen und ihm auf modernem Wege per MP3 zwei Stücke geschickt. Schon eine Woche später kamen hier die Tapes an und so nahm das Glück seinen Lauf. Die Aufnahmen wurden dann 1:1 für mein Album übernommen.

In welchem Zeitraum entstanden die Songs?

Bei jeder Platte mache ich mir einen kleinen Plan, wie die Stücke entstehen sollen. Da ich schon eine Weile Songs schreibe, ist es wichtig, darauf zu achten, dass man nie den gleichen Weg einschlägt und so Langeweile aufkommen könnte. Bei "Coming Up For Air" habe ich mir die Aufgabe gestellt, 14 Tage lang jeden Tag 40 Sekunden Musik aufzunehmen. Es ist ganz egal, ob das schon Songfragmente sind oder ein Text dafür vorgesehen ist. Diese, teils nur aus Stimmungen bestehenden, Parts habe ich regelmäßig in meinem Auto laufen lassen und je nach Lust und Laune dazu gesungen. So kam es innerhalb von 14 Tagen zu den meisten Songs, die zwei bis drei Monate bearbeitet wurden. Ich bin darüber hinaus kein Mann für Frickeleien, denn ich habe schon zu viel Zeit mit dem langwierigen Einstellen von Sounds verbracht, als das es mich noch reizen würde.

Wie gehst du mit der Entstehung von Texten vor?

Ich gehe niemals so heran, dass ich mir eine Agenda setze und einen bestimmten Themenbereich verarbeiten möchte. All´ meine Texte, auch die mit den Jeremy Days, möchte ich als kleine Post-It Aufzeichnungen werten, die auch einem Eintrag in ein Tagebuch gleichen können. Ich äußere mich lieber assoziativ als direkt eine Geschichte zu erzählen. Jeder Texter steht vor der Entscheidung, ob er lieber andeutet oder die direkte Storyteller-Mentalität hat. Mir liegt die erste Kategorie da wesentlich besser.

Welche Songs von "Coming Up For Air" liegen dir besonders am Herzen?

Natürlich ist das schwer zu sagen, wenn man gerade eine Platte gemacht hat. Man merkt es frühestens ein Jahr später, wie wichtig einem die Stücke geworden sind. Wenn ich die Songs live spiele, merke ich oft, was genau diesen Song ausmacht und kenne ihn wirklich gut, so dass ich meine Lieblingslieder auswählen kann. Für mein neues Werk möchte ich bis jetzt "My Girl In Paris" hervorheben, da mit diesem Track der Damm für das Schreiben an dieser Platte wirklich gebrochen wurde.

Du bist Inhaber von Tapete Records. Welche Motivation hattest du für ein eigenes Label?

Ich war 15 Jahre als Künstler bei einer großen Firma und da gab es gute sowie weniger gute Erfahrungen. Auf jeden Fall war mir klar, dass ich diesen Weg einer großen Company nicht mehr gehen möchte. Als es mir darum ging, meine eigene Musik herauszubringen, traf ich meinen jetzigen Partner Gunter Buskies, der damals bei Universal Records arbeitete und eine gute, wertvolle Best-Of von den Jeremy Days machen wollte. Das fand ich einfach unglaublich, dass mich jemand diesbezüglich um Mitarbeit bat, da der Normalfall eigentlich der ist, dass mangelhaft zusammengestellte Compilations ohne Mitsprache des Künstlers veröffentlicht werden. Wir haben uns angefreundet und schnell gemerkt, dass wir auf lange Sicht ähnliche Pläne und Wünsche haben, was eigenes zu machen. Gunter und mir geht es um den direkten Kontakt zu den Bands, der bei den großen Labels immer mehr ins Hintertreffen gerät. Als Labelinhaber ist es auch wichtig immer noch Fan zu sein, denn wir verkaufen ja keine Autoreifen, sondern Musik.

Dein größter Hit war mit Abstand "Brand New Toy" zusammen mit den Jeremy Days. Bist du es leid, immer wieder auf diesen Song angesprochen zu werden oder erfüllt er dich mit Stolz?

Es gab eine Zeit, in der es mich schon genervt hat, immer wieder auf den Song angesprochen zu werden, aber mittlerweile gibt es auch recht viele andere Dinge, über die man mit mir reden kann. Für mich ist es nach wie vor ein guter Song, den ich geschrieben habe und ich freue mich stets, wenn ich ihn im Radio höre. Man kann als Songschreiber wirklich froh sein, dass wenigstens ein Lied richtig erhört wurde. Denn vielen ist nicht einmal das vergönnt.

Nun aber wieder in die Zukunft. Ab Oktober bist du ausgiebig auf Tour. Empfindest du eine besonders Vorfreude?

Es besteht schon eine riesige Vorfreude, da es die erste richtige Bandtour seit Jahren ist und ich in letzter Zeit nur zu zweit unterwegs war. Lars bringt sein Bonzai-Schlagzeug mit, also eigentlich ein Kinderschlagzeug mit vielen Feinheiten. Dave Storey wird als Gitarrist dabei sein und mich am Gesang unterstützen. Hagen Kuhr ist als Cellist am Start, wobei er sein Cello speziellerweise auch als Bass einsetzen wird. Darauf freue ich mich, gerade weil das ganze Equipment in meinen VW Sharan passt.

Mein Dank gilt ganz besonders Dirk Darmstaedter und Lynn (Tapete Records) für die Möglichkeit, dieses Interview zu machen.



Interview: Daniel Leckert & Dirk Darmstaedter
September 2005

Internet: www.tapeterecords.de, www.dirkdarmstaedter.com