Ehrlich gesagt war an dieser Stelle vorerst gar kein Interview mit der Band vorgesehen, gab es doch schon ausführliche Frage & Antwort Spiele zu den beiden vorhergehnden Alben. Grund genug um mal ein Päuschen einzulegen. Dachten wir... Nun steht "Subkutan", das neue, bereits neunte Album der Band, kurz vor der Veröffentlichung und es zeigt sich schon anhand unserer Klang.Welten Besprechung für Januar, dass es gar kein leichtes Vorbeikommen an der Band ist. Das nachstehende Interview mit Sänger und Komponist Steffen Keth soll dabei aber gar nicht so sehr ins Detail der Albumproduktion gehen, sondern vielmehr andere wissenswerte Dinge näher beleuchten.
Dieser Tage erscheint "Subkutan", euer mittlerweile neuntes Studioalbum und bereits auch schon viertes Album als Duo. Gibt es nachdenkliche Momente in denen du zurückblickst? Oder bleibt bei soviel Tatendrang gar keine Zeit dafür?
Natürlich gibt es auch Tage an denen man zurückblickt. Gerade wenn ein neues Album fertig gestellt wurde, beschäftigt mich dieser Gedanke. Der Blick ist aber überwiegend nach vorne gerichtet, sonst würde z.B. "Subkutan" nicht so klingen. Nach 18 Jahren in der Musikbranche hat man halt schon viel erlebt/gehört usw.…
Wenn ein neues Album eines Künstlers endlich in die Plattenläden kommt und die ersten zum Lauschangriff übergehen, wünscht sich ja jeder Musiker alle früheren Zweifler endlich eines Besseren zu belehren. Was würdest du dir selbst vom Hörer wünschen, wie er dem Album gegenübertritt?
Nun ja, eine schwieriges Thema, da sich die Hörgewohnheiten der Fans und der restlichen Konsumenten doch sehr stark verändert hat. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille und so muss man als Musiker versuchen damit umzugehen. Es ist ja nicht mehr so, dass der Hörer gewillt ist, bis zum VÖ zu warten, er möchte schon gerne vorab die neuen Songs irgendwie in seine Hörkanäle bekommen. Ob wir mit "Subkutan" frühere Zweifler bekehren können wir nicht sagen, darum geht es uns auch schon lange nicht mehr. Wir kennen mittlerweile unseren Stellenwert, und diese Aussage hat null was mit Arroganz zu tun, und die Mehrheit unserer sehr treuen Fans sieht dies ähnlich. Ich persönlich würde mir wünschen, dass sich der Hörer wieder mehr mit der Musik auseinander setzt, einem Song bzw. einer ganzen CD wieder mehr Zeit lässt um sich zu entfalten.
Vorab gab es bereits die Möglichkeit über Internet die Stücke fast komplett anzuhören und sich eine erste Meinung darüber zu bilden. Kann man jetzt schon sagen, dass dieser Schritt eine richtige Entscheidung gewesen ist?
Für uns war es ein richtiger Schritt gewesen, egal wie die Reaktionen nun in der Gesamtheit ausfallen. Wir standen im Vorfeld dieser Aktion vor dem Problem wie wir das neue Album promoten. Kurze Ausschnitte der Songs kamen für uns nicht mehr in frage, und so wurde die Idee umgesetzt unter www.myspace.com/devisionmusic, die Songs zu streamen. Wie ich schon sagte, der Hörer muss sich einfach intensiv mit unserer Musik auseinander setzen, da unsere Songs des Öfteren schwer zugänglich sind, und mit dieser Plattform wollten und haben genau dies erreicht.
Außerdem verstärken wir gerade unsere Bemühungen auf dem amerikanischen Markt ein wenig mehr Fuß zu fassen, und die Reaktionen zeigen ein enormes Interesse der dortigen Hörer an unserer Musik.
Musiker sind in aller Regel auch Musikkonsumenten. Verfolgst du während der Entstehung eines neuen Albums den Musikmarkt genauer, welche Entwicklung beispielsweise auch andere Bands einnehmen?
Natürlich schaue ich mir den Musikmarkt an, aber einen wirklichen Einfluss hat dies nicht für uns.
Wie kann man sich die Arbeit für die ersten Songs, oder besser gesagt den ersten Song eines neuen Albums vorstellen? Geht man da besonders behutsam oder bedacht vor, als wenn man jetzt schon einige Songs fürs Album fertig gestellt hat und sich schon so etwas eingespielt hat? Ist es in etwa vergleichsweise mit einem Autor, der an den ersten Zeilen eines neuen Buches sitzt?
Ich kann es nicht wirklich beschreiben, denn es passiert einfach. Ich lege den Schalter um und fange an zu schreiben, lasse die angesammelte Energie raus. So entsteht der erste Song. An den Reaktionen von Thomas und unseren Produzenten kann ich dann schon eine gewisse Richtung ablesen, in die es dann letztendlich gehen soll.
Ihr arbeitet zum dritten Mal in Folge mit Arne Schumann und Josef Bach zusammen. Ein Zeichen dafür, dass vollsten Vertrauen auf beiden Seiten besteht. Hättest du dir "Subkutan" auch mit einem anderen Produzenten vorstellen können?
Im Moment genießen wir es mit den Arne und Joos zu produzieren, so dass uns diese Frage nicht wirklich interessiert. :-)
Mit Georg Kaleve habt ihr damals beim Album "Void" viele der Vorproduktionen noch einmal fast komplett "umgekrempelt". Wie kann man sich die Arbeit mit Arne und Josef vorstellen, wie viel Einfluss haben sie auf die Songs, speziell bei "Subkutan"?
Georg Kaleve hat uns mit "Void" aus einer persönlichen Stagnation befreit, so dass wir dies gar nicht miteinander vergleichen wollen. Aus heutiger Sicht würde ich "Void" nicht mehr so produzieren, da wir in den vergangen Jahren doch sehr viel dazu gelernt haben, aber eben auch nur, weil es Menschen wie Georg gab, die uns neue Wege aufgezeigt haben. Ohne diesen Prozess stünden wir jetzt nicht hier.
Mit Arne und Joos gehen wir komplett andere Wege, wir ergänzen uns sehr gut. Es ist auch nicht mehr nötig die Songs komplett umzuschreiben, denn wir wissen mittlerweile was wir wollen, und was nicht.
Bei euch entsteht meist erst die Musik, welche von dir komponiert wird, bevor Thomas einen Text dazu schreibt. Sprichst du mit ihm über deine Empfindungen beim komponieren oder geht Thomas ganz unbefangen an den Text heran?
Thomas soll ganz unbefangen an die Sache herangehen. Ab und an bereden wir in der Entstehung eines Textes den ein oder anderen Sachverhalt, aber ansonsten kann er sich wie ich ja übrigens auch erst einmal Selbstverwirklichen. Der Feinschliff kommt dann bei der eigentlichen Arbeit mit unseren Produzenten.
Was ist für dich persönliche der schönste Moment vor, während oder auch nach der Albumproduktion? Gibt es ein Stadium bei der Albumentstehung, wo es dir besonders Freude macht, zu sehen wie alles zusammenwächst?
Es gibt in jedem dieser Stadien schöne und auch schlechte Momente. Natürlich freut es mich am meisten, wenn dann die Songs im Kasten sind, aber es freut mich genauso sehr, wenn ich an einem neuen Song schreibe, oder der Song durch Arne und Joos den letzten Schliff erhält.
Neben mittlerweile fast 18 Jahren De/Vision, fast schon regelmäßigen DJ-Tätigkeiten und Kollaborationen mit anderen Künstlern, was alles mit Sicherheit einiges an Zeit opfert, stellt sich da für dich nicht oftmals die Frage, nach all den Jahren Prioritäten zu verlagern und gewisse Dinge zurückzufahren um mehr Zeit für anderes zu haben?
Musik ist nun mal ein großer Teil meines Lebenstraums, und dem opfere ich wirklich sehr viel Zeit, aber es ist kein wirkliches Opfer. Andere Menschen müssen tagtäglich ihrer Arbeit nachgehen, und ich habe das Glück mich tagtäglich mit dem zu beschäftigen was ich will. Natürlich ist es auch sehr viel Arbeit, aber dies gehört nun mal dazu.
Meine Freundin und Freunde haben dafür auch sehr viel Verständnis, und oftmals vermischt sich dies sowieso.
Im Gepäck mit dem neuen Album wird es im April auf Tour gehen. Zum zweiten Male werden Iris das Vorprogramm bestreiten, was auch darin begründet ist, dass beide Bands ihre Musik untereinander sehr schätzen. Wie ist das Verhältnis zueinander? Kann man von einer Freundschaft sprechen, die beide Bands miteinander verbindet?
Es ist schwer zu sagen ob es wirkliche Freundschaft ist, aber wir mögen uns auf alle Fälle. :-) Gerade für mich ist es auf Tour enorm schwer einen engeren Kontakt herzustellen, da ich mich sehr auf mich konzentriere. Ich denke aber, dass dies auf der kommenden Tour schon einfacher sein wird.
Wir schätzen an Iris, dass sie einfach auch ihr Ding machen, und außerdem sehr nette Kerle sind. Wir freuen uns auf alle Fälle sehr darüber, sie als Support wieder mit dabei zu haben.
Dies soll es von mir gewesen sein. Lässt sich nur noch viel Erfolg mit "Subkutan" zu wünschen und vielen Dank für das Interview.
Wir haben wie immer zu danken!
Interview: Thomas Tröger & De/Vision [Steffen Keth]
Januar 2006
De/Vision:
Steffen Keth
Thomas Adam
Internet: www.devision-music.de | www.myspace.com/devisionmusic