creating.paradise   

Die beiden Mitglieder der Electro Band creating.paradise haben schon einen längere musikalische Geschichte, hier und da ist der Name auch schon aufgetaucht, wissen aber sicherlich die wenigsten damit ewtas anzufangen. Die neue CD "Killing Dreams" soll diesen Zustand jetzt ändern, sowie das folgende Interview, welches einen kleinen Einblick in die Arbeit der beiden geben soll.


Stellt euch doch anfangs einmal vor. Wer versteckt sich hinter creating.paradise, wie und wann kam es zur Gründung?

Björn M.: Also creating.paradise besteht heute aus 2 Personen, Björn und mir. Gegründet wurde creating.paradise 1997 von mir als Soloprojekt, nachdem wir unser vormaliges Projekt syncOut aus diversen Gründen auflösten. Ich wollte damals einfach was neues starten, was mich unabhängig machen würde. Unsere erneute musikalische Zusammenarbeit ließ dennoch nicht lange auf sich warten, denn Björn H. kam nur ein Jahr später wieder als "Gastmusiker" dazu.

Wenn man sich euren musikalischen Werdegang so anschaut, habt ihr schon in sehr jungen Jahren angefangen an Sound zu basteln. Hattet ihr schon immer eine Vorliebe für diese Art von elektronischer Musik? Welche Bands haben euch dahingehend am meisten beeinflusst auch selbst kreativ zu werden?

Björn M.: Ich hatte das Glück in einer musikalisch vielfältigen Umgebung aufzuwachsen. So einige Platten meiner Mutter ließen mich nicht mehr los. O.M.D., Depeche Mode, Yello, Jean Michel Jarre, Klaus Schulze und Tangerine Dream faszinierten mich immer. Nachdem ich irgendwann die Radio ffn-Grenzwellen gehört hatte, war für mich alles klar. Mit 11 Jahren begann ich aktiv, Musik am Computer zu programmieren und auf Tapes zu dubben.

Björn H.: Auf den Geschmack von elektronischer Musik haben mich eigentlich die Pet Shop Boys gebracht. Mein erster absoluter Lieblingstrack war "Suburbia" (1985), daran kann mich noch genau erinnern. Richtig auf den Trip bin ich aber dann Anfang der 90er, nachdem ich Björn kennen gelernt habe. Von ihm habe ich meine ersten Depeche Mode Platten bekommen, von denen ich bis heute nicht mehr losgekommen bin. Obwohl ich in der 5.Klasse "Enjoy The Silence" absolut schrecklich fand. Heute mit einer der genialsten Titel, die ich kenne.

Hab ihr schnell einen gemeinsamen musikalischen Nenner gefunden oder gab es Umwege?

Björn M.: Ich weiß gar nicht mehr, was bei mir aktuell war, als Björn und ich uns kennen lernten. Ich glaube A Split Second, Klinik, Schnitt Acht, Alien Sex Fiend und ein wenig Depeche Mode. Ich habe aber andere Musik gemacht - zutiefst downtempo und depressiv. Björn hat sich darauf eingelassen, wobei ich aber auch ein Sturkopf sein kann.

Björn H.: Ich weiß gar nicht wieso ich mich darauf einlassen konnte, liegt wohl daran, dass Björn mit seiner Musik in mir irgendwas berührt, was total auf mich passt. Mir gefiel irgendwie immer was er gemacht hatte, zumindest hat es mich fasziniert. Ich kann zwar nicht mit allen Bands die er so hört was anfangen, aber auf Haujobb komme ich ziemlich gut klar.

Björn M.: Aber ist durchaus so, dass ich auch was an Björns Musik finden kann. Da sind immer Schnittmengen vorhanden.

Euer Bandname creating.paradise klingt wie eine Art Flucht, sich mit der Musik in eine Art andere Welt zu befördern bzw. sich eine eigene kleine Welt zu erschaffen. Welche Bedeutung hat der Bandname für euch selbst?

Björn M.: Hätte ich damals gewusst, dass dem Bandnamen eines Tages mal öffentliche Bedeutung beigemessen werden würde, dann hätte ich vielleicht einen anderen Namen gewählt - denn die Idee dazu war schlichtweg der Track "Final Race" von Haujobb, ohne jemals als dessen Plagiat werden oder mit den Jungs verglichen werden zu wollen. Mal davon abgesehen macht der Name für mich auch Sinn. Der Glaube an das Paradies oder dessen Erschaffung ist für mich z.B. mit Blick auf die weltweite Friedenslage paradoxes Glück. Ohne darauf weiter einzugehen - den Glauben sollte jeder mit sich selber, und nur mit sich selber, ausmachen!

Björn H.: Für mich hat er nicht wirklich eine Bedeutung, denn Björn kam mit dem Namen an und mir gefiel er.

Ihr beschreibt euren Stil als Progressive Electronics. Was genau darf sich der angehende Hörer darunter vorstellen?


Björn M.:
Nun ja... vorher waren mir "Experimental Synthie-Pop", dann "EBM" oder "Darkwave" und immer kam da jemand längs, der meinte, dass unsere Musik nicht zum propagierten Stil passen würde. Und der letzte meinte dann: "Hey, macht doch Progressive Electronic Music draus". Und ich nenne es jetzt einfach "Progressive Electronics"... bis der nächste vorbei kommt. Habt Ihr noch eine Idee? :o)

Björn H: Das trifft wohl zu. Wir konnten unseren Stil bisweilen nie wirklich einer Richtung zuordnen. Aber "Progressive Electronics" passt schon wohl am besten.

Eure neue CD "Killing Dreams" habt ihr jüngst fertiggestellt. Welche Resonanzen gab es bisher?

Björn M.: Also dafür, dass uns vor 10 Jahren schlichtweg keiner hören wollte, finde ich die Resonanz sehr überraschend. Man muss dazu aber sagen, dass wir unseren Stil eben ein wenig dem Progressiven gewidmet haben. Und nicht nur wir, sondern auch Ray Gordon, beim Remastern des Albums, konnte gute Arbeit abliefern. Was die Musik angeht, so sind die Resonanzen eigentlich nur positiv. Das Wort "eigentlich" tritt hier in Erscheinung, weil uns auch Kopiererei und Klau der Strukturen und Sounds von anderen Bands vorgeworfen wurde. Damit müssen wir dann leben, auch wenn die Vorwürfe meines Erachtens völlig unzutreffend sind. Wir kommen halt aus der Ecke um die "Großen" der 90er und gehen auch musikalisch ähnliche Wege. Ich meine, wer kann schon EBM machen ohne sich wie bisher Bekanntes anzuhören? Man hat halt schon vieles gehört. Samples von anderen Bands nehmen wir ja auch. Aber so, dass diese nicht mehr als solche zu erkennen sind. Und Melodien sind tabu, dafür gibt es das Copyright. In dem Werk steckt sehr viel Arbeit und die Rezensenten wissen das auch zu schätzen. Speziell das Artwork der professionell hergestellten CD ist sehr ansprechend - und die Leute fragen dann, wer das wohl gemacht hat.

Björn H.: Zu meiner überraschung waren bis jetzt alle Rezensionen mehr oder weniger positiv. Und das finde ich sehr schön und gibt Antrieb für die Zukunft. Das uns früher keiner hören wollte, liegt meiner Meinung nach eher daran, dass wir es nicht geschafft haben unsere Musik an die richtigen Hörer zu bringen. Meine damaligen Freunde konnten mit der Musik nichts anfangen, denn sie interessierten sich mehr für andere Musikrichtungen und haben das was wir gemacht haben nicht respektiert.

Wie kann man sich die Arbeit daran vorstellen? Erarbeitet ihr gemeinsam neue Ideen aus oder macht da jeder erst mal für sich seinen Teil?

Björn M.: Ich mache mich zuerst an die Musik. Wir haben durch meine ständige Probiererei ca. 90 % Ausschussmaterial, welches wir nicht verwenden. Denen fehlt der Drive oder das "gewisse Etwas". Sobald ich einen "Betastatus" erreicht habe, schicke ich Björn den Track. Wenn ich in einer emotional außergewöhnlichen Situation bin, schreibe ich meistens die besseren Stücke. So war dass u.a. bei dem Titelstück "Killing Dreams".

Björn H.: In der Regel ist es so, wie Björn es schon beschrieben hat. Es kommt aber auch durchaus vor, dass wir gemeinsam Tracks erarbeiten, jedenfalls das Grundgerüst zu einem fertigen Track zusammen zu bauen. So war es z.B. bei "Fingerprints". In der Regel bin ich aber für die Lyrics und die Vokalstruktur zuständig. Ich wiederum schicke Björn auch mal fertige Lyrics zu noch nicht vorhandenen Tracks.

Wo entstehen eure Songs und wo nehmt ihr diese auf?

Björn M.:
Ganz unprofessionell in meinem vollgestellten Zimmer. Beim Gesang gibt die Dachschräge wenig Reflektionen ab, so dass hier ausreichende Aufnahmen machbar sind. In diesem Zimmer stehen auch die Rechner, mit denen wir Musik machen. Früher hatten wir allerlei Hardware, also Keyboards und Racks. Jetzt haben wir ja nur noch Hardware für Björns Mikro. Wenn ich einen neuen Titel beginne, dann stricke ich entweder eine Melodie zurecht oder habe zwischendurch schon eine auf mein Handy gepfiffen, welche ich dann abhöre und einbaue. Ein Lied kann zur Fertigstellung mehrere Wochen benötigen, wenn ich mit den Samples, die ich verwende, nicht weiter komme oder das Timing nicht sitzt. Der Titel "Killing Dreams" hingegen stand innerhalb weniger Stunden als beta, ebenso wie der Erstentwurf der Lyrics. Nach 7 Tagen warf der schon sehr reif. Die Samples werden von unserer Hardware abgenommen oder selber von anderen Bands eingesampled und verwendet. Ich arbeite inzwischen fast nur noch mit Samples, sowohl instrumental/perkussiven-, als auch Vokalsamples. Und mal im ernst: Wer hört sofort raus, dass z.B. der Bass in "Weeping Angel" aus "Mr. Vain" von Culture Beat stammt, die Bass-Drum von "Pain Processor" von Rick Springfield's "Dance This World Away" oder der Bass aus "All The Time In The World" von Leaether Strip's "Nothing Seen, Nothing Done" kommt? :o)

Björn H: Also zur Entstehung der Musik brauche ich nichts mehr sagen, das hat Björn ja schon alles getan. Ich könnte noch was zu den Lyrics erzählen. Die entspringen ja meiner Feder. In der Regel gibt es keine Regel für das schreiben von Lyrics. Es gibt Tage, da bekomme ich nicht einen einzigen Satz zusammen. An anderen Tagen, da geht es praktisch voll automatisch. Da kann es schon mal wie bei "Weeping Angel" innerhalb von einer Stunde passieren, dass die Lyrics stehen. Andererseits gibt es auch Texte an denen ich über Wochen eine Idee in mir habe, sie aber noch nicht zu Papier bringen kann.

"Killing Dreams" ist nicht die erste CD die ihr aufgenommen habt. Worin liegen die Unterschiede der neuen Songs zu älterem Material? Sprich was war euch wichtig für die neuen Songs? Welche Veränderungen sind zu älteren Songs zu erkennen?

Björn M.: Musikalische Unterschiede gibt es vor allem im Tempo und der Stimmung. Alte Tracks sind verträumter und vom Ambiente her weitläufiger. Eher was für den verregneten Montagabend. Bei unseren "Neuen 5", den ersten 5 Tracks des Mini-Albums, war speziell die Tanzbarkeit ein Kriterium, welches wir erfüllen wollten und auch erfüllt haben. Wer für sich an unserer heutigen Musik etwas entdecken kann, wird sicherlich auch in den alten Tracks Highlights finden. Ich vertrete heute mehr denn je den Standpunkt, dass wir eben etwas besonderes sind. Und ich sehe uns, im Vergleich mit anderen Bands der heutigen Zeit, auch eher in der Riege der 90er Jahre-Musik. Wir dürften aktuell für die Menschen interessant sein, die auch mal wieder was anderes als nur 4-2-da-floor-Technobeats oder dem oftmals sehr eng beieinander liegenden Musikstil der Synthiepop-Szene entrinnen möchten.

Warum fiel die Wahl auf den Song "Killing Dreams", welcher dem Album seinen Namen gibt?


Björn H.: Wir saßen bei mir auf der Couch und arbeiteten am Layout des Booklets. Aber einen Namen hatten wir noch nicht. Wir hatten alle möglichen Titel im Kopf wie z.B. "Blue Sky" oder auch "Future Dreams", aber irgendwie passte das alles nicht. Und da wir ja auf dem "Killing Dreams"-Trip waren, fiel unsere Wahl letztlich auf diesen Titel. Was sich für mich im Nachhinein als einzig vernünftige Wahl herausstellte. :)

Björn M.: Der Abgabetermin für die Produktion rückte näher und näher und wir brauchten das exemplarische Arrangement für die Abstimmung des Layouts. Da entschieden wir uns letztendlich für den Namen. Und damit ist auch klar, welcher Track für uns die größte Bedeutung auf diesem Album hat. :o)

Was inspiriert euch am meisten um darüber Songs zu schreiben? Welche Themen spiegeln sich auf "Killing Dreams" wieder?

Björn M.: Beim Track "Weeping Angel" wollten wir gezielt auf die Modeerscheinung Kindesmissbrauch und -Mord reagieren. Die Meldungen in den Medien häuften sich. Also wollte ich genau so einen Track haben - reißerisch aber trotzdem treffend. Björn hat sich dann an den Text gemacht - zu einem schwierigen Thema. Meine musikalischen Anstöße liegen da sowohl im persönlichen, als auch im öffentlichen Interesse begründet.

Björn H.: Zu dem von Björn angesprochenen Themen kommen alltägliche Probleme mit Liebe, Schmerz und Verlust, aber auch politische Aspekte spielen durch aus eine wichtige Rolle. Auch wenn wir immer versuchen wollen diese nicht auf den ersten Blick durchblicken zu lassen. So kann dem Track "Pain Processor" durchaus eine politische Meinung abgewonnen werden.

Ihr habt die Songs nachträglich von Ray Gordon von Ton Sur Ton remastern lassen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Björn M.: Wir haben Ray und Ethan erstmalig auf einem Festival kennen gelernt und sind anschließend im Kontakt geblieben. Er bot uns an, unsere Tracks zu mastern, denn denen fehle es Höhen und der Druck wäre nicht da. Das Angebot nahmen wir schließlich an.

Auf eurer Homepage ist vermerkt, dass "Killing Dreams" hauptsächlich den Promo-Zwecken dienen soll. Gleichzeitig beschreibt ihr es aber auch als neues Album. Mit sieben Tracks nicht etwas kurz geraten? Oder wird da noch was kommen?

Björn M.: Da hast Du Recht. Von der Länge her könnte es mit den 30 Minuten und 7 Titeln eher eine EP sein. Wir haben uns aber auf die Titel beschränkt, die unserer Meinung nach nur unbedingt nötig sind. Bei mehr Titeln verliert der Hörer vielleicht den Fokus. Eine Doppel-CD wäre auch drin gewesen, aber mit was für Musik? Auf Grund der Rezension einer vorhergehenden Promo mussten wir erfahren, dass es heute nicht mehr reicht, eine selbstgebrannte CD zum Review abzugeben. Die Leute wollen dann schon etwas richtiges haben. Und für unsere Webseite ist es ein Mini-Album, das käuflich erworben werden kann.

Björn H.: Wir hätten noch ein oder zwei Tracks draufpacken können, nur hatten wir schon einen Termin bezüglich des Drucks. Also mussten wir leider einen Track wie "My Pet's Fuel" außen vor lassen. Diesen und andere gibt's übrigens auf unserer Website zum download. Hört doch mal rein!

Ihr vertreibt über eure Homepage eure CD's noch selbst. Gíbt es schon Interesse seitens einer Plattenfirma?

Björn M.:
Die Eigendistribution ist auf Grund der kleinen Stückzahl leider nur gerechtfertigt, denn wir haben die Produktion ja selbst finanziert. Mit dem Album wollen wir zuerst auf Stimmenfang gehen. Wir waren uns inzwischen nicht mehr sicher, welchen Status wir vertreten. Die Entscheidung hat sich als richtig herausgestellt, denn so hat sich schon manch nützlicher Kontakt ergeben.

Björn H.: Bis jetzt noch nicht. Aber wie Björn schon gesagt hat, soll es erst mal dem Stimmenfang dienen.

Wie sehen eure weiteren Pläne und Wünsche für die Zukunft aus?

Björn M.: Ich denke, wir werden die Initiative bei der Suche nach einem Label ergreifen, sobald wir entsprechende Rezensionen eingefahren haben und uns der nächsten Schritte bewusst sind. Für uns war die Musik bisher nie eine Sache, der wir außerordentliche Bedeutung beigemessen haben. Ich habe zudem einen gewöhnlichen Job und so muss bei mir auch das Timing und Drumherum stimmen.

Björn H.: Bei mir ist es ähnlich. Ich gehe ja zur Uni und muss auch dort mit Engagement dabei sein. Aber trotzdem wollen wir versuchen in nächster Zukunft uns auf die Suche nach einem Label machen.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören euch...


Björn H.: Yo! Mir hat das Beantworten der Fragen Spaß gemacht, danke für das Interview!

Björn M.: Ganz uneigennützig möchte ich noch mal unsere Webseite www.creatingparadise.com erwähnen, auf der eine Menge Infos und mp3's nur darauf warten, von Euch gesaugt zu werden! Creating.paradise! :o) Vielen Dank!



Interview: Thomas Tröger & creating.paradise
Januar 2005

creating.paradise:

Björn Mühlnickel
Björn Honert

Internet: www.creatingparadise.com