Achim Färber   

Wahrscheinlich wird einem der Name auf Anhieb nichts sagen, sitzt Achim Färber jedoch bei den einige Bands an den Drums und zeigt sich somit für das rhythmische Gefüge dieser verantwortlich. Kennen wird man ihn für seine Arbeiten mit Phillip Boa, Wolfsheim oder auch De/Vision. Eine Band, der er jetzt schon seit einigen Jahren die Treue hält veröffentlicht Ende Mai ihr neustes Album, an dem er wieder mitgewirkt hat. Die Rede ist von Project Pitchfork und ihrem neuen Werk "Kaskade". Im Interview geht es aber nicht nur darum, sondern vielmehr um die Person Achim Färber mit einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Du bist schon seit mehreren Jahren als Schlagzeuger tätig und hast für viele Musiker und Bands, auf deren Alben, die Drums eingespielt. Wann genau hast du angefangen, dich professionell als Schlagzeuger zu verwirklichen?

In den frühen 90ern. Eigentlich erst so richtig als ich mit einer Band meinen ersten Plattenvertrag unterschrieben habe und ein Jahr von den Vorschüssen leben und arbeiten konnte. Danach kam dann Boa, ca. 1992.

War es schon immer das Wunschinstrument oder gab es zuvor andere Instrumente, die du erlernt hast oder gerne erlernen hättest wollen?


Es war immer das Wunschinstrument und ist es noch immer. Allerdings wäre ich sehr gerne auch Bassist geworden....

Welche Musiker / Schlagzeuger haben dich beeinflusst und waren wichtig für dich selbst und deine musikalische Entwicklung?


Ich befürchte, dass diese Frage den Rahmen des Interviews sprengen würde! Mein Glück war, dass ich direkt an der holländischen Grenze großgeworden bin, und dort gab es damals (um 1980) sehr coole Radiosender, wo man abends die abgefahrensten Sachen hören konnte. So bin ich mit CAN, Punkrock, Brian Eno´s ersten Ambientalben, New Wave, Jazz, tollen Soul Sachen und vielem mehr aufgewachsen. Jeden Abend tat sich ein neuer musikalischer Horizont auf. Natürlich habe ich damals auch viel mit meinem kleinen Kassettenrecorder mitgeschnitten, einige Tapes habe ich noch immer im Schrank. Meine Lieblingssendung war "Superclean Dreammachine", später kamen dann die John Peel Shows auf BFBS dazu. Das ganze Chartsgedudel ist natürlich auch hängengeblieben, aber hat für mich keine Bedeutung. Die erste Fernsehshow, die mich umgehauen hat, war ein The Police Konzert für Radio Bremen Beatclub. Da waren die Jungs noch total unbekannt, im Studio waren vielleicht 50 Leute und die Band hat so dermaßen alles weggeblasen, dass ich mit meinen 14 Jahren erstmals sprachlos war..... danach wollte ich nur eines, und zwar eine Band gründen!

Wie schon erwähnt, konzentriert sich die Arbeit am Schlagzeug nicht nur auf eine Band. Mit Bands wie Wolfsheim und Tito & Tarantula tourst du nicht nur hierzulande, sondern auch in den vereinigten Staaten. Songs müssen einstudiert werden und CD's wollen auch noch aufgenommen werden... Wie regelst du den zeitlichen Aspekt und bekommst alles unter einen Hut?


Das Schöne an diesen oben genannten Bands ist, dass wir so gut wie NIE proben bzw. geprobt haben. Speziell Tito & Tarantula haben nie geprobt, das musste auch ohne klappen. Ich bin übrigens seit ein paar Monaten nicht mehr in der Band. Der zeitliche Aspekt war bis jetzt nur sehr selten ein Problem, überschneidungen gab es in den letzten Jahren nicht all zu oft. Ich bin ja mit den Bands meistens en bloc am arbeiten, d.h. es gibt eine Studiophase und dann eine Tourneephase. Normalerweise sind Einzel-Gigs die Ausnahme. Problematisch sind dann schon die Festivalmonate, wo es dann schon mal krachen kann.... bis jetzt habe ich das aber immer lösen können. Was man als Außenstehender oft nicht sehen kann, ist die Tatsache, dass oft über einen längeren Zeitraum wenig bis gar nichts passiert, um dann plötzlich geballt loszugehen.

Wo siehst du persönlich die Herausforderung für eine Band am Schlagzeug zu fungieren, sprich, wo siehst du die Reize? Was ist dir wichtig um mit einer Band zusammenzuarbeiten?


Jede Band, jeder Künstler tickt anders und genau das ist der Reiz! Rauszufinden, wo die Stärken der Band liegen, finde ich persönlich sehr reizvoll. Mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten umfasst natürlich auch nicht nur den musikalischen Aspekt. Gerade wenn man auf Tour ist, muss es auch menschlich stimmen, sonst kann man das Ganze fast vergessen..... Es entstehen (fast) immer persönliche Bindungen und Beziehungen, die weit über das Musikmachen hinausgehen. Natürlich muss mich aber die Musik interessieren, ansonsten macht es für mich auch keinen Sinn. Im Theaterbereich gehe ich etwas anders an die Sache ran. Dort ist klar, dass man dort mit vielen Leuten für einen bestimmten Zeitraum zusammenarbeitet und sich danach die Wege wieder trennen werden, mit der Vorgabe kann man dann auch mit Leuten arbeiten, die man nicht mag :).

Deine Diskographie zeigt sich sehr genreübergreifend. Gäbe es für dich dennoch musikalische Grenzen, wo du das Angebot einer Band absagen würdest, egal wie glaubwürdig diese ist und wie gut ihre Musik produziert ist? Gibt es für dich Musik, wovon du die Finger lassen würdest?


Ohne Namen zu nennen, aber ich habe schon einiges abgesagt, weil es mir schlicht und einfach zu blöd war, das zu machen. Natürlich gibt es auch Musikstile, die ich nicht überzeugend spielen könnte. Es ist für einen Musiker auch sehr wichtig, nein sagen zu können! Deshalb wird man mich sicher niemals auf einer volkstümlichen Aufnahme finden :-).

Ebenso habe ich Probleme mit diesen ganzen Superstar/Popstar Geschichten, die im Endeffekt nur zynisch sind. Da lasse ich ganz gepflegt die Finger von. Aber ich entscheide immer wieder von Fall zu Fall, ob ich das vertreten kann. Im Studio ist es natürlich einfacher, die Zähne zusammenzubeißen, denn da erscheint manchmal nicht einmal dein Name auf dem Cover. Aber live mache ich nur Dinge, die ich wirklich gut finde oder die eine große Herausforderung darstellen und vor allen Dingen arbeite ich dann nach Möglichkeit nur mit anderen Musikern und Künstlern, die hinter ihrer Musik stehen und kein billiges Spiel spielen. Davon gibt's nämlich sehr viele, in allen musikalischen Bereichen.

Du hast mit Bands zusammengearbeitet, welche ihre Wurzeln eigentlich in der elektronischen Musik haben. Ist dies ein besonderer Reiz, Elektronik durch echte Drums zu ersetzen? Oder eckt man bei diesen Bands eher an, als bei "richtigen" Musikern?

Das ist ja gerade bei den Bands wie Wolfsheim oder Project Pitchfork nicht der Fall! Ich spiele im Studio zu 99% Naturdrums! Was man dann später damit macht (digital zerstückeln, loopen, soundmäßig verfremden) ist dann wieder was anderes. Live spiele ich meine Beats, wie ich sie empfinde. Das ist auch so gewollt. Sehr selten versuche ich, live die E-Drums zu ersetzen, das geht soundmäßig fast garnicht. Eine elektronisch erzeugte Bass Drum, wie die typische Techno Bass Drum, wird man ganz einfach nie mit einer Natur Bass Drum ersetzen können.

Musiker, die mehr in der elektronischen Musik zuhause sind, sind in meinen Augen auch keine "nicht richtigen " Musiker. Gerade bei ganz toll ausgebildeten "richtigen" Musikern gibt solche unglaublichen unmusikalischen Wesen, die das Musikmachen völlig aus ihrem Hirn verdrängt haben und nur noch ihre Standards abfahren. Ich habe festgestellt, dass gerade bei den Elektronikbands, in denen ich gespielt habe bzw. spiele, die Offenheit gegenüber meinem Spiel größer ist. Natürlich weiß ich, was in dieser Musik geht und was manchmal ganz einfach gar nicht angebracht ist - in diesem Rahmen bewege ich mich dann.

Bei welcher Musik fühlst du dich als Schlagzeuger selbst am wohlsten? Ich denke dabei jetzt die etwas härtere Gangart wie beispielsweise der Solopart von "Alpha Omega" von Project Pitchfork oder die Rhythmik eines ruhigern Jazz Songs. Was macht dir persönliche mehr Spaß?

Manchmal fühle ich mich am wohlsten,wenn z.B. ein Part bzw. ein Song kommt, bei dem garnicht spiele, sondern nur zuhören darf! Bei BOA gab es früher einen Song, den wir auf einer Tour gespielt haben, der hieß "Pretty Bay". Den haben wir damals in einer fast Ambientmäßigen Version gespielt – ohne Drums. Ich habe den Song geliebt. Ich fühle mich defintiv am wohlsten, wenn die Musik in dem Moment ihren absoluten Sinn macht – ob laut oder leise, schnell oder langsam, harmonisch oder schräg. Ist schwer zu beschreiben, ich habe da keine besonderen Vorlieben. Auch auf einer Tour wechseln auch die Songs, die ich lieber spiele

Inwieweit kannst du deine eigenen Ideen bei Bands umsetzen und inwieweit treten sie an dich mit Ideen und Vorstellungen heran? Gab es bisher Momente, wo man sich in seiner Kreativität eingeschränkt gefühlt hat?

Das ist überall verschieden. Bei Pitchfork ist das ein Pool von den Ideen aller Musiker, der im Studio dann zu einem Ganzen zusammengesetzt wird. Bei anderen Studioprojekten stehen oftmals die Songs schon fest und ich trage dann meine rhythmischen Ideen an den Künstler ran, und das wird dann für gut befunden oder man erarbeitet eben was anderes, manchmal auch Dinge, die ich so nicht unbedingt spielen würde..... natürlich gab es in den Jahren auch Situationen, wo ich mich unwohl mit dem gefühlt habe, was ich da spielen musste. Bei Phillip, Boa gab es oftmals verschiedene Auffassungen von dem, was aufgenommen werden soll, da hat's auch öfter mal gefunkt. Da sind dann einige Stücke bei herausgekommen, die ich im nachhinein nicht für besonders gelungen halte, allerdings auch ein paar richtige Highlights. Kreativität entsteht ja oftmals auch nicht dann, wenn alles möglich ist, sondern gerade dann, wenn man sich in einem vermeintlich engen musikalischen Rahmen befindet. Da dann genau das Richtige zu finden, das macht richtig Spaß!

Für eine Band, welche du einige Jahre als Schlagzeuger tätig warst, hast du jetzt die Sticks beiseite gelegt. Was für Beweggründe gab es für dich, die Arbeit mit De/Vision einzustellen?


Manchmal ist einfach die Zeit gekommen, getrennte Wege zu gehen. Ich hatte das Gefühl, das für mich in dieser Band diese Zeit gekommen war.... irgendwie war für mich die Luft raus.

Wo woanders die Zusammenarbeit aufhört, beginnt sie woanders zu fruchten. Kannst du schon etwas über die Zusammenarbeit mit Greenhaus sagen? Kam der Kontakt über die Tour mit De/Vision zustande und auf was besinnt sich die Arbeit - nur ein paar vereinzelte Songs oder ein komplettes Album?

Wir haben uns auf der De/Vision Tour kennengelernt. Es gab einen Song, den sie auf der Tour gespielt ("You´re Not Alone"), den ich ganz einfach grandios fand. Im Tourbus haben wir dann eines nachts zusammengehockt, und ich habe ihnen erzählt, wie mich dieser Song berührt hat. Dann hat mich Steve Bellamy gefragt, ob ich nicht den Song fürs neue Album einspielen möchte... daraus ist dann im Endeffekt das komplette Album geworden! Die haben mir dann die Songs als Computerfiles geschickt und ich habe die Livedrums dann bei mir im Studio aufgenommen. Vor zwei Wochen habe ich die fertig abgemischten Songs bekommen. Sehr, sehr schön! Eventuell werde ich dann die nächste CD auch wieder einspielen, aber das ist ja noch ein bischen Zeit bis dahin.

Mit "Kaskade" wird demnächst das neue Album deiner Band Project Pitchfork erscheinen. Kannst du etwas über die Arbeit am neuen Album erzählen und damit einen kleinen Einblick geben?

Die Arbeit verläuft sehr euphorisch und alle sind sehr begeistert bei der Arbeit! Die Platte wird sehr interessant. Mehr will ich nicht dazu sagen. Es wird aber sicher einige überraschungen geben !!!

Auf welche Projekte besinnst du dich im diesen Jahr noch, wenn überhaupt noch Zeit dafür bleibt?

Bin gerade auf Tournee mit Monkeeman. Die Band gibt es schon seit fünf Jahren, aber erst jetzt hat sich ein Plattenlabel gefunden, welches die Scheibe rausgebracht hat. Für mich ist die diese Platte quasi "back to the roots", ganz einfach 4 Freunde mit Gitarren, Bass und Schlagzeug auf der Bühne. Coole Songs, kein Schickimicki. Wir werden sogar im April eine kleine Englandtournee machen. Mit Pitchfork werden wir 2005 hoffentlich auch sehr viele Gigs machen, mal schauen, was noch so kommt.

Außerdem werde ich Ende März einen Jazz Gig in Berlin mit Gitte Haenning spielen, das wird nun wieder eine ganz neue Herausforderung. Das gesamte Programm wird 2 Stunden dauern, hoffentlich kriege ich das alles auf die Reihe. Die Frau ist ja dafür bekannt, dass sie alles sehr perfekt und mit viel Gefühl haben will. Und dass sie in den letzten 40 Jahren schon mit diversen Legenden des Jazz gespielt hat, was viele nicht wissen, macht das Ganze noch spannender!! Und auch hier gilt wieder: geprobt wird nur sehr kurze Zeit, wahrscheinlich nur einTag.

Vielen Dank für das Interview und die geopferte Zeit!

Sehr gerne! Ich danke auch!



Interview: Thomas Tröger & Achim Färber
März 2005



Internet: www.achimfaerber.de