Covenant - Skyshaper   

Zu den kreativsten musikalischen Schauplätzen zählen wohl unangefochten die nordischen Regionen, die gemessen an ihrer Bevölkerungsdichte bisher eine ungeheure Vielzahl an Bands und Künstlern  hervorbrachten, die man einmal mehr mit dem Mut und dem dazugehörigen  Talent zur Eigenständigkeit versah, dass man hierzulande vor Scham am liebsten im Boden versinken möchte. Und dabei macht es wahrscheinlich noch nicht einmal einen großen Unterschied wo der Blick hinschweift. Eskil Simonsson, Joakim Montelius und Clas Nachmanson werden dabei für ihre Heimat Schweden Anfang März das Zepter wieder ganz weit nach oben halten dürfen. Denn zur Freude des elektronisch ausgerichteten Publikums haben die Nordlichter, ein neues, mit viel Herzblut versehenes, Album zur Veröffentlichung bereitgestellt, was nicht nur im Monarchenstaat, das Fieber neu entfachen soll. Dabei ist jedoch die Aufgabe, die sie zu erfüllen haben, nicht die einfachste.

Blickt die Band mit "Skyshaper" dabei zwar auf ihr mittlerweile sechstes Album, können ansehnliche Chartplatzierungen in den Media-Control Charts verbuchen und haben eine enorme Fanbasis über die Jahre hinweg umsich gescharrt, haben sie mit dem Vorgänger Album "Northern Light" aber auch ihr wohl umstrittenstes Werk veröffentlicht, was die Fans in zwei Lager zu teilen drohte. Fairerweise muss man festhalten, dass sich die Band seit ihrer Gründung 1992 nie zur Aufgabe gemacht hat, stupide irgendwelche Klischees zu bedienen oder sich einem Genre zu unterwerfen. Das oberste Prädikat ist demnach nicht darin begründet irgendwelche clubtauglischen Klangmuster zu erfüllen, sondern vielmehr auf intelligenter Ebene elektronische Musik, fernab musikalischer Kurzlebigkeit, zu konzipieren. Sollte so in meinen Augen mit dem Vorgänger  Album "Northern Light" auch bestens funktioniert haben.

Für das neue Album hat das Trio gut drei Jahre Klangforschung betrieben und dabei schon fast fertige Songs noch einmal komplett ungeworfen. Wie der Nachfolger dazu im Detail aussehen soll, konnte man dabei vorab nur erahnen. Zuminest konnte jeder Einzelne insgeheim seine Wünsche hegen, die nach "Northern Light" für den geneigten Hörer wahscheinlich unterschiedlicher aussehen dürften denn je. Wenn ich dabei für mich spreche, waren die Erwartungshaltungen nach "Northern Light" gegenüber einem Album wie "United States Of Mind" wesentlich höher. Phasenweise hat mich das Album mit seinen ruhigen und entrückten Sounds zu sehr in den Bann genommen. 'Phasenweise' begründet darin, dass einige Songs aus diesem Muster ausbrachen und durch ihre, für mich, unglückliche Annordnung der Tracks, sich nur schwer einem Konzept unterstellten. Aber diese Empfindung eines sonst sehr guten Albums ist rein subjektiv. Ähnlich verhält es sich aber auch mit dem neuen Album und macht diesen Fehler nachstehend noch schwerwiegender.

Zu einfach und durchschaubar erweißt sich der Einstieg auf dem neuen Album und lässt die ersten Songs mit einem etwas bitterem Nachgeschmack zurück. Dabei versprüht ein "Ritual Noise", mit seinen geradlinig, treibenden Beats, den Charme eines Songs wie "Call The Ships To Port", was so nicht wirklich negativ auffällt, aber auch nicht unbedingt der Pflicht eines Openers gerecht wird.  Mit "Pulse" und "Happy Man" fährt man nachfolgend das Tempo wieder etwas herunter und präsentiert vor allem bei letzterem Song verspielte  Sounds auf einer monotonen Grundlage. Monotonie ist sowieso ein großes Schlagwort für Covenant, die sich vor allem wieder auf dem neuen Album zeigt, aber gleichzeitig auch beweist, dass diese keinen negativen Aspekt beinhalten muss. Zumindest  die zweite Hälfte des Albums weißt dahingend recht positive Züge auf. Zuvor steht dann aber doch noch der einängigste und gleichzeitig melodischste Song des Albums an, wenn man sich kurzweilen mit "Brave New World" im Synthie-Pop Terrain niederlässt.

Zwar wechselt die musikalisch eingeschlagende Richtung zur Mitte des Albums nicht grundlegend, fällt es aber schon auf, dass die Songs wesentlich mehr Ecken und Kanten aufzeigen. Insgesamt wird das Album dunkler und rauer in seinem Klangbild. "Sweet & Salty" ist dabei ein sehr monotones, von Techno-Einflüssen geprägtes Stück, welches vorallem von der mehr als gelungenen Vocal-Performance Eskil's profitiert, der hier sehr distanziert und kühl erscheint. Über den Dingen stehend und herabschauend, schlägt auch "Greater Than The Sun" in eine ähnliche Kerbe, bei dem sich ein eher zurückgesetzter knarziger Beat so langsam an die Oberfläche schaufelt. Und am Ende fällt deutlich auf, dass Covenant mit „Skyshaper“ mehr Gefallen am Techno gefunden haben, als vielleicht weiterhin unnötig, und vor allem uninspiriert, im Electrobereich vor sich hinzutümpeln. Wenn man dann kurz vor Schluss wirklich auf den Standpunkt steht, dass  Covenant hier vor kühlen und dunklen Geräuschkulissen nur so strotzen, belehren sie uns mit "The World Is Growing Loud" eines Besseren und setzen in einem sehr gefühlbetonten, atmosphärischen Song einen sehr warme Aktzent, der einem beinahe wie der erste Sonnenstrahl, nach einer frostig, klaren Nacht zu liebkosen scheint.



Tracklisting:

01. Ritual Noise
02. Pulse
03. Happy Man
04. Brave New World
05. The Men
06. Sweet & Salty
07. Greater Than The Sun
08. 20 Hz
09. Spindrift
10. The World Is Growing Loud

Interpret: Covenant
Titel: Skyshaper
Format: CD
Veröffentlichung: 03.03.2006
Labe / Vertrieb: Synthetic Symphony / SPV
Internet: www.covenant.se