De/Vision - Subkutan    

Die beiden Wahl-Berliner Steffen Keth und Thomas Adam scheinen sich seit geraumer Zeit in einem Stadium zu befinden, welches von innerer Zufriedenheit und persönlicher Ausgeglichenheit bestimmt wird. Diese Eindrücke treten zumindest von außen an einen heran, wenn man sich die Geschichte der Band vor Augen hält. Waren die Anfangstage des Dreigestirns, damals noch mit Bandmitglied Markus Ganßert, von Synthie-Pop Klangmustern geprägt, wagten sie Ende der Neunziger erste Experimente mit Einflüssen anderer musikalischer Bereiche, oftmals unter Zuwendung akustischer Instrumente. So brachten sie beispielsweise mit den aufeinanderfolgenden Alben "Void" & "Two" zwei gänzlich unterschiedliche Werke auf den Markt, die zwar ehrlicher hätten nicht ausfallen können, aber auch die Zerrissenheit innerhalb der Band wiederspiegelten. Zwischen diesen beiden Alben sollte es dann auch zum Split der Band kommen und zur Trennung von Bandkollege Markus Ganßert.

Mittlerweile schreiben De/Vision das 18. Jahr ihres Bestehens, lassen Vergangenes vergangen sein und vollenden mit "Subkutan" das vierte Album als Duo. Musikalisch gab es seitdem zwar keine schwergewichtigen Veränderungen, auch die von vielen gewünschten Experimente, blieben bis dato auf ein paar vereinzelte Songs beschränkt, kann man ihnen aber auch nicht vorwerfen irgendetwas falsch gemacht zu haben. So setzen sie unbeirrt ihren Weg fort, sich immer ein Stück weiter an die Perfektion intelligenter elektronischer Popmusik heranzutasten, was zwar mit dem im Sommer 2004 erschienenen Album "6 Feet Underground" fast nahezu gelungen ist, aber nun auch nicht unbedingt mit musikalischen Neuerungen umsich geworfen hat.

Und bei gleichbleibenden Niveau der Alben über Jahre hinweg, machen es einen De/Vision aber auch nicht einfach, ihnen aus den Weg zu gehen oder gar keinen Gefallen an der Musik zu finden. Steffen, Thomas und das Produzententeam Arne Schumann und Josef Bach wirken dabei sehr eingespielt und aufeinander abgestimmt. Fast schon reibungslos und ohne Hürden scheinen die Songs im Mikrokosmos-Studio Berlin ihren letzten Schliff zu bekommen, um darauf zu warten endlich das Licht der Welt zu erblicken.

"Subkutan", der neue Longplayer, setzt nun den Weg fort, welcher schon mit den vorhergenden Alben eingeschlagen wurde. "Subtronic", der Opener, zeigt dabei noch einen recht ungewöhnlichen, sehr clubtauglichen Einstieg und lässt mit seinen sparsam eingesetzten Vocals einen einmal mehr fragend und ohne jegliche Meinung zurück. Leichter dürfte da schon die Entscheidung bei "The End" ausfallen, welches auch zur Radio-Single auserkoren wurde und eher den Stil der Band repräsentiert. Dabei treffen griffige Hooklines auf ein noisig, elektronisches Gewand. Und ganz in der Tradition, wie man es von den beiden schon kennt, überstrapazieren sie einen nicht, mit immer gleichbleibenden Songs, so folgen Stücke die stets abwechslungsreich aneinander gereiht, ein sehr schönes Gesamtbild zeichnen.

Ob eher vetrackt und geheimnisvoll, wie "Star-Crossed Lovers" oder treibend sphärisch wie in "Addict". Mit "Still Unknown" und "No Tommorrow" verzeichnet das Album auch wieder zwei typische Balladen in bester De/Vision Manier. Letzterer ist dabei sehr ambient-lastig ausgefallen und versteht es mit seinen langen Instrumentalpassagen viel Platz für die eigene Gedankenwelt zu schaffen, bevor sich zu guter letzt Steffens Stimme nocheinmal erhebt und träumerisch dem Ende entgegenspielt. Liest man das Tracklisting aufmerksam weiter, wird man feststellen, dass sich auf dem Album nach zehn Jahren auch endlich mal wieder ein deutschsprachiger Song eingeschlichen hat, der in seiner ganzen Stimmung und seinem Auftreten mich etwas an "You're The One" vom Vorgänger Album erinnert. Bei aller Vorfreude erweißt sich dieser Song dann doch als recht schwierig und wird es auch nicht leicht haben, sich genauso zum Liebling zu erspielen wie einst "Endlose Träume". Einfacher wird es da schon "E-Shock" haben, das wohl elektronischste Machwerk der jüngsten De/Vision Dekade. Vocoder-verzerrte Vocals und ein immer wiederkehrender Refrain predigen eine Lobeshymne an elektronische Klangwelten und versprüht minunter Erinnerungen an so manch andere Electro-Kombo. Neben diesen Song versteht es außerdem "Not Made Of Gold" im letzten Drittel als vorletzter Song sich besonders ins Herz zu erspielen. Ähnlich wie "Take Me To Heaven", aber musikalisch eben ganz anders versiert, wagt man auf einer eher verspielten musikalischen Grundlage und sehr gefühlvolle Gesangsvariationen Experimente, wo man sich dann doch wieder wünscht, solche noch öfters wahrzunehmen. Was bleibt ist jedoch ein Album, was längerfristig auf Zuspruch treffen wird und auch wenn sich De/Vision vielleicht öfter noch an Experimente wie "E-Shock" oder das eben angesprochene "Not Made Of Gold" herantasten könnten, setzen sie den Meßlatte für andere Bands wiedererwarten sehr hoch und es bleibt ein Album zurück, bei dem man rundum ein gutes Gefühl haben darf.



Tracklisting:

01. Subtronic
02. The End
03. Star-Crossed Lovers
04. Addict
05. Obey Your Heart
06. No Tomorrow
07. Still Unknown
08. In Dir
09. E-Shock
10. My Own Worst Enemy
11. Not Made Of Gold
12. Summer Sun

Interpret: De/Vision
Titel: Subkutan
Format: CD
Veröffentlichung: 27.01.2006
Labe / Vertrieb: Drakkar / Sony BMG
Internet: www.devision-music.com | www.myspace.com/devisionmusic