"Snow
Borne Sorrow" ist das Ergebnis einer Kollaboration, bestehend
aus David Sylvian, seinem Bruder (ebenfalls ex-Japan Mitglied)
Steve Jansen und dem Kölner Elektronik Komponisten und Remixer
Burnt Friedman. Älterer Leserschaft dürften die zwei genannten
Mitbegründer des New Romantics ein Begriff sein, zeigte sich der
Schaffenszyklus dieser Personen jedoch nicht nur in jener Dekade
als diese Bewegung ihren Höhepunkt fand. Allen voran David Sylvians
Solowerke sorgten gerade in den letzten beiden Jahrzehnten immer
für ein lobendes Wort. Seine stimmliche Präsenz sollte sich auch
des öfteren in Zusammenarbeiten mit anderen Projekten wiedspiegeln.
Sicherlich hat er hier größtenteils der Fäden in den Händen, was
nach seinen Solowerken wie der Phoenix aus der Asche auf ersteigt.
Der Stempel 'Nine Horses' sollte jedoch nochmal verdeutlichen,
dass es sich hierbei um kein weiteres Soloalbum handelt, sondern
um ein Projekt, bei denen alle drei Musiker gleichermaßen ihre
Ideen mit einbinden.
Und diese Fusion dreier Komponente zeigt sich schon beim ersten
Durchlauf geglückt. Zwar erschließen sich die Songs noch recht
schwer und es bleibt wenig hängen. Es wird jedoch bei jedem Hören
mehr, die Songs werden transparenter und die musikalische Entdeckungsreise
erweißt sich nach mehrmaligen Durchläufen immernoch, als ein in
Faszination aufgehendes Hörerlebnis mit vielen Details. Zu einem
sind, wie schon erwähnt, drei Musiker am Werk die ihr Handwerk
schon seit Jahren verstehen und es genau an richtiger Stelle einsetzen
zu wissen. David Sylvians charismatischer Gesang und perfektes
Songwriting, Steve Jansens Sampleprogramming und Rhythmusgefühl
als Schlagzeuger, sowie zu guter letzt Burnt Friedmans Soundtüfteleien
als Klangvirtuose bei Nine Horses. Auf der anderen Seite stehen
aber noch eine ganze Reihe von Gastmusiker, die mit weiteren Zutaten
die Musik bereichern. Genannt seien hier die norwegische Trompeterin
Arve Henriksen, die schwedische Sängerin Stina Nordenstam und
Komponist Ryuichi Sakamoto, der hier seine Qualitäten am Klavier
mit einbringt.
Die Entstehungsphase von "Snow Borne Sorrow" liegt in der Zeitspanne
von 2001 - 2005. Eine Zeit in der sich die politische Lage der
Welt stark verändert hat. Diese Spuren sollen auch bei David Sylvians
Texten nicht ganz unbeeinflusst vorbeiziehen. So widmet sich gleich
der Opener "Wonderful Word" dem 11. September 2001. Hier wird
nicht nur vom Fall eines Wahrzeichens einer Stadt erzählt, sondern
auch der Fall von vielen Träumen, die Menschen gehabt haben und
von einer Minute auf die andere ausgelöscht wurden. Stimmlich
begleitet von Stina Nordenstam ist dieser Song ein seltsamer Opener,
der zwar unter dem Namen Nine Norses steht, aber musikalisch wie
eine Fusion aus Nine Horses und der schwedischen Sängerin daherkommt,
obwohl sie dem Stück nur ihre Stimme gibt. Begründet wahrscheinlich
darin, dass die Musik beider Projekte und Künstler nicht allzu
weit auseinanderliegt und somit wunderbar im Einklang liegt.
So geben Bläserinstrumente den Songs einen leicht jazzigen Touch,
welche mit dem prägnanten Gesang von David zu Höchstformen auflaufen.
Ein sehr warmes Zusammentreffen von vielschichtigen Songs, die
einen dann oftmals die Kehrseite mit kargen Klangbildern entgegensetzen
und immer wieder zu überraschen wissen. Ein Teppich aus knisternder
Eletronika und detailverliebter Soundspielereien machen das Werk
zu einem Klangerlebnis höchster Güte. Obgleich es auch mal rockiger
wie in "Darkest Birds" wird oder Ryuichi Sakamoto's Klavierspiel
Songs wie "Atom And Cell" in ein fast Ambient-artiges Gewand wiegt.
Die oftmals mehrminütigen Songs lassen für Liebhaber von David
Sylvian wohl keine Wünsch hoffen, auch Sympathisanten der anderen
involvierten Künstler werden hier mit Sicherheit ihren Zuspruch
finden. "Snow Borne Sorrow" ist anspruchvolle Popmusik und eines
der wohl besten Platten des ausklingenden Jahres, die ausschließlich
zum Zuhören und sich darin Verlieren geschaffen sind.
Tracklisting:
01. Wonderful World
02. Darkest Birds
03. The Banality Of Evil
04. Atom And Cell
05. A History Of Holes
06. Snow Borne Sorrow
07. The Day The Earth Stole Heaven
08. Serotonin
09. The Librarian
Interpret: Nine Horses
Titel: Snow Borne Sorrow
Format: CD
Veröffentlichung: 14.10.2005
Label / Vertrieb: SamadiSound
/ Galileo MC
Internet: www.ninehorses.com,
www.davidsylvian.com,
www.nonplace.de