
Sie
sind das deutlichste Beispiel dafür, dass Musik sich keiner Erklärung
unterwerfen muss. Dass Verständnis oder Nicht-Verständnis liegt
nicht in den Worten, welche uns dieses Quartett offenbart, sondern
vielmehr in ihrem Klangkonzept als Einheit und großes Ganzes. Musik
die sich einerseits auf Zehnspitzen fortbewegt und andererseits
mit einem gewaltigen Satz Mauern durchbrechen vermag. Sigur Rós
sind die genauste Dosierung von Gefühlen, bestimmt vom herzerwärmenden
Kulissen, traurig daherkommenden Melodien und von Wut gefütterten
Klanggewittern. Sigur Rós, dass sind Jónsi Thor Birgisson (Gesang,
Gitarre), Kjartan Sveinsson (Keyboard), Georg Holm (Bass) und Orri
Pall Dyrason (Drums). Und wie man allein an den Namen erkennen kann,
scheinbar nicht von dieser Welt.
Ihre Musik ist seit ihrem Zweitlinkswerk "Ágætis Byrjun" jedoch
ein großer Bestandteil dieser geworden. Überall verlieren und verlieben
sich Menschen in den Klangkosmos der Isländer. Sie schreiben Soundtracks,
gewinnen Videoawards, sind berüchtigt für ihre Live-Shows und obwohl
sich ihre Musik an keinerlei Regeln und Konzepte hält, verbuchen
sie mittlerweile einen enormen Erfolg, weltweit. Vier junge Männer,
die auf einen bisher beachtlichen Weg zurückblicken und sich ihres
Daseins erfreuen. Mehr denn je. Zeit, dem endlich ein Dankeschön
auszusprechen.

Mit
"Takk", was zu Deutsch soviel wie "Danke" bedeutet, tun sie das
auch. Der Optimismus und die Lebensfreunde der Band springt einem
nur so förmlich entgegen. Von Anfang an malen Sigur Rós mit den
Farben des Sommers und lassen uns von der erste Minute an dran teilhaben.
Es trägt den Anschein, dass sich in letzten drei Jahren viel getan
hat. Musikalisch sind die etwas schüchternen Isländern nicht ganz
so weit nach vorne gekommen, wie man sich das vielleicht erhofft
hatte, zumindest der Ersteindruck lässt dies erahnen, aber auf menschlicher
Ebene sprechen die Songs dann doch für einen Entwicklungsprozess.
Sigur Rós präsentieren sich in einer Art befreiter und souveräner
als auf den Werken zuvor. Haben sie mit ihrem letzten Album eine
Art Kreativspiel mit den Fans betrieben, in den sie einfach jeden
Song unbetitelt ließen, zeigt sich das neue Album dahingehend wieder
transparenter und legt die Karten ganz offen dar. Die selbsterfundene
Sprache Hopelandic ist dem Isländisch gewichen, alle Titel tragen
wieder Namen, Störgeräusche und verworrene Songstrukturen scheinen
fast wie weggeblasen, ja man erkennt so etwas wie jene Momente,
wo man gleich beim ersten Hören mitsingen und -tanzen möchte. Selbst
bezeichnen Sigur Rós ihr neustes Werk deshalb auch als ihr Rock
‚N Roll Album. Es mag befremdlich klingen, ist es am Ende jedoch
keineswegs.
Denn genau wie bei den Werken zuvor ist es Jónsi's Stimmorgan, welches
sich elfengleich, leicht zerbrechlich, über alle Songs hinweg erhebt.
Mit Präzision bearbeitet der schmächtige Frontmann indessen seine
Gitarre wie so oft zuvor mit einem Geigenbogen. Die Wartzeit zwischen
den Vorgänger "( )" und "Takk" scheint just in diesen Momenten fast
nichtig. Die Zeit steht still.
Jeder einzelne Song besticht durch eine abwechslungsreiche Instrumentierung,
für welche man sich auch wieder das isländische Quartett Amina ins
Studio holte und sämtliche Streicherparts und Percussions einzuspielen.
Es ertönen Glockenspiele, Bläserinstrumente, Chöre, Schlagzeug und
Klavier. Vor allem letzteres wird auf dem neuen Album sehr viel
Einsatz finden. Aber auch das Drumming zeigt sich das neue Album
diesmal recht ungewöhnlich arrangiert. Beide Instrumente haben großen
Anteil daran, dass die Songs sehr positiv erstrahlen und somit auch
dem ganzen Album einen recht optimistischen Grundtenor geben. "Takk"
ist wahrscheinlich auch das Album, welches am meisten Dynamik transportiert
und es fällt einem besonders schwer, sich diesem 65 minütigem Rockopus
zu entziehen. Wenn es auch oftmals sehr pathetisch klingen mag,
ein Sigur Rós Album in Worte zu fassen, wird mir wahrscheinlich
jeder beipflichtigen, der dem Klangkosmos der Isländer bereits verfallen
ist und dieses Album zum Pflichtkauf zählt. So gehören David Bowie,
Brad Pitt, Radiohead, Nine Inch Nails und Natalie Portmann, um nur
einige zu nennen, nicht erst seit gestern zu der Hörerschaft dieser
ausgewöhlichen, ja fast einzigartigen Band an. Takk!
Tracklisting:
01. Takk…
02. Glósóli
03. Hoppípolla
04. Með Blóðnasir
05. Sé Lest
06. Sæglópur
07. Mílanó
08. Gong
09. Andvari
10. Svo Hljótt
11. Heysátan
Interpret: Sigur Rós
Titel: Takk...
Format: CD
Veröffentlichung: 12.09.2005
Label/Vertrieb:
EMI
Internet:
www.sigur-ros.co.uk,
www.sigur-ros.is