Aswefall - Bleed   
Clément Vaché und Léo Helldèn haben wohl eines der kurzweiligsten Klangerlebnisse erschaffen, welches mir in letzter Zeit unter die Ohren gekommen ist. Kurzweilig in den Songs die sie vortragen und ebenso kurzweilig die Entstehungsphase des vorliegenden Kleinodes. So haben die beiden Franzosen erst im vergangenen Jahr zusammengefunden, um "Bleed" mit all ihrer Liebe zu füttern, Gastmusiker darauf zu involvieren um eben mal so ein kleines französisches Klangkonstrukt auf die große weite Reise zu schicken.

Vielleicht wird sich "Bleed" auf dieser Reise ganz und gar verlieren, am Ende sogar kapitulieren vor der Wirklichkeit, dem tristen Hier und Jetzt. Viel zu verträumt erspielen sich die Stücke auf ihrem Debut. Reduziert auf das Nötigste, um mit sparsam eingesetzten Arrangements große Dinge einzufahren. Ein Album was von den Gegensätzlichkeiten der Erfinder profitiert, Reminiszenzen vergangener Tage aufwirft und sich vor einer feinsortierten Auswahl musikalischer Größen ehrwürdig verneigt. So scheint es zumindest. Manchmal.

Dabei ist "Bleed" eigentlich viel mehr, als das reine Kopieren des schon mal Dagewesenen. Diesen eben, zu fälschlicherweise, gewonnenen Eindruck möchte ich an dieser Stelle nicht weiter untermauern, sollte auch nachfolgend der ein oder andere Bandname mehr fallen. Oftmals kann man eben nicht anders. Wozu auch unnütz nach Worten ringen, wenn sich vieles viel einfacher erklären lässt. Ebenso einfach zeigt sich auch die Musik von Aswefall selbst.

Auf ihrer Labelseite als Electro-Pop verschrieben, würde man dieser Band wohl unrecht damit tun, wenn man dies einfach aufrecht erhalten würde. Vielmehr pendeln die vorliegenden Stücke zwischen feinsten Folk in Songwritertradtion, Wave mit nostalgischen Anleihen und behutsam eingesetzter Elektronika. Zuständig für die elektronischen Nuancen bei den Stücken ist Clément Vaché, wohingegen Léo Helldèn seine Stärken dem Popbereich zuschreibt. Und dazwischen? Eröffnet ganz still und leise der Opener das Szenario, das von vielen Geheimnissen umgebene "Between Us". Zartbetonte Bass-Gitarren-Klänge und Mundharmonika bilden mit Daniella D' Ambrosio's Gesang, diejenige, die auch dem Projekt Nouvelle Vague die Stimme lieh, den roten Faden bei diesem ersten Stück. Träumerisch und von allem ungezwungen.

"As I Fall", der darauffolgende Track, wirkt da schon spielerischer. Elektronische Sequenzen eröffnen dieses Stück, welche schnell Ablösung von einer Bass-Gitarre bekommen. Er ist einer von vielen Stücken auf dem Album, der mehr oder minder instrumental arrangiert ist. Durch die Synthieflächen, welche der Gitarre in diesem Song gleichberechtigt gegenüberstehen, bekommt es gegen Mitte leicht den Charme der Band Air. Zumindest wird man phasenweise daran erinnert. Etwas dunkler, mit galoppierendem Rhythmus schlägt sich "Ride" nach vorn. Zum Schluss mit E-Giarren versetzt erinnert das Ganze an die Tage als Ian Curtis noch munter bei Joy Division die Saiten zupfte. Gesanglich findet man in diesem Song nicht viel. Wohingegen in "As I Fall" wenigstens noch ein Hauchen und einzelne Wortfetzen wahrzunehmen sind. Musik die wunderbar die Zeit zwischen einem Diskobesuch und dem zu Bettgehen füllt.

Ebenfalls ganz ohne Worte sollen die beiden nächsten Stücke ausfallen, wo sich wieder alles nur auf das wesentliche konzentriert. "Rocher" wirkt hierbei, mit seiner bewussten E-Piano Liedführung, wie ein musikalisches Zwischenspiel. "Youngeez" setzt dagegen auf die 80er Jahre und wäre wohl ein zielsicherer Track für die Titelmelodie einer Serie aus dieser Zeit. Nicht nur die musikalische Umsetzung bestärkt dieses Gefühl, auch der ganze Rhythmus wirkt anfangs sehr retrolastig und befremdlich. Bei "Game We Play", dem vorletzten Song geht es wieder etwas akustischer zu. Daniella D' Ambrosio und ihr musikalischer Gegenspieler Edo zelebrieren ein wunderbar schönes Duett. Der englisch/französischsprachige Gesang ist zum Schluss noch das besondere I-Tüpfelchen, bevor mit "Poussiére" letztendlich das Schlusslicht des Albums erklingt. Und eines macht es seinen Vorgängern gleich. Musikalisch stehen fast immer die gleichen Instrumente zu Wahl. Doch zu hören bekommt man etwas völlig anderes.

"Bleed" ist vielleicht kein Album was beim ersten Hören zündet, einem am Anfang sogar mit einer größeren Durstrecke ahnungslos blicken lässt. Es lohnt den Stücken dennoch etwas mehr Zeit zuzusprechen, wenn auch das Album sich im ganzen nur schwer entfaltet. Einige Momente wirken somit zwar gut umgesetzt, aber die einzelnen logischen Verknüpfungen zwischen den Lieder vermisst man etwas. Für die Zukunft sollte man sich somit einen roten Faden suchen, der hier, auf einem Album mit beinah schaurig schönen Songs, leider fehlt. Ein Debut was dennoch weit über die musikalischen Grenzen andere hinausgeht und so auch die Aufmerksakeit verdient. Weiterhin. In Zukunft vielleicht noch näher am Konzept.



Tracklisting:

01. Between Us
02. As I Fall
03. Ride
04. Take Me With You
05. Rocher
06. Youngeez
07. Game We Play
08. Poussiére

Interpret: Aswefall
Titel: Bleed
Format: CD
Veröffentlichung: 15.08.2005
Label/Vertrieb: Kill The DJ, Tigersushi / Alive
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