Phillip Boa & The Voodoclub - Decadence & Isolation   

Die Geschichte von Phillip Boa und seinen Voodooclub ist wahrlich eine Große die es zu erzählen gilt. Dafür versorgt uns der Altmeister deutschen Indierocks einfach schon viel zu lange mit seinen kunstvollen Kleinoden, schwebend, zwischen pathetischen Popperlen und rotzig scheppernden Geräuschkulissen. So heißt es in einem seiner Songs: „Making Noise Since 85“. Das sind zwanzig Jahre Musikgeschichte. Zwanzig Jahre, die über Höhen und Tiefen entschieden. Zwanzig Jahre regelmäßige Veröffentlichungen. Zwanzig Jahre und nur ein bescheidener Blick zurück.

So währte diesen Blick zurück, die schon im Frühjahr erschiene 5-Track EP „20 Years Of Indie Cult“. Alte Klassiker entstaubt im neuen Gewand, sowie erstmals zu Veröffentlichung freigegebene Songs. Ein Geschenk für die Fans sozusagen, als eine Best-Of im üblichen Sinne. Phillip Boa konzentriert sich da lieber auf neues Material und verspricht mit „Decadence & Isolation“ in der zweiten Jahreshälfte ein neues Album. Machen wir es ihm also gleich und richten den Blick nach vorn. So erscheint am 29. August ein weiteres Stück Zukunft um den Voodooclub und vielleicht auch der erste Haltepunkt der kommenden zwanzig Jahre.

„Decadence & Isolation“ ist kein, wie vielleicht anzunehmen, in sich gekehrtes Album, welches seine Kraft eher in ruhigen Songs sucht. Die Kraft und die Herausforderung liegt hierbei eher in sehr positiven Songs, welche stark nach vorne gehen und einem mit unendlicher Freude erfüllen. Wie die Freude über die Erinnerungen eines ausklingenden Sommerstages, während man mit nackten Füssen von Pfütze zu Pfütze springt und den lauen Regen über sich ergießen lässt.

Die Songs sind dabei keinesfalls seelenlosen Mutanten mit gleichgefälligen Texten, wer Phillip Boa kennt und liebt wird sich somit im Vorfeld von mir auch nur schwer täuschen lassen. So lebt in jeden seiner Stücke eine Geschichte, begleitet von Ironie, Satire, Witz und grausamer Wahrheit. Nur die Songtitel an sich zu lesen ist hierbei bereits eine unendliche Kost, welche Phillip Boa schon die Jahre zuvor mit einen Augenzwingern zu servieren wusste.

Einfacher, aber nicht minder von Bedeutung, fällt die musikalische Note aus. So bedarf es fast nur Strommusikgitarren, Schlagzeug und dem (Sprech)gesang Phillips, über welchem sich elfengleich die Stimme von Pia erhebt, die seit dem vorangegangenen Album, zur Freude vieler Fans, wieder mit an Bord ist.

Album Nummer 14 erspielt sich sehr geradlinig, wenn auch die Stücke ein paar Anläufe benötigen um im Ohr zu bleiben. Danach ist das neue Album jedoch zweifelsfrei ein Album, welches man immer wieder gerne mitpfeifen möchte, aber vielleicht auch dem einen oder anderen Bauchschmerzen bereiten könnte. So endet die Suche nach musikalisch verschrobenen Momenten leider sehr schnell in einer Enttäuschung, denn den rotzigen Unterton älterer Werke lässt „Decadence & Isolation“ etwas vermissen. So bleibt es also jedem selbst überlassen, ob er die Erinnerungen vergangener Tage zu den Sorgen von morgen macht oder einfach nur den Moment an sich genießen kann.

Und wenn Phillip Boa nach fast zwei Jahren wieder zum musikalischen Stelldichein lädt, ist es auch einer der seltenen Momente, wo man sich für Indie-Rock aus deutschen Landen gegenüber, der mittlerweile aus dem Boden sprießenden englischen Bands nicht schämen und Minderwertigkeitskomplexe einfahren muss. Die Momente voll auszukosten und zu genießen sind auf „Decadence & Isolation also vielfältig, es kommt eben nur darauf an was jeder selbst daraus macht.



Tracklisting:

01. Have You Ever Been Afraid
02. Decadence & Isolation
03. Making Noise Since '85
04. Burn All The Flags
05. The People I Saw Were No Angels
06. The Songs Of Life 1,2,3,4
07. 2 White Moths And A Black Cat
08. 21 Years Of Insomnia
09. And When The Magic Fades
10. God's Train
11. Intrique And Romance

Interpret: Phillip Boa & The Voodooclub
Titel: Decadence & Isolation
Format: CD
Veröffentlichung: 29.08.2005
Label / Vertrieb: Motor / Warner
Internet: www.phillipboa.de