Billy Corgan - The Future Embrace   
Oftmals ticken die Uhren eben ein wenig anders - Könnte man meinen wenn man das erste Soloalbum von Billy Corgan vernimmt. Es ist nicht wirklich etwas davon zu spüren, in Betracht auf den bedeutungsschwangeren Albumtitel "The Future Embrace", welcher da ganz frei übersetzt, soviel wie "Die Zukunft umarmen" oder "Die Zukunft festhalten" bedeutet. Letztendlich ist dieser Fakt auch völlig egal, trägt er aber doch noch mehr dazu bei, einem Verwunderung entgegenzusetzen, wenn man so die ersten Töne des Albums wahrnimmt.

Die Uhren laufen hier jedenfalls rückwärts. "The Future Embrace" setzt somit sehr stark auf den Charme von New Wave, überirdisch elektronischen Tendenzen und verzerrter, oft verschrobener Gitarrenästhetik Anfang 80er Jahre.

Hat man sich mit Zwan, dem Kürbiskopf Nachfolgeprojekt, aus dem Schaffen der Smashing Pumpkins entfremdet, sehr helle und farbenfrohe Songs erschaffen, so pflegt "The Future Embrace" mehr den Charakter, der wohl größten und innovativsten Rockband der 90er Jahre. Dunkle und dichtgewebte Songs, eine reichhaltige Portion Energie und Gefühl stecken in den Liedern, was man so vielleicht nicht erwartet hätte. Und wäre Billy Corgans Stimmorgan nicht unter Tausenden wiederzuerkennen, würde ich dieses Album wahrscheinlich nicht als jenes aufnehmen, was es eigentlich ist. Zwar besinnt sich Billy Corgan, wie schon erwähnt, nicht allzu weit von seinen musikalischen Wurzeln, bleibt der Überraschungsfaktor aber nicht aus.

So wird Freude und Hass, über die im Hintergrund galoppierende Drum-Machine, welche den Songs den Beat vorgibt, die Gemüter gleichzeitig erregen und zum kochen bringen. Und wer bei Smashing Pumpkins die elektronischen Spielereien zu schätzen weiß, wird sich auch sicher weniger daran stören, wenn der Synthesizer bei einigen Songs gänzlich das Saiteninstrument in den Hintergrund verbannt. Der schon viel angebrachte Vergleich mit Musik zwischen New Order und Joy Division ist daher auch nicht ganz abwegig. Es macht auf jedenfall großen Spaß, kraftvolle Songs wie "Mina Loy (M.O.H.)" oder "Dia" zuzuhören, welcher derart atmosphärisch daherkommen, die einem nach mehrmaligen Hören schon vergessen lassen werden, dass es vor ein paar Jahren eine Auflösung einer gewissen Band gab. Wer dennoch nicht vergessen kann, wird sich über die Zusammenarbeit mit Jimmy Chamberlin (Ex-Smashing Pumpkins) freuen können, welcher hier zumindest bei einem Song involviert wurde, am Ende jedoch auch nur ein kleiner Wermutstropfen ist, der über die Auflösung der Band hinweg tröstet.

Aber hat es sich Billy Corgan zur Aufgabe gemacht, alte Fans zu trösten? Sicher nicht! Somit sollte man "The Future Embrace" auch nicht unbedingt den Werken der Smashing Pumkins gegenüberstellen und krampfhaft versuchen Vergleiche heranzuziehen. Diese lassen sich nämlich nur bedingt finden und trüben das Gesamtbild, welches man von dem Soloalbum bekommt, eher negativ. Ebenfalls sollte man dem Ganzen keine großen Innovationssprünge zumuten, dem das Album mit Sicherheit nicht gerecht wird. Ein Fakt, welcher zur Zeit, vielerorts zur Zerrissenheit über das Album führt und die eigene Meinung mehr als schwarz färbt. Schade eigentlich.

Potential haben die Songs auf "The Future Embrace" allemal, um einen am Ende zumindest mit einem guten, sogar sehr guten Gefühl zu entlassen und mit recht feststellen zu können, dass das Soloalbum es mit vielen derzeit veröffentlichten Alben aufnehmen kann und somit alles andere als schlecht abschneiden muss. Stimmt nicht? Dann bitte weghören und den ganzen Glauben auf eine Re-Union der Smashing Pumpkins setzen.



Tracklisting:

01. All Things Change
02. Mina Loy (M.O.H.)
03. The Camera Eye
04. To Love Somebody (feat. Robert Smith)
05. A100
06. Dia
07. Now (And Then)
08. I'm Ready
09. Walking Shade
10. Sorrows (In Blue)
11. Pretty, Pretty Star
12. Strayz

Interpret: Billy Corgan
Titel: The Future Embrace
Format: CD
Veröffentlichung: 20.06.2005
Label / Vertrieb: Martha's Music / Warner
Internet: www.billycorgan.com