
"Wir sind eine neue Einheit, die sich frisch und vital fühlt. Wir bereiten uns
darauf vor, euch in Grund und Boden zu spielen" suggeriert uns Trent Reznor
im Angesicht über das neue Line-Up der Nine Inch Nails Familienmitglieder. Dabei
weiß der geneigte Hörer genau, dass Aaron North (Ex-Icarus Line), Joardie White
(A Perfect Circle/ ex-Marylin Manson), Jerome Dillon und Alessandro nur die
Adoptivkinder der Nine Inch Nails Familie sind. Denn Trent Reznor ist alleinstehend
und kocht die Suppe selber, welche er nach fünfjähriger Abstinenz und dem Doppelalbum
"The Fragile" immer noch gut zu würzen weiß. Da setzt man sich gerne zu Tisch
und bestellt Nachschlag. Und diesen Nachschlag lassen sich einige sicher gut
schmecken, war "The Fragile" einst als letztes Album angekündigt. Ja, wie so
oft. Warum soll es aber bei Nine Inch Nails auch anders sein als bei anderen
Bands.
Mit keinen geringeren als Foo Fighter Dave Grohl gesellt sich dann noch eine
weitere Größe hinzu. Für die Produzententätigkeiten gewann man Alan Moulder
(Depeche Mode, U2). Demnach bestehen beste Voraussetzungen um auch beim neuen
Album einen großes Werk zu erwarten. Nicht aber, wenn man da die ganzen Ankündigungen
zum Album gelesen hat. Poppiger soll es sein. Songorientierter sich zeigen.
Aber bevor man sich davon abschrecken lässt hört man sich das Ganze lieber selbst
an und verschafft sich einen Eindruck.

Der
Einstieg in "With Teeth" beginnt dabei sehr ruhig und klingt nicht wirklich
wie ein radiotaugliches Stelldichein. Schön so! Nachdem sich der etwas knarzige
Song mit dezenten Breakbeats drei Minuten in Rückhaltung übt, bringt das überleitende
Klavierspiel den Song überraschenderweise noch zum kippen und Herr Reznor lässt
ihn wesentlich aggressiver ausklingen als man das beim ersten Hören vermutet
hätte.
"You Know What You Are" soll diesen Aufbau dabei nicht gleich wieder zum Einsturz
bringen und setzt an der eben gewonnenen Aggressivität an. Das sind auch jene
Nine Inch Nails, welche ich so lange vermisst habe. Und doch. Bis zum fünften
Song des Albums, der vorab ausgekoppelten Single "The Hand That Feeds" zeigen
sich alle Stücke songorientierter als jemals zuvor. Die Komplexität älterer
Werke wird zwar nicht mehr ganz aufgegriffen, tut der Atmosphäre aber keineswegs
einen Abbruch. Ein wenig fehlen mir vielleicht die instrumentalen Klangpassagen,
innerhalb des Albums und innerhalb der Songs. Eine Ruhepause wird einem nicht
allzu oft gegönnt. Jedoch werden dabei zum Glück nicht alle Tugenden über Bord
geworfen. So kann man wieder gespannt darauf lauern, dass einen die Songs in
die Enge treiben, andere einem einen mächtigen Tritt in den Hintern verpassen.
Dabei klingt alles wieder sehr durchdacht in einem Gewand aus harten Gitarrenriffs,
zarten Klavierpassagen, wuchtigen Drums, Synthieflächen und elektronischen Details.
Ruhiger soll es aber dann doch werden. Glanzstück ist hierbei das so schön vor
sich hinwabbernde "Only" mit einer entzückenden Synthieline, welche einem geradewegs
in die 80er Jahre zurückkatapultiert, versehen mit dem musikalischem Verständnis
von heute. Ein weiterer Höhepunkt ist wahrscheinlich "The Line Begins To Blur",
dass sich so wunderschön im Dreck wälzt, ganz und gar darauf verzichtet artig
zu sein. Spätestens bei diesem Song merkt man dann auch wie schnell das Album
sich dem Ende entgegenspielt. Eine zweite CD, wie beim Vorgänger "The Fragile"
sucht man hier jedoch leider vergebens. Und bevor man in "Beside You In Time"
die Textzeile "..feel the little pieces bleeding trough..." vernimmt (was war
da nur?), die so wunderbar auf das zuvor gehörte passt, erklingen auch schon
die ersten Töne des letzten Songs des Albums "Right Where It Belongs". Der Gesang
von Trent Reznor rückt sich dabei erst zum Schluss so richtig in den Vordergrund,
zugleich er sich dabei im Bad der tobenden Menge ergießt und in hier vollkommen
aufgeht. Grandios!
Tracklisting:
01. All The Love In The World
02. You Know What You Are
03. The Collector
04. The Hand That Feeds
05. Love Is Not Enough
06. Every Day Is Exactly The Same
07. With Teeth
08. Only
09. Getting Smaler
10. Sunspots
11. The Line Begins To Blur
12. Beside You In Time
13. Right Where It Belongs
Limited Bonus Track:
14. Home
Interpret: Nine Inch Nails
Titel: With Teeth
Format: CD
Veröffentlichung: 02.05.2005
Label / Vertrieb: Interscope /
Universal
Internet:
www.nin.com