
Weit ins Meer hineinreichende Fjorde, große Wellen die gegen die Ufer schlagen
und eine Band die erneut ihr Boot auf Kurs bringt und gegen den Sturm ankämpft.
Die Reutlinger machen es einem einfach unmöglich keine Bilder zu ihrer Musik
im Kopf entstehen zu lassen und Geschichten vor sich zu sehen.
Aber eines vorweg: Wenn ich bei Diorama schon im Plural spreche, sollte ganz
klar, anfangs geklärt sein, das Kopf & Mastermind Torben Wendt auch beim neuem
Album Zuwachs zu verzeichnen hat und das vierte Diorama Mitglied vorstellt.
Merkwürdigerweise bringt dabei jede Albumveröffentlichung jemand Neuen hervor.
Gestartet als Soloprojekt ist "Amaroid" folgerichtig nun auch Album Nummer Vier
und reiht sich damit neben nicht ganz unerfolgreiche Alben, die dem neusten
Werk vorausgingen. Es erweißt sich also als eine schwierige Angelegenheit, den
Vorgängern noch eines draufzusetzen und Fans davon zu überzeugen weiterhin die
Fahne für diese Band hochzuhalten.
Der stetige Wachstum der Hörerschaft von Diorama liegt sicher nicht nur darin
begründet, dass sie bisher immer, ohne große Kreativpausen, welche bei vielen
Bands schon mal Jahre dauern können, kontinuierlich an ihrer Musik gearbeitet
haben und mit Alben präsent waren. Nein, auch in punkto Klangqualität und Songschreiberischen
Fähigkeiten haben sie einen nie den Eindruck vermittelt auf - Teufel komm ´raus
- Musik zu kreieren. Und es scheint fast so, dass Diorama wirklich keine Kompromisse
eingehen und nach außen hin, alles wie ein perfektes Kleinod erscheinen lassen.
So sind die inhaltlichen Themen der Songs nicht minder von Bedeutung als die
Musik selbst. Eine völlige Abkehr von Vernunft und Logik ist hierbei die Quintessenz
des Konzeptes, welches sich auf "Amaroid" darlegt. Eine Reise in sich selbst,
in die Unendlichkeit. Vorerst wird aber dennoch die Musik darüber entscheiden,
ob Diorama den Zuschlag bekommen oder nicht.
So spielt auch ihr Mut, sich an neuen Sounds zu probieren einen entscheidenden
Faktor. "Amaroid" ist dafür sicher wieder ein Beispiel, wenn man auch völlige
180 Gradwanderungen vermeidet, vielmehr versucht an dem letzten Longplayer "The
Art Of Creating Confusing Spirits" anzuknüpfen und die Musik stets mit neuen
Klangfarben bereichert. Die größte Erweiterung im Soundgefüge spielt auch die
Gitarre, welche sich zwar nicht aufdrängt, aber bei dem ein oder anderen Stück
seine Anwendung findet. Es sind jedoch noch andere Kleinigkeiten die diese Musik
so groß machen. "Amaroid" klingt weitestgehend sehr frisch, man bewahrt einen
zum Glück vor abgegriffenen Klängen und weiß die Musik mit liebevollen Details
zu versehen.
Prägend der älteren Veröffentlichungen war auch stets das ausgewogene Zusammenspiel,
zwischen schnelleren und ruhigeren Klangpassagen, zwischen progressiven und
balladeskeren Momenten, so dass "Amaroid" dahingehend keine Ausnahme machen
wird. Fast schon lupenreine Synthie-Pop Klänge schmeicheln einem mit "Friends
We Used To Know" ins Ohr, wohingegen "The Girls" sehr wuchtige und progressive
und Klänge aufzuzeigen weiß. "Helmets Down" wirkt da schon bedenklich ruhig
und auch dass eher fragmentarisch anmutende "Unzerstört" bringt leisere Töne
zum Vorschein. Was dabei immer wieder Hochachtung verdient und mir schon auf
dem Vorgänger positiv ins Licht fiel: Trotz dessen, dass sich viele Songs auch
recht gut auf der Tanzfläche machen würde, verlieren sie nie an Niveau oder
wirken zu arg glatt arrangiert. Dabei möchte ich aber noch hinzufügen, dass
"Amaroid" trotz seiner etwas tanzbareren Momente für mich dennoch mehr das Album
für zu Hause ist. Bei dem man einfach ganz gerne zuhört, sich seine Gedanken
macht und Geschichten in den Sinn kommen: Über das Meer und über große Wellen
die gegen die Ufer schlagen...
Tracklisting:
01. Logic Friend
02. The Girl
03. Dear Brother
04. Helmets Down
05. Friends We Used To Know
06. Someone Dies
07. Random Starlight
08. Prozac Junkies
09. Unzerstört
10. Champagne For All
11. Odyssey Into The Vacuum
12. I Hear The Drums
13. Two Boats
Interpret: Diorama
Titel: Amaroid
Format: CD
Veröffentlichung: 04.04.2005
Label / Vertrieb:
Accession
Records
Internet:
www.diorama-music.com