Spätestens nach einer Minute hat man endlich die Gewissheit, dass es sich bei
dem eben eingelegten Langspieler um das neue Resultat von Maximilan Hecker handeln
muss - sehr zart und leise bohren sich die ersten Klaviertöne in die Gehörgänge
und zeigen sich dabei in ihrer klarsten Form. Wie sein heißgeliebtes Tasteninstrument
spielen aber auch Gitarre und Cello eine bedeutende Rolle, wenn der Ausnahmekünstler
zu seinem nunmehr dritten Werk einlädt und dabei ganz große Popmusik fabrizieren
möchte.
Und zu Recht spielt der Kitty Yo Künstler eine Ausnahme, liest sich sein musikalischer
Werdegang doch recht unglaubwürdig und erfunden. So mauserte er sich vom Straßenmusiker
in kürzester Zeit zum vielgelobten Medienliebling. Wenn auch anfangs etwas belächelt,
werden seine Songs nicht nur hierzulande positiv aufgenommen, so ist man schon in anderen Ländern darauf gekommen, wie schön es doch sein kann einfach nur traurig zu sein.
Und dieses Gefühl gibt einem Maximilan Hecker schon seit seinem Debut "Infinite
Love Songs" mit auf die musikalische Reise. Nicht ohne Grund kürte der Musikexpress
daraufhin dieses Album zur "Tränen Pop Platte des Jahres". Hätte man geahnt,
dass auch CD Nr. 3 in Folge diese Stimmung einfängt und nicht davon ablässt?
Aber sei es drum. Man muss sicher nicht manisch depressiv sein um dieser Musik
zu verfallen. Man darf Maximilian Hecker nur einfach nicht immer ganz so ernst
nehmen, wenn er davon singt sterben zu wollen, wie er es in "Dying" vollzieht.
Dafür ist es Musik! Dafür ist es eine Art seinen Gedanken freien Lauf zu lassen,
wie andere eben ein Buch schreiben oder ein Bild malen. Und wenn er davon singt
sterben zu wollen, möchte man sich am liebsten schon in einer Narkose befinden
um sich schwebend in "Lady Sleep" einzubetten.
Halten wir also noch einmal fest: Wie schon auf seinen Vorgängern zeichnet sich
auch "Lady Sleep" durch balladeske Stücke aus. Sehr ruhig und fast schon schwebend
kommen die Songs daher, wie man das auch schon von älteren Stücken gewohnt ist.
Was auffällt, dass wesentlich weniger Experimente gewagt werden und somit auch
die elektronischen Spielereien von "Rose" ganz wegfallen. Man nähert sich wieder
mehr dem ersten Album und wenn man in Songs wie "Help Me" eine Reminiszenz zu
Sigur Rós sieht, welchen Maximilian Hecker eine große Hochachtung gegenüberbringt,
zeigt man in "Yeah, Eventually She Goes" das auch andere musikalische Bereiche
wahrgenommen wurden - recht rockig und rotzig tritt man hier auf, wenn man den
Song anderen Stücken gegenüber stellt.
Fazit: Die Rückbesinnung, welche Maximilian Hecker auf dem neuen Album vollführt,
haben sich sicher einige gewünscht. Jedoch fehlen dem neuen Album wirklich große
Stücke, welche einem auch auf längere Zeit im Gedächnis bleiben. Zwar wird man
hier wunderbar eingefangen und findet sich in träumerischen Songs wieder, jedoch
passiert dieser Ausflug nur für diesen Moment. Ob es für die Ewigkeit reicht
wage ich zu bezweifeln...
Tracklisting:
01. Birch
02. Anaesthesia
03. Summer Days In Bloom
04. Daze Of Nothing
05. Everything Inside Me Is Ill
06. Full Of Voices
07. Help Me
08. Snow
09. Dying
10. Yeah, Eventually She Goes
Interpret: Maximilan Hecker
Titel: Lady Sleep
Format: CD
Veröffentlichung: 24.01.2005
Label / Vertrieb: Kitty Yo
/ Pias
Internet: www.maximilian-hecker.com