Mit ihrem letztjährigen Debüt konnten Human Decay für Aufmerksamkeit bei Online-
sowie Printmagazinen sorgen, die sich in positiven Kritiken äußerte und auch
die Freunde vielseitiger Elektronik flächendeckend erreichte. "Perfect Visions"
hieß dieses Werk voller komplexer Ideen und wird nun von "Disbelieve" gefolgt,
welches mindestens genau so verspielt und erfrischend daherkommt.
Im Intro mündet das beschleunigte Ticken in einem Meer aus Spannung, welches
durch Breakbeats in "Stagnant" übergeht. Der Beat wird nicht in den Vordergrund
gestellt und dient vielmehr der Unterstützung von atmosphärischen Sounds, die
sich, komplex arrangiert, in das Gehirn graben. "Workerboy" geht mit organisch
klingenden Drums und schwebenden Flächen in eine treibende Richtung. Angenehme
Sequenzen und ein durchschlagender Beat schielen Richtung Club, ohne austauschbar
zu klingen.
Obwohl
der Song extrem tanzbar ist, wird eine Vielzahl an Ideen nicht vernachlässigt.
Es ist gerade die Balance zwischen Club und Kopfkino, welche Human Decay und
speziell diesen Track ausmacht. Man begibt sich zwangsläufig auf eine Suche
nach Sounds und Rhythmen, die sich einem mehr und mehr erschließen. Nach einem
relativ temporeichen Auftakt wird es bei "Modern Preacher" beschwörend ruhig.
Erneut erfreuen Breakbeats das Gehör, welches ergänzend durch wundervolle Synths
Eleganz erfährt. Violinen-Sounds versprühen eine verzückende Melancholie, die
so sanft wie wohltuend ist. Die Vocals sind angenehm und weitestgehend nicht
modifiziert, was die Echtheit im Sound von Human Decay unterstreicht. "Solitude"
wird durch noisige Sounds eröffnet und entwickelt sich nach einem Break in ein
sphärisches Werk, wobei die Stimme den Soundteppich zusammenhält und ihm den
roten Faden verleiht. Teilweise entrückt von dieser Welt erscheinen seltsame
Wesen, die uns trotz ihrer ungewohnten Art ein Gefühl von Geborgenheit offerieren.
Zum Abschluss gibt es zwei Remixe von Mnemonic und Plastic, welche die Klänge
von Human Decay stimmig erweitern. Mnemonic überzeugen auch hier durch komplexe
Arrangements und geben "Workerboy" eine beklemmende sowie lauernde Atmosphäre.
Bei der Bearbeitung von Plastic erstrahlt "Disbelieve" mit träumerischen Flächen
und steigert sich mit Hilfe von betörenden Sequenzen in einen Song, der in den
Clubs für Aufsehen sorgen kann. Eine markante Synth-Melodie und zielstrebige
Beats unterstützen den Gesamteindruck, der antreibend direkt in die Beine geht.
Das Zweitwerk von Human Decay ist eine absolut überzeugende Weiterführung von
"Perfect Visions", die in sich geschlossener ist und trotzdem die nötigen Feinheiten
mit sich bringt. "Disbelieve" ist erfrischend und neigt dazu, für Wochen nicht
mehr aus dem Player verschwinden zu wollen. Für mich ein strahlender Stern am
Electro-Himmel 2004.
Tracklisting:
01. Intro
02. Stagnant
03. Workerboy
04. Disbelieve
05. Reduplication
06. Modern Preacher
07. Anti-Fate
08. Solitude
09. Another Way
10. No
11. Workerboy (Remix By Mnemonic)
12. Disbelieve (Pagan Dance Mix By Plastic)
Interpret: Human Decay
Titel: Disbelieve
Format: CD
Veröffentlichung: 15.11.2004
Label / Vertrieb: Accession
Records / Indigo
Internet: www.humandecay.de
Autor: Daniel Leckert