Fragen über Sinn und Unsinn wollen einem dann doch nicht in Ruhe lassen, bei
der wohl überraschendsten Veröffentlichung im ausklingenden Jahr 2004. Ob hier
wirklich die dringende Notwendigkeit besteht, schon längst aufgegriffene musikalische
Spielarten, die schon teils in diversen Projekten beleuchtet wurden, wieder
neu zu beleben, anders in Szene zu setzten und zu dosieren, um daraus ein völlig
neues Konstrukt zu formen, bleibt noch ungeklärt - ist es aber Wert der Antwort
nachzugehen...
Genauer informiert, handelt es sich bei dem nachstehenden Projekt, welches Mitte
des Jahres schon mit einem Samplerbeitrag in Erscheinung trat und jetzt plötzlich
vom Himmel fällt, um eine deutsch/finnische Kollaboration zwischen Daniel Myer
und zwei weiteren Mitstreitern. Die erste Instanz bei diesem Trio hat sich in
den vergangenen Jahren schon öfters einen Namen im elektronischen Bereich gemacht,
wenn es heißt mit allen Genres der Elektronikmusik auf Tuchfühlung zu gehen
um Grenzen einzureißen und Schubladendenken abzulegen. Zuletzt geschehen beim
Projekt Architect, einer Mixtur aus Noise, Ambient & IDM.
Anders werden jedoch die Wände bei Destroid gestrichen. Sein neues Zuhause zeigt
sich zwar in der Gestaltung ebenso farbenfroh wie schon vorangegangene Projekte,
nur wird hier mit wesentlich dunkleren Farben gearbeitet, wie auch schon der
erste Blick auf das CD Cover vermuten lässt.
Im Vordergrund der neuen Herberge stehen sich Spielarten wie Electro, EBM &
Future Pop gleichwertig gegenüber. Wenngleich Destroid zu altbewährten Sounds
greifen, fehlt ihnen dennoch nicht das Gespür den Raum mit Frischluft zu versorgen
und sich an neuen Klängen auszuprobieren. Ja, da mögen jetzt einige aus ihrem
Sessel empört aufspringen, um kontra einzulegen, dass es das schon vor 20 Jahren
zu hören gab.
Zu
Anfang wird einem mit harscher Industrial Rhythmik im alarmierenden Electrogewand
die Zahnspange wieder zu Recht gerückt - "Soul Asylum" fegt einem um die Ohren.
Und auch den nachfolgenden Tracks stehen dem Opener in nichts nach, zwar zeigen
sich die Songs teilweise flächiger und atmosphärischer, arbeitet man aber auch
hier hauptsächlich mit stark verzerrten Vocals. Eine erste Vorliebe von Destroid
lässt sich nun auch erkennen, in dem man die Songs mit vielen Sprach- & Filmsamples
versieht. Wie auch gleich zu Beginn des vierten Tracks "Into The Deepest Dark",
welches bis hierhin das wohl eindringlichste Stück darstellt und mit seiner
Tiefe und Klangfülle eine atemberaubende Atmosphäre erzeugt, der man sich nur
schlecht entziehen kann und will. Und so steigt das Tempo erneut, um beim nächsten
Song wieder abzufallen, ständig im Pendel befindet sich auch der Härtegrad der
Songs, sodass Langeweile erst gar nicht aufkommen mag. Einfach zu überraschend
sind Tracks wie "Sir William", welche man so nicht erwartet hätte und man hier
alle Merkmale einer Ballade aufzeigt und dieses Gefühl im nächsten Song wieder
zu zerstören. Vielschichtigkeit wird hier großgeschrieben und bei allen Seitensprüngen
in andere Gewässer der elektronischen Musik, durchzieht "Future Prophecies"
dennoch ein roter Faden der einem wenigstens etwas Orientierung verleiht. Am
Ende steht mit "Future Prophecies" ein Album ohne jegliche Einschränkungen
und sich hervorragend dazu eignet den Tanzgelüsten nachzugehen oder einfach
nur munter Gemüse kleinzuhacken. Einfach ein großartiges Werk zum Schluss
des Jahres!
Tracklisting:
01. Soul Asylum
02. Denial For Life
03. Broken And Abused
04. Into The Deepest Dark
05. Contamination
06. Judgement Throne
07. Sir William
08. Rising Souls, Mr. Lucifer
09. Passion
10. Existence
11. ... I Still Continue
12. Bullet In Your Head
13. Bonewhite Light
Interpret: Destroid
Titel: Future Prophecies
Format: CD
Veröffentlichung: 25.10.2004
Label / Vertrieb: Out Of Line
/ SPV
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