Backlash - Heliotrope   

Nachdem man vor zwei Jahren auch hier in Deutschland in den Genuss der schwedischen Band und ihrem Debut Album "Impetus" kam, hegte ich mit großen Erwartungen dem Zweitlingswerk entgegen. Heißt es doch immer, dass dies das Schwierigste sei – es dem Erfolg des ersten Werkes gleichzutun und auch auf musikalischer Ebene den Ansprüchen wieder gerecht zu werden ohne sich in Wiederholungen zu zeigen. Als bestes Album 2001 des skandinavischen alternativen Musik-Preises benannt, stieß man hierzulande leider auf taube Ohren und "Impetus" traf das Schicksal vieler anderer, im Flute der Veröffentlichungen nur wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Womit wir uns also ausschließlich dem Faktor Musik zuwenden können. Vorher aber noch ein Blick in die Vergangenheit...

Gegründet durch Oskar Lygner, Niklas Lundquist und Erik Torstensson, 1998 in Lidköping / Schweden, verlief der Weg rückblickend etwas holprig. Dass die erste EP "EP1" nur mit instrumentalen Songs auskommen musste, ist daraufhin zurückzuführen, dass Sänger Erik noch während den Aufnahmen, die Band verließ um sich in anderen Projekten auszutoben.

Ersatz fand man jedoch schnell in Sängerin Malin, welche die klanglich sehr dichten und facettereich konzipierten Songs des Debut Albums mit ihrem Vocodergesang untermalte und für mich der Grund gewesen ist, sich in einer Männerdominierenden Musiklandschaft mit Neugierde an diese Band heranzuwagen. Und von Enttäuschungen sollte sich diese Neugierde nicht zeigen, schleichen sich heute die Songs noch voller Magie in die Gehörgänge ohne ein Gefühl der Sättigung zu erfahren.

Mindere gesangliche Live-Qualitäten bedeuteten jedoch Ende 2003, das Aus für Sängerin Malin Anderson. Schade, denn "Impetus" lebte nicht zuletzt durch sie und ihren Gesang. Fortan soll sich nun wieder Erik für diese Rolle verantwortlich sprechen. So springt man ab sofort auch in das Becken vieler sich darin tummelnden Synthie-Acts und bestreitet den Weg auf dem neuen Album mit männlichen Vocals. Eine Faszination weniger, was Backlash ausmacht?

Vielleicht! Aber wäre es wohl wahrscheinlich zu einfach, sich dem Werk entgegenzustellen uns sich nicht damit zu beschäftigen. Denn wenn auch der Nachfolger "Heliotrope" ohne Malin auskommen muss, so ist Erik nicht die schlechteste Wahl die man hätte treffen können, wenngleich das Gefühl, was die Songs auf dem ersten Album mit sich brachten nicht mehr ganz so intensiv ist. So lebt der Nachfolger von wesentlich weniger Ecken und Kanten, welche sich um das, wieder sehr für Backlash typisches Klanggerüst hüllen. So schleichen sich zwar wieder einige Störgeräusche und überfrequenzierte Sequenzen in das Klangbild der sehr ausgereiften Synthie-Pop Songs, vermisst man aber Ausflüge in andere Bereiche, wie man dies zum Beispiel durch Breakbeats oder andere musikalische Waben auf "Impetus" vielfältiger gesponnen hat und mit mehr Offenheit präsentierte. Dieser Abwechslungsreichtum mag zwar mit "Heliotrope" etwas verloren gegangen sein und übe ich mich etwas kritischer an der neuen CD, so strahlt sie dennoch aus der Masse des stark florierenden Synthie-Pop Sektors hervor.

Im Großen und Ganzen sind Backlash ihren Stil treu geblieben und ihr markanter Stil ist sofort wieder zu erkennen. Erik schließt sich wundervoll in diese Melange aus frischen Blubber-Sounds und flockigen Synthie-Rythmen ein. Abwechslungsreicher war "Impetus" auf jedenfall und bestimmt auch ruhiger. Obwohl Backlash keine hektischen Future-Pop Stücke auf die Beine stellen und sich in Bässen verhüllen, geht "Heliotrope" ein Stückchen mehr voran. Backlash erspielen sich irgendwo in der Nische von Synthie-Pop und Electroclash, ohne dabei großartig Neues zu kreieren und dennoch die Messlatte weit nach oben zu halten.

Am Ende lässt sich festhalten, dass es mit Sicherheit keine Enttäuschung ist, man sich jedoch von "Impetus" mitgerissener gefühlt hat. Im Vergleich zum Vorgänger wird "Heliotrope" ein paar Minuspunkte einstecken müssen, im Vergleich zu ähnlichen Acts liegen sie aber weit voraus. Ein Album dem man gerne zuhört. Hoffe, dies merkt man auch über dem Synthie-Pop Sektor hinaus. Geben wir uns aber damit zufrieden, wenn diese Band schon dort ein wenig mehr Aufmerksamkeit erfährt.



Tracklisting:

01. Lodestar
02. Heliotrope
03. Pin Me Down
04. The Wrench Of Parting
05. Purity For A Sinner
06. Hiactus 3
07. Hunt
08. Keep Throwing It Away
09. Splinter
10. Unconsciously Astray
11. Shiver

Bonustracks:

12. Lodestar (Grass Clipper Mix)
13. Hunt (Orbital-Remix By Reactivate)
14. Splinter (Radio Version)

Interpret: Backlash
Titel: Heliotrope
Format: CD
Veröffentlichung: 16.08.2004
Label / Vertrieb: Memento Materia,SPR / Indigo
Internet: www.impetus.nu