
Der Vulkan brodelt wieder! Und wieder zeigt Island einmal mehr auf kreativer Ebene
das Zepter in der Hand zu halten. Auf der kleinen Insel scheinen die Uhren sowieso
ein wenig anders zu ticken und gewisse Dinge einen anderen Lauf zu nehmen. Es
ist schon beachtlich und im Vergleich, gemessen an den Einwohnerzahlen hierzulande,
wie viele kreative Bands in den letzten beiden Jahrzehnten ihren Ursprung in Island
fanden und dabei ein enormes Potential an Eigenständigkeit aufweisen, ob dies
nun in den Achtzigern beginnend, mit den Sugarcubes über die Neunziger hinweg
mit Gus Gus, Björk und nicht zuletzt mit Múm und Sigur Rós.
Ganz sicher, dass diesen Künstlern ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit mehr zugesprochen
werden sollte. Gerade Björk und Sigur Rós haben zwar ihren Platz in der Musikgeschichte
sicher, wird aber über ihnen wohl immer dieser Hauch von Independent schweben.
Im Kreise dessen, wird man zweifelsohne bald auch Slowblow aufnehmen dürfen. Es
existieren nicht viele Infos über dieses sonderbare Duo, welches von Múm bewundert
wird, schon über zehn Jahre hinweg gemeinsam musiziert, bereits von Bands wie
Cocteau Twins gecovert wurde und im Jahr 2004, im Zeitalter aller technischen
Möglichkeiten ein Debut Album veröffentlicht, was so gar nicht in diese Welt passen
will.

Distanziert
von klanglich überproduzierten Soundlandschaften, fliehen sich Slowblow in eine
Welt, welche einem wie ein eben gedrehtes Märchen vorkommen mag, in dem noch alle
Handlungen offen liegen. Beim ersten Hören ist man nur Gast, betrachtet das ganze
Szenario von weiter Ferne und begibt sich erst nach mehrmaligem Hören in diese
wundersame Welt voller akustischer Raffinessen, zwischen Paukenschlag, Feuerwerk
und tropfendem Regenwasser, welches langsam die darunter stehenden Blecheimer
füllt. Aufgenommen um in Baderäumen oder Wohnzimmern abgespielt zu werden, klingt
die Musik auch ebenso in solchen Orten aufgezeichnet wurden zu sein. Slowblow
lässt sich auf jedenfall als nächster Geburtstagswunsch nennen, sollten einem
oben genannte Künstler wie Múm oder Sigur Rós nicht abwegig
erscheinen.
Mag sein, dass hierbei ein wenig Naivität das ganze Dasein füllt, vielleicht auch
eine übergroße Liebe zur Musik, so dass die beiden nicht von alleine darauf gekommen
wären dieses Album der Welt zu offenbaren. Bisweilen bin ich mir auch noch unschlüssig,
ob man "Slowblow" gemeinsam, im Kreise einiger Freunde zu sich nimmt oder sich
isoliert in sein Kämmerchen zurückzieht, während man dieser seltsamen Popmusik
lauscht. Wahrscheinlich ist es ein Zwischenspiel von beiden, in das man sich bei
Slowblow immer wieder hineinbegibt. Akkordeonklängen zum mitschunkeln, tieftraurige
Violinen und Bass Eskapaden, rotzige Gitarreneinlagen, sowie Pfeifengesang und
Handklatschen sind nur ein paar der Beispiele, des kurzen akustischen Klangausfluges,
bei dem ein Anrufbeantworter wohl das einzige elektronische Hilfsmittel darstellt.
Ein weiteres großes Highlight ist die Verpackung der CD, welche nicht wie üblich
im Digipak oder Jewel Case erscheint, sondern in Form eines Buches gestaltet ist
und zeigt, dass diese Band mit Attributen wie Liebe und Sorgfalt umzugehen weiß,
als schnell mal eine CD zu veröffentlichen. OK, hat ja nun auch zehn Jahre gedauert....
Tracklisting:
01. Very Slow Boosanova
02. I Know You Can Smile
03. Within Tolerance
04. Second Hand Smoke
05. Happiness In Your Face
06. Aim For A Smile
07. Cardboard Box
08. Dark Horses
09. Hamburger Cemetary
10. Phantom Of My Organ
Interpret: Slowblow
Titel: Slowblow
Format: CD
Veröffentlichung: 07.06.2004
Label / Vertrieb: Fat Cat
Recods / Mobile Rec.
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