Skinny Puppy - The Greater Wrong Of The Right   
Wie viele Kinder wurden in den letzten Jahren eigentlich schon auf diese Welt losgelassen? – unzählige Projekte aus der Familie Skinny Puppy traten ans Licht, bei denen es ein Minimum an Konzentration bedarf, um eine lückenlose Auflistung hinzubekommen! Die Luft sollte man sich jedoch für die nun anstehende Veröffentlichung sparen, da dies bei einem solchen Comeback erst mal zweitrangig ist.

Schön, dass man sich nach der langen Zeit wieder dem Muttertier zuwendet, auch wenn dies wohl viele nicht mehr geglaubt hatten. Die seit 1983 agierende Band gehört neben wenigen anderen Mitstreitern zu den Wegbereitern alternativer elektronischer Musik. Im kanadischen Vancouver durch cEvin Key und Nivek Ogre gegründet, hatte auch Bill Leeb (Frontline Assembly) ein kurzes Auftreten in der Band, welcher sich später Dwayne Goettel anschloss und die Formation komplettierte.

Und Skinny Puppy wären nicht Skinny Puppy, hätte sich ihr damaliger Weg in monotonen Electrosongs gezeigt. So waren ihre Songs schon zu Anfangszeiten von vielschichtigen Ebenen geprägt und hielten stets die Balance zwischen Experimenten und ausgewogenen druckvollen Stücken. Eine exzessive Melange aus Punk & Electro prägten somit viele Jahre der Band.

Nach mehreren Alben und berüchtigtenden Live-Auftritten sollte sich die Geschichte der Band vorerst mit dem letzten Album 1996 schließen. Kurz vor der Fertigstellung des Albums "The Process" starb Dwayne Goettel an einer Überdosis Heroin, was letztendlich neben weiteren Faktoren zum endgültigen Split der Band führte.

"The Greater Wrong Of The Right" heißt nun der verheißungsvolle Titel nach mehr als acht Jahren Pause. Blut geleckt hat man erstmals wieder beim Dresdner Doomsday Festival im Jahre 2000, der Re-Union Show der beiden Übriggebliebenen. Ausgestattet mit neuem Tatendrang und der Erkenntnis, dass die Band längst nicht Tod ist und offensichtlich noch wunderbar zu funktionieren scheint, haben sie aber auch lange auf sich warten lassen, neues Material zu veröffentlichen. Lauter wurde die Gerüchteküche erst im letzten Jahr, als man den Soundtrack zum Film "Underworld" beisteuerte und kurze Zeit später die Albumankündigung einleitete.

Und sicher werden einige mit einem Nervenzusammenbruch und Ohnmachtsanfällen dieses Album verdammen, sprüht es zwar nicht mit solch geballter Experimentierfreude wie die letzte Veröffentlichungen von ohGr oder auch cEvin Key’s Soloprojekt, werden Skinny Puppy keinesfalls Handzahm und lassen zur meiner Freunde dennoch einige Experimente mehr mit in ihre Musik einfließen. Wahrscheinlich sind sie auch ein wenig ruhiger geworden, besitzen die Songs aber immer noch eine unheimliche Dynamik und Energie an der andere Bands immer noch kläglich scheitern.

Hierzulande sicher nicht unter der Schublade Industrial zu finden, ist diese Spielart aus der Verbindung von düsterem Electro und harten Gitarrenriffs in ihrem Herkunftsland sicher ein gebräuchlicher Begriff dafür. Aber um nicht den Fehler zu begehen, sei gleich gesagt, dass man das neue Werk zwar dort "abstellen" kann, aber ein weitaus größeres Spektrum abdeckt, als es in seiner Gesamtheit wahrscheinlich erscheint. Verschachtelte und ruhige, sich langsam aufbauenden Songs kommen hier genauso zum Zuge, wie dichte, komplexe und treibend, harsche Klanglandschaften. Und so abwechslungsreich sich die Musik gestaltet, versucht man auch gesanglich nicht nur eine Stimmung einzufangen. Einen etwas schizophrenen Charakter hatten die Stücke durch Nivek Ogre wispernden und oftmals verzerrte Vocals schon immer. So muss man sich musikalisch neue Einflüsse suchen, so dass "Pro-Test"mit einem Rap-Gesang auskommen muss und auch "Neuwerld" leicht debil und krank daherkommt und die aneinandergereihten Wörter schon fast ausgerülpst und sehr dreckig klingen. Darüber hinaus holt man sich mit Wayne Static auch noch einen zweiten Sänger an Bord, der neben Danny Carey von Tool an den akustischen Drums im Song "Use-Less" ebenfalls einen Gastauftritt hat. Bleibt abzuwarten, wie das neue Album im Kreise alter Electrofans aufgenommen wird, meinen Ansprüchen werden sie mit "The Greater Wrong Of The Right" mehr als gerecht. Zu meinen Anspieltipps zählen hier das verschachtelte "Ghostman", das mit Break-Beats untermalte "EmpTe" und das treibende "DaddyuWarbash".



Tracklisting:

01. I'mmortal
02. Pro-test
03. EmpTe
04. Neuwerld
05. Ghostman
06. dOwnsizer
07. Past Present
08. Use Less
09. Goneja
10. DaddyuWarbash



Interpret: Skinny Puppy
Titel: The Greater Wrong Of The Right
Format: CD
Veröffentlichung: 24.05.2004
Label / Vertrieb: SPV
Internet: www.skinnypuppy.com