Kirlian Camera - Invisible Front. 2005   
Man möge mir verzeihen, dass ich Kirlian Camera nicht zu den Bands zählen kann, welche mich in den letzten Jahren stets begleitet haben. So ist es leider etwas schade, wenn nicht sogar tragisch, dass ich dieser Band so wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Nun ist es auch wahrhaftig nicht einfach, ein Repertoire von fast über 25 Jahren Bandgeschichte einfach so von heute auf morgen aufzuarbeiten. Eher zufällig viel mir dann auch das neue Album "Invisbible Front. 2005" in die Hände und bin mittlerweile recht glücklich darüber. Was schon anfangs recht bizarr, eigensinnig und somit sehr interessant klang, sollte sich auch beim genauerem Hinhören zu Hause, als nur beim schnellen durchskippen beim vertrauten Musikdealer, zeigen.

Die Mitglieder, um den Kopf der Band Angelo Bergamini, wechselten seit der Gründung Mitte der 70er Jahre eigentlich ständig. Und auch wenn ihre Herkunft Italien, nicht das Vorzeigeland für dunkle und beklemmende Musik ist, gehören sie mittlerweile mit zu den avantgardistischsten Pionieren, welche die Szene hervorgebracht hat und erfreuen sich seit mehreren Jahren auch hierzulande großer Beliebtheit, wenn auch ihr Ruf durch Negativpresse immer mehr beschmutzt wird. Vorwürfe militärischer Ästhetik und rechter Tendenzen, brachte sie mittlerweile schon dazu, teilweise Auftrittsverbote in Deutschland zu genießen. Erfreulich, dass sich Kirlian Camera davon nicht abbringen lassen und weiterhin musikalisch tätig sind.

Das neue Album versteht sich wieder durch die abwechselnde Gesangsinterpretationen, des Sängers Angelo Bergamini und seiner weiblichen Mitstreiterin Elena A. Fossi ohne die das Werk, in dieser Vollkommenheit wahrscheinlich nie erstrahlt wäre. Gekonnt spielt man sich auf gesanglicher Ebene den Ball zu. Ob dies eher entrückend wirkend ausfällt, wie in dem Song "Neferatiti One", vorgetragen von Angelo oder das darauffolgende, von Elena besungene, äußerst mitreisende und gleichzeitig tanzbarste Stück "K-Pax". Sie malen ihre Landschaft so trist, dass es einen immer erstaunt wie viel Schönes es darin doch zu entdecken gibt. Lange wird man dann auch nicht hingehalten, bis sich beide in einem gewaltigen Stück wie "Path Of Flowers" zusammenfinden und wohl eines schönsten Electro-Pop Stücke der letzten Zeit kreieren. Von verklärter schöner Romantik, bis hin zu kargen Soundgerüsten erschöpft sich in dem neuen Werk die musikalische Breite, welche in ihrer Leichtigkeit der Songs, einen doch sehr beklemmenden Unterton in sich trägt, wie man das eben auch schon auf älteren Veröffentlichungen her kennt. Aber wie gesagt, ist mir nur sehr wenig der Band bekannt, als dass ich jetzt groß andere Outputs umschweifen könnte und sie mit der aktuellen Veröffentlichungen zu vergleichen und Veränderungen deutlich zu machen. So möchte ich auch dieses Werk am besten für sich alleine sprechen lassen.

Stilistisch umwirbt man sich auf "Invisible Front 2005" mit kühlen, bisweilen sehr morbiden Sound Arrangements, welche den Avantgarde-Pop und einer aufkommenden 80er Jahre Ästhetik frönen, aber stets in Einklang mit moderner zeitgenössischer elektronischer Musik stehen. Selbstverständlich das hierbei warme Synthieflächen auf kühle Elektronik trifft und leichten, zerbrechlichen Songs, welche fast schon einem Regen feinster Elektropartikel gleichkommen, sehr dichte und druckvolle Songs folgen. Minimal-Electro, Electro-Pop und Ambient zählen zu den häufigsten Spielarten des neuen Albums, welche Kirlian Camera hier aus ihren Instrumenten kitzeln und immer sehr gut in Szene setzen. Und wenn sich das Album anfangs eher songorientiert zeigt (wenn man diesen Begriff auf den Album überhaupt verwenden darf), setzt sich "Invisible Front. 2005" in seiner zweiten Hälfte eher experimentierfreudig in instrumentalen Songs fort, so dass auf textlicher Ebene nicht mehr viel passiert. Abschließend sollte noch die Zusammenarbeit mit Jarboe der legendären The Swans in "A Woman’s Dream" Erwähnung finden, welche sich hier für Gesang und Text verantwortlich zeigt. Sollte der kommende Sommer demnach verregnet und kühl werden, haben Kirlian Camera auf jedenfall schon mal die passende Musik.

Für Sammler, macht sich diese CD sicher wieder schick in der Glas-Vitrine, so kommt die Erstauflage dieser CD im mehrfach aufklappbaren und schön gestaltetem Digipak mit einer Bonus CD, welche den zusätzlichen Song "Days To Come" enthält.



Tracklisting:

01. Mission Diary 1
02. K-Pax
03. Nefertiti One
04. Dead Zone In The Sky (Vinatge Solution Mix)
05. The Immarterial Children
06. The Path Of Flowers
07. K-Space-Y 1
08. Kobna Dob (The Sinister Season)
09. A Woman's Dream
10. K-Space-Y 2
11. Recorded Memory

Limitierte Bonus CD:

01. Days To Come


Interpret: Kirlian Camera
Titel: Invisible Front. 2005
Format: CD
Veröffentlichung: 12.03.2004
Label / Vertrieb: Trisol / EFA
Internet: www.kirliancamera.net