
Wenn Plattenfirmen und Magazine sich mit Lobeshymnen überwerfen,sollte man dies
eigentlich mit Vorsicht genießen. Schnell werden Bands über Wolken getragen, deren
Platz sich meistens dann doch nur im gefälligen Mittelmaß befindet. Eine Band,
welche vor knapp zwei Jahren mit ihrem Debut-Album für großes Aufsehen sorgte,
war zweifelsfrei das Bielefelder Duo Seabound. Doch hier gelang es nicht nur in
Sachen Produktion einen Punkt zu landen,sondern waren Seabound auch wieder jener
Lichtblick am Horizont, welche auch im Songwriting Stärken vorzuweisen hatten.
Dies gehört mittlerweile auch nicht mehr zu den obersten Tugenden in der Musiklandschaft.
Auch wenn die beiden Bandmitglieder Frank M. Spinath und Martin Vorbrodt zwar
auf ein zirka acht jähriges Bestehen zurückblicken können, wurde es erst in den
letzten beiden Jahren laut um sie. Zu verdanken ist dies letztendlich Covenant
Frontmann Eskil, der sie sicher durch seine Tätigkeit als Produzent etwas bekannter
gemacht haben hat, es jedoch noch eine Menge Arbeit bedarf, auf den Beinen zu
stehen, auf welche sich die beiden jetzt stützen.
Anfangs sind große Namen sicherlich hilfreich, helfen jedoch nicht darüber hinweg
auch auf Dauer präsent zu sein. Dass haben viele Bands unlängst nachhaltig bewiesen.
Seabound haben eben den Vorteil, dass sie auch ohne einen Eskil bestehen können
und alleine glanzvoll ihren Weg bestreiten. Dass dazu manchmal auch etwas mehr
Zeit ins Land geht, sollte dabei nicht weiter schlimm sein.

Nach
ihrer im letzten Jahr erschienen Single "Contact", wird Ende Januar das zweite
Album "Beyond Flatline" folgen. Für viele gehört es jetzt schon zu den Highlights
in dem noch sehr jungen Jahr - zumindest zu den heißen Anwärtern auf das beste
Album. Wie auch bei dem Vorgänger legen Seabound jede einzelne Sekunde vollste
Aufmerksamkeit in ihre Songs, so dass man genau zuhören sollte, nicht das einem
die Einzelheiten entgehen. Es treibt einem wirklich das Funkeln in die Augen
zurück, wenn man Seabounds Arbeit der letzten Monate in sich aufnimmt, man auch
nach mehrmaligem Hören Freude daran finden kann und die musikalische Entdeckungsreise
eigentlich nie aufhört. "Beyond Flatline" ist zwar etwas ruhiger ausgefallen
als "No Sleep Demon", dafür passiert aber auch wesentlich mehr und die Stücke
bekommen einmal mehr schon fast filmische Soundstrukturen. Eine Brücke zum letzten
Album bildet musikalisch am ehesten die Vorabsingle "Contact". Hier und wie
auch in einigen anderen Stücken des Albums arbeitet man neben den "normalen"
Gesang auch mit Stimmenverfremdungen, um die Sichtweisen verschiedener erzählender
Personen, in den Texten, denen oftmals psychische Abgründe zu Grunde liegen,
besser zu verdeutlichen. Und auch sonst ziehen sie alle Register um die Spannung
auf dem Album bis zum letzten Ton inne zu halten. Abwechslung! – Das Schlagwort
was eben den Vorgänger "No Sleep Demon" schon so sympathisch machte - So ist
es auch selbstverständlich, dass neben dem eher wehmütigen "Soul Diver", ein
kühler und distanzierter Electro-Stampfer wie "Digital" existieren kann, oder
nach der progressiven Rhythmusattacke "Go International" das verträumte sphärische
"Watching Over You" folgt. Selten steckt soviel Kraft und gleichzeitig Zerbrechlichkeit
in neuen Electro-Veröffentlichungen, so dass es eigentlich gar nicht mehr Worte
um dieses Werk bedarf. Wenn Seabound mit ihrem Debut "No Sleep Demon" die Pfade
des hoffnungsvollen Newcomers gingen, sollte sie sich nach diesem Album zweifelsohne
ein ganzes Stück treppauf bewegen. Zu wünschen wäre es ihnen. Einer Band mit
Zukunft! Wer mit intelligentem Electro-Pop etwas anfangen kann, sollte hier
seine hellste Freude habe. Unbedingt antesten!
Tracklisting:
01. Transformer
02. Contact
03. Soul Diver
04. Digital
05. Poisonous Friend
06. Seperation
07. Torch
08. Go International
09. Watching Over You
10. Icarus
Interpret: Seabound
Titel: Beyond Flatline
Format: CD
Veröffentlichung: 19.01.2004
Label / Vertrieb: Dependent
Internet: www.seabound.de