
Wie man immer wieder an bestimmten Orten ganz klar und deutlich die Entstehung
einer bestimmten Bewegung oder einer Kultur ausmachen kann, ist schon erstaunlich,
dass gerade an einem Punkt eine bestimmte Richtung wächst und gedeiht, zeigt,
dass es ohne Einfluss sicher gar nicht möglich ist, irgendwie kreativ zu sein,
um Neues zu schaffen.
So wie man dieses Phänomen beispielsweise, der immer mehr aufkommenden Entstehung
der Electronic-Body-Music Anfang der 80er Jahre in Europa (hauptsächlich Belgien)
zusprechen kann, so kreierten auch Anfang der 90er Jahre Bands aus Bristol/England
ihren ureigenen Sound und ein Cocktail aus Trip Hop, Big-Beat und Break-Beats
entstand daraus. Letzteres ist auch bei der nun zu besprechenden Band größtes
Merkmal. Ob der Zufall es nun will oder nicht - auch Seize haben ihr Zuhause
dort, wo alles bisschen anders ist als anderswo.
Im Jahre 1995 durch Sandrine gegründet, stieß mit Steven kurze Zeit später ein
weiteres Mitglied hinzu und man schlug sich einige Zeit erst einmal als Duo
durch. Zwei Jahre später folge mit "Lunacy" 1997 das erste Album, bei dem Vergleiche
mit Bands wie Massive Attack oder Portishead nicht ausblieben und man sicher
auch nicht zuverübeln vermag. Mit einem weiterem Mitglied Rosie, welche seitdem
die Live Sounds erweitert, komplettierte man 2002 das in heutiger Form bestehende
Trio. Ein Konzert der Band sollte auch mein Blickfeld das erste Mal auf diese
Formation lenken:
Wenn Daniel Myer (Haujobb, Clear Vision, Architect, H_M_B,…) zu Tische bittet,
jemand der seine eigene Vorstellung von musikalischer Kleinkunst hat und sehr
kritisch ausufernden Trends wie Future Pop gegenübersteht, ist es wohl schon
an sich Lob genug im Vorprogramm des ersten Planetmyer Days spielen zu dürfen,
wie es sich im letzten Winter wunderbar vollzog.

Für
mich damals noch völlig fremd, überzeugten sie nicht nur mich, mit ihrer Melange
aus modernen Electro-Sounds und den schon angesprochenen, sehr dominanten Break-Beat
Einlagen. Ein Jahr später ziehen sie wieder die Augen, mit dem neuen Album "The
Other Side Of Your Mind" auf sich.
Ankündigungen verrieten einem schon, dass man mit dem neuen Material Club orientierter
geworden ist, demzufolge die Songs zwar einem höheren Tempo zuzuordnen sind,
was aber zum Glück nicht ausartet und krampfhaft versucht wird in ein Schema
zu passen. Wenngleich, der erste Song und zugleich Titeltrack sehr treibend
voran marschiert und einem durch seinen hektischen Charakter den Einstieg etwas
erschwert. Vielleicht hätte dieser Song an anderer Stelle einen besseren Platz
gefunden und nicht als Opener fungieren sollen. Aber dies bleiben wie immer
Spekulationen.
Wenn dadurch sicher der rote Faden etwas abhanden gekommen ist, findet er sich
doch nach drei bis vier Liedern des Albums wieder. Vielleicht etwas spät, so
dass das Album nicht gerade einen schlüssigen Charakter bekommt und sich nachhaltig
auswirkt. Ihre Stärken liegen mit großer Sicherheit in den nachfolgenden, etwas
ruhigeren Mid-Tempo Songs, als der Versuch mit aller Gewalt Tanzmusik kreieren
zu wollen. So pendeln sich dann auch zum Glück die Stücke auf einem gefälligeren
Level ein. Allesamt von gleicher Intensität tragen die Stücke zu Recht die Überschrift
"Breakbeat Electronica", wie man es auch auf der bandeigenen Homepage lesen
kann. Sängerin Sandrine weiß mit ihrer eindringlichen und prägnanten Stimme
umzugehen und erinnert einen des Öfteren an Kosheen, da auch musikalisch Ähnlichkeiten
bestehen. Richtige Harmonien und Melodieführungen kann man bei Break-Breat zwar
nicht immer erkennen, doch Seize scheinen damit kein Problem zu haben und lassen
bei ihren Songs auch so etwas wie Atmosphäre erkennen.
Zum Schluss lässt sich zusammenfassend sagen, dass "The Other Side Of Your Mind"
nette musikalische Ansätze zu verzeichnen hat, dennoch einen Überhit vermissen
lässt, der dem ganzen noch den besonderen Schliff geben würde. Als letztes Manko
bleibt außerdem zurück, dass man etwas zu abrupt aus dem Album "geworfen" wird
und offene Fragen zurückbleiben. Aber für einen wieder erwartenden, eher mageren
Winter, wie er sich schon letztes Jahr abzeichnete, zählt diese Veröffentlichung
sicher zu den besseren im ausklingenden Jahr 2003 - auch wenn es für mich nicht
DIESES Album ist, wie es andere beispielsweise gewesen sind!
Tracklisting:
01. The Other Side
02. Don't Let Me
03. Unbreakable
04. Eyes Water
05. Lost In Space
06. Because Of Me
07. 100 Years
08. Insanity
09. Don't Let Me (Yuri_Vs_Jus Mix)
10. Too Good To Be True
11. Weird Dreams
12. Who I Am
Limitierte Bonus CD:
01. Don't Let Me (KUB Mix)
02. 100 years (NEIKKA RPM Mix)
03. The Other Side (IMPLANT Mix)
04. Lost In Space (Future Beat Mix by E.R.R.A.)
05. Unbreakable (Broken Mix)
06. Don't Let Me (DISKONNEKTED Mix)
07. The Other Side (OIL 10 Mix)
08. Unbreakable (COLONY 5 Mix)
09. Because Of Me (YURI_VS_JUS Mix)
10. The Other Side (Dream Pad Remix by SERO.OVERDOSE)
11. Don't Let Me (DELOBBO Chromatic Mix)
Interpret: Seize
Titel: Other Side Of Your Mind
Format: CD
Veröffentlichung: 14.11.2003
Label / Vertrieb: Alfa Matrix
Internet: www.seize.org.uk