
Bei weitem sicherlich kein lustiges Zuckerschlecken mit fröhlichen und gutgelaunten
Geistern. Aber dafür haben wir auch Herbst - also was soll's… Da besingt man lieber
schlafende Sterne zu verworrenen und kargen Soundgebilden wie es die beiden Herren
Thies Mynther und Dirk von Lowtzow auf "To Damascus" vollführen.
Zuerst genannter dürfte sich wohl einen Namen durch seine Produzentenarbeiten
der Hamburger Schule und Knöpfchendreher bei Stella und Superpunk gemacht haben.
Bekannterer von beiden dürfte jedoch Dirk von Lowtzow sein, Gitarrist und Sänger
der deutschsprachigen Band Tocotronic.

Was
als flüchtiger Projektzusammenschluss begonnen hat, erntet nun schon zweite
Früchte. Somit darf man sich hoffentlich auf ein standhafteres Projekt und weitere
Resultate einstellen. Zwei Jahre nach dem selbstbetitelten ersten Album setzen
die beiden Avantgardisten ihre Reise nun fort und überraschen uns einmal mehr.
Auch wenn sich diese Überraschung anfangs schwer in Grenzen hält, das Album
weitaus mehr Anläufe braucht um Gefallen daran zu finden, sollte sich keiner
vor einer ersten Gesichtsentgleisung abschrecken lassen und dem Werk mehr Zeit
zusprechen! Denn diese braucht es Gewiss!
"To Damascus" ist versehen mit Cello Klängen, Streicher Ausflügen und ein Zupfen
an der Akustik Gitarre bleibt ebenfalls nicht aus. Darüber und allen voran stehen
jedoch immer noch die elektronischen Nuancen, welche hier den größten Platz
einnehmen, was aber auch zu erwarten gewesen ist und schon auf den Vorgänger
von großer Präsenz war.
Mit pulsierender Monotonie und flüsterndem Gesang beginnt man dem Namensgeber
auf "To Damascus" Leben einzuhauchen, der sich dann langsam zu steigern versteht
und galoppierend dahinschreitet. Alles wirkt anfangs sehr verhalten - sparsam
dosiert und man blickt sehr befremdlich auf das was die beiden aus ihren Instrumenten
kitzeln. Die darauffolgende zweite Tonoper "Born With A Nervous Breakdown" startet
mit knisternden elektronischen Klängen um dann von einem gebrochenen Gitarrenspiel
und monotonen Beats Ablösung zu finden. Auch wenn Phantom/Ghost mit elektronischen
Spielereien zu Gange schreiten, sollte man sie nicht mit den derzeit aufkommenden
80er Revival Bands in einen Topf werfen. Hier werden keine kitschigen elektronischen
Bausteine bunt durcheinander gestapelt um sie dann wieder zum Einsturz zu bringen.
Ihr Flair ist dunkel und sucht sich eher in ruhigeren Momenten. Der Gesang klingt
sehr eigen, wenn nicht sogar manchmal etwas theatralisch. Songs, die man vergebens
auf den Tanzflächen der Diskotheken finden wird, vielmehr in verrauchte Clubs
passen oder in Bars, welche man wohl doch lieber von draußen betrachten sollte.
Etwas eingängiger spielt man dann in "My Secret Europe" Vocoderverfremdungen
hin und her. Doch auch dadurch wird "To Damascus" nicht in die Popgeschichte
eingehen und keinen Preis mit nach Hause nehmen dürfen, dafür strotzt man vor
zu viel Eigenheit, verworrenen Soundcollagen und schwierigen Klanggerüsten.
"To Damascus" ist in seiner Einzelheit zwar eher minimalistisch gehalten, trotzdem
hat man zu den einzelnen Songs immer ein großes Schauspiel im Kopf, welches
sich immer mehr ausbaut und man zu verstehen beginnt.
Das Schlusslicht der neun Tracks bildet dann die Vorabsingle "Nothing Is Written",
welche einem den Hauch der 70er Jahre ins heimische Zimmer holt und einen immer
an irgendetwas zu erinnern vermag. Zugleich schaut man schon etwas komisch drein
um dann doch Gefallen an dieser musikalischen Eigenheit zu finden und mit einem
zufriedenen Lächeln im Gesicht beim Ausklingen von "To Damascus" erneut auf
"Play" zu drücken. Sich entspannt zurücklehnen und das nächste Kapitel im Buch
zu beginnen…wir haben Herbst, also was soll's?
Tracklisting:
01. To Damascus
02. Born With A Nervous Breakdown
03. St. Lawrence
04. My Secret Europe
05. Laudanum
06. Sticky Paws
07. Intermission
08. Thank God It's Judgement Day
09. Nothing Is Written
10. Nothing Is Written (Live Video)
Interpret: Phantom/Ghost
Titel: To Damascus
Format: CD
Veröffentlichung: 13.10.2003
Label / Vertrieb: Mute / Ladomat
2000 / EMI
Internet: www.lado.de