
In Zeiten wo man noch bedingt musikalische Fernsehliteratur genießen konnte
und nicht auf jedem Sender stupider amerikanischer Größenwahn in Arschwackelnder
Nacktheit verpackt wurde, konnte man mit wenig Glück auch auf die ein oder die
andere interessante Band stoßen. Wie es anno 2001 passieren sollte…
Die Single "Living In A Magazine" war wohl auch meine erste Begegnung mit der
britischen Band, um Stuart Price und den Gebrüder Adam und Johnny Blake. Mit
der gleichen retro behafteten Affinität kehren sie auch im Jahre 2003 auf die
Bretter die die Welt bedeuten zurück. Bands wie Human League, Spandau Ballet
oder auch Heaven 17 zählen sicherlich heute noch zu den Favoriten der drei jungen
Musiker, klingen ihre Werke zwar sehr eigenständig, lässt sich aber eine gewisse
Artverwandheit und Zugehörigkeit nicht verleugnen.

Zoot
Woman spinnen sich dennoch ein Stück weiter und katapultieren sich aus den 80er
Jahren direkt in das Hier und Jetzt, mit all' den guten Raffinessen und Tugenden
jener Zeit im Gepäck zu haben. Hier bleibt niemand stehen oder blickt traurig
zurück! Zoot Woman lassen alles zu einer Einheit verkommen. Sie verbinden gekonnt
Trip Hop und House Sounds mit dem Flair des 80er Jahre Synthie-Pop. Kombinieren
quirlige Gitarrenklänge mit neuzeitlichem Electro. Stehlen sich von klaren Keyboardsequenzen
zu psychedelischen Experimenten und Vocoderverfremdungen. Zoot Woman lassen
auf ihrem gleichnamigen, zweiten Album in den oftmals sehr kurz gehaltenen Tracks
keine Wünsche offen.
Grey Day, der Opener der Platte und Vorabsingle zeigt, dass sich bei Zoot Woman
nicht viel verändert hat. Verschobener Indierock trifft auf pulsierende Elektronik
Vibes. Ruhiger wird es dann schon bald im zweiten Song "Take It All", der mit
seinen kühlen House Sounds und seinem 80er Jahre Soul sicher einen Platz in
den Diskotheken jener Zeit gefunden hätte. "Gem" der darauf folgende Track,
platziert sich mit seinen dominierenden Bassklängen, seinen schwebenden Keyboardflächen
und der Vocoder verzerrten Stimme direkt in den Clubs. Und so schaffen es Zoot
Woman mit Leichtigkeit den Ball gekonnt hin und her zu werfen. Ob ein verspieltes
"Hope In The Mirror", das balladeske "Snow White" oder das psychedelisch rockig
anmutende "Useless Anway". Niemals wird man den roten Faden vermissen, der sich
durch ein, zwar kurzes, aber intensives Hörerlebnis zieht.
Sogar Madonna selbst wurde auf die musikalischen Qualitäten der drei Herren
aufmerksam und engagierte Schlagzeuger Stuart Price kurzerhand für ihre 2000er
"Drowned World-Tour". Wer mit Zoot Woman also bisher nichts anfangen konnte
und dem 80er Jahre Nostalgie kein Fremdwort ist, der sollte unbedingt Zoot Woman
einmal antesten.
Tracklisting:
01. Grey Day
02. Taken It All
03. Gem
04. Hope In The Mirror
05. Snow White
06. Woman Wonder
07. Calmer
08. Useless Anyway
09. Maybe Say
10. Half Full Of Happiness
Interpret: Zoot Woman
Titel: Zoot Woman
Format: CD
Veröffentlichung: 08.09.2003
Label / Vertrieb: Wall
Of Sound / Labels
Internet: www.zootwoman.com