
Und es bedarf wieder einmal großer Freude!
Konnte man vor zwei Jahren regelrecht auf das Erscheinen einer neuen Veröffentlichung
des Soundtüftlers Daniel Myer und seiner unzähligen Projekte warten, ist es
nun schon wieder ein Weilchen her mit diesen netten musikalischen Klangepisoden,
so dass der Appetit nach Neuem so langsam immer größer wird.
Das Duo, bestehend aus Dejan Samardzic und dem eigentlichen Kopf Daniel Myer
begann Anfang der 90er Jahre mit einer ganz eigenen Definition von zeitgenössischer
Musik zu Werke zu treten. Schnell sah man sich in der Nische zwischen Bands,
wie Skinny Puppy oder Frontline Assembly und bildete die deutsche Antwort darauf.
Bizarre Geräuschkulissen, verwirrende Klänge, detailverliebte und verschachtelte
Songs sollten hierbei eher im Vordergrund stehen, als ein aberwitziges Popappeal.
Im Monat Juli, wird man wieder diesen Taten frönen und mit dem Projekt Haujobb
erneut durchstarten. "Polarity", der Vorgänger zu "Vertical Theory", erschien
vor knapp zwei Jahren und stellt für mich noch immer mit eines der größten Highlights
in Sachen elektronischer Musik dar.
Dass man sich bei Daniel Myer nicht auf einem Stil berufen sollte, zeigt er
nicht nur in der Reihe seiner diversen Outputs (Clear Vision, HMB, Architect,
Dots & Dashes,…oder eben Haujobb) , sondern auch in jedem einzelnen Projekt.
Über Ausflüge in den Drum & Bass Bereich, wie beim dem 1999er Werk "Ninetynine"
sollten somit nicht verwunderlich sein, auch wenn dieses Wagnis seinerseits
floppte. Einen Schritt zurück, zu den Wurzeln und einen gewaltigen Satz nach
vorn ging es dann im Nachfolgerwerk und dem letzten Release "Polarity". Man
zeigte sich wieder druckvoller, experimentierfreudiger und die Liebe zum Detail
war in all seinen darauf enthaltenen Songs von großer Präsenz und man konnte
wieder an das bis dato erfolgreichste Album "Solution For A Small Planet" anknüpfen,
was sich auch zur Freude vieler Fans erwies.
Doch wohin wird uns der Weg nun mit "Vertical Theory" führen?
Ehrlich gesagt, war ich beim ersten Durchlauf des neuen Albums eher enttäuscht.
Die Songs fallen für das erste Hören sehr ungewohnt eingängig auf. Zwar war
dieser Schritt abzusehen, doch irgendwie vermisste ich die ganzen verfrickelten
und verworrenen Soundcollagen des Vorgängers. Aufs Neue habe ich gelernt, dass
man sich bei Herrn Myer nicht auf vorangegangenes Schaffen berufen sollte, …
…so dass man auch diesem Werk seine Zeit zusprechen sollte, um den Zugang dazu
zu finden
Es wurden elf eigenständige Tracks konzipiert, welche diesmal nicht, wie beim
Vorgänger durch einzelne Zwischenparts verbunden sind, sondern jeder Song für
sich steht. Wie schon erwähnt, ist "Vertical Theory" nicht so verspielt wie
sein Vorgänger "Polarity". Am Anfang stehen Tracks wie "S.Adow" "The Noise Institute"
oder das wütende "A Terrifying Truth", welcher sicher ihren Einsatz in den Clubs
nicht verfehlen würden. Letzterer zeigt sich durch seinen aggressiven Gesang
und schnelle Rhythmik als geheimer Gewinner dieses Albums. Gegen Ende der CD
wird es wieder ruhiger, jedoch nicht uninteressanter. Obgleich man sich Mitteln
des alten Old School Electro's bedient oder Einflüsse aus dem House und Dance
Bereich mit einfließen lässt. Ein Album bei dem wieder alles möglich ist und
man sich keine Grenzen setzen sollte.
"Vertical Theory" schafft es zwar nicht sich mit "Polarity" zu messen, dennoch
hat er es wieder geschafft einige seiner Mitstreiter zu überholen und aufzuzeigen
wer sich an der Sperrspitze der elektronischen Musik bewegt. Auch wenn das in
den letzten Jahren nicht mehr ganz so wahrgenommen wird. Schade eigentlich!
Tracklisting:
01. Regengades Of Noize
02. S.Adow
03. The Noise Institute
04. A Terrifying Truth
05. Metric
06. Concrete
07. Slide
08. Platform
09. Claim The Planet
10. Faith In Chaos
11. Penetration (Fuck The Floor)
Interpret: Haujobb
Titel: Vertical Theory
Format: CD
Veröffentlichung: 14.07.2003
Label / Vertrieb: Out Of Line
Internet: www.planetmyer.de