Goldfrapp - Black Cherry   

Etwas über zwei Jahre ist es nun her, dass uns Will Gregory (Filmkomponist, Arrangeur & Keyboarder) und Alison Goldfrapp (Sängerin & Keyboarderin) ein wahrhaftig melancholisches Wintermärchen mit "Felt Mountain" in die heimischen vier Wände zauberten. Von null auf hundert überwarfen sich Kritiker zu recht mit Lobeshymnen über ein Debut, was plötzlich wie aus dem nichts auftauchte und voller Begeisterung alles andere überschattete. Großes Kino, welches keine Bilder brauchte um einen großartiges Film auf die Leinwand zu bringen, so dass vielmehr schwebende Atmosphären, orchestrale soundtrackartige Wände und eine sinnliche Stimme die Landschaften voller bizarrer Schönheit malten.

Inwieweit sich die Erwartungen des klanglichen Bildes über den Nachfolger festgesetzt haben kann ich nicht sagen. Wer jedoch meint in "Black Cherry" ein weiteres trauriges Märchen zu entdecken sollte sich von diesem Gedanken gleich verabschieden. Schon bei dem Coverartwork kommen diesbezüglich erste Zweifel auf. So wird es im CD Fachgeschäft nicht ausbleiben Gesichtsentgleisungen hinzunehmen und sich zu entscheiden, ob man die Hand nach einer im 80er Jahre Look überstylten CD ausstrecken soll oder besser gleich wieder den Laden verlässt. Denn es gibt da Dinge die sich gewaltig geändert haben. Und das zum Glück!

"Black Cherry" wird demnach keine logische Fortsetzung seiner großen Schwester sein. Das neue Album wird neben "Felt Mountain" wie ein kleiner Bastard daneben stehen. Hyperaktikv, frech & strotzig! Anders, unkontrolliert & verdammt gut! Goldfrapp scheren sich einen Dreck darum, den gesetzten Erwartungen in "Felt Mountain" gerecht zu werden und präsentieren ein Album, dass so manchen "Felt Mountain" Fanatiker erst einmal die Zahnspange wieder in die richtige Lage rücken wird! Man merkt "Black Cherry" an, dass Goldfrapp Musik für sich machen, ihrer Erfüllung in perfekter Musik gerecht zu werden. Und das ist gut so! Stellte der Vorgänger eine Art kleines Wintermärchen dar, so ist "Black Cherry" der darauf folgende Frühling. In den es Unmengen an verschiedenen Dingen zu entdecken gibt. Neues Leben aus Boden sprießt. Voller Energie und neuer Kraft!

So wirbelt schon der Opener "Crystalline Green" mit hektischen Sequenzen umher. Es wird gewaltig an den Reglern gedreht und sehr viel experimentiert! "Train" der darauf folgende Track und erste Singleauskopplung stellt sich einem ähnlich knarzig in den Weg und spielt mit elektronischen Blues! Natürlich hat "Black Chery" auch ruhige Passagen zu verzeichnen, die aber wesentlich frischer und lebendiger den Raum betreten, als dies auf "Felt Mountain" der Fall war. Der Titeltrack überzeugt somit mit einem schönen Synthielauf und bettet Alison's Stimme in eine traumhafte Atmosphäre ein. Auch wenn Goldfrapp nicht viel von alten Tugenden übernommen haben, so bleibt den meisten Songs die soundtrackartige Kulisse bestehen. Um nicht jeden Song jetzt in seine Einzelteile zu zerlegen, sei noch kurz der Track "Tipote" ans Herz gelegt, welcher sehr deutlich macht, wie verspielt "Black Cherry" wirklich ist, denn überall gibt es entzückende Geräusche zu entdecken, die keine Langeweile aufkommen lassen und das Hören zum wahren Vergnügen machen! Im Gegensatz zu "Felt Mountain" fließt bedeutend mehr Strom durch die Musik und die einzelnen Stücke können für sich alleine stehen, als dass sie sich wie auf "Felt Mountain" eher in einem Konzept erschließen. Um Golfrapp zum Schluss noch einer musikalischen Einordnung zu unterziehen, würde ich meinen dass die Songs irgendwo zwischen Electrotrash/clash, Synthie-Pop, Electroblues, Ambient & Avantgarde umherpendeln! Unbedingt mal antesten! Musikalische Verwandte wären irgendwo bei Portishead, Björk, Air, Lalo Schifrin oder Ennio Morricone zu suchen.


Tracklisting:

01. Christalline Green
02. Train
03. Black Cherry
04. Tiptoe
05. Deep Honey
06. Hairy Trees
07. Twist
08. Strict Machine
09. Forever
10. Slippage

Interpret: Goldfrapp
Titel: Black Cherry
Format: CD
Veröffentlichung: 28.04.2003
Label / Vertrieb: Mute / Virgin
Internet: www.goldfrapp.co.uk